Virus unterscheidet nicht zwischen „geschäftlich“ und „privat“

Die Lage für Betriebe und Arbeitsplätze ist angespannt. WK-Präsident Christoph Walser zählt auf die Eigenverantwortung und die Solidarität der Tirolerinnen und Tiroler – sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich. Nur so lassen sich Arbeitsplätze erhalten und Familieneinkommen nachhaltig sichern.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Wir befinden uns mitten im zweiten Lockdown. Wie ist die Lage in den heimischen Betrieben?

WK-Präsident Christoph Walser: Die vom Lockdown erfassten Betriebe in der Tourismus- und Freizeitbranche sind massiv betroffen. Aber auch viele Zulieferer, etwa im Handel oder dem Baugewerbe, spüren die Auswirkungen. Trotzdem bekennt sich die WK selbstverständlich dazu, Covid-19 zu bekämpfen. Die Bedrohung zu ignorieren, wäre verantwortungslos.

Wie tauglich sind die aktuellen Förderungen für die Betriebe?

Der für den November beschlossene Umsatzersatz geht in die richtige Richtung, wenn die Abwicklung wie versprochen einfach und schnell funktioniert. Darüber hinaus warten wir auf die angekündigten Förderungen für Zulieferer von Betrieben, die vom aktuellen Lockdown betroffen sind. Nicht akzeptabel ist, dass Betriebe teilweise seit Monaten auf Auszahlungen warten. Es ist auch höchste Zeit, dass Öster­reich mit der EU beim Fixkostenzuschuss II auf einen grünen Zweig kommt.

Bleiben wir gleich bei der EU: Die meisten europäischen Länder schotten sich mit Reisewarnungen ab. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Das aktuelle Reisewarnungs-Wirrwarr sorgt für Verunsicherung und schadet unserem gro­ßen Ziel – der Eindämmung des Virus. Der gemeinsame Feind ist Corona, nicht das jeweilige Nachbarland. Die EU darf nicht weiter zulassen, dass nationalstaatliche Maßnahmen den Binnenmarkt gefährden. Das Ampel-System der EU ist in der jetzigen Form untauglich dafür, eine einheitliche Basis zu schaffen.

Worin liegen die größten Gefahren?

Solange wir täglich neue Höchstzahlen registrieren, bleiben die Reisewarnungen und die Verunsicherung. Die Betriebe leisten mit Präventionskonzepten, Gästeregistrierungen und strikten Kontrollen ihren Beitrag. So schmerzhaft es ist, aber die Einschränkungen müssen auch den Privatbereich abdecken. Das Virus unterscheidet nicht zwischen „geschäftlich“ und „privat“ und lässt sich nur mit einer Doppelstrategie eindämmen. Darüber hinaus dürfen wir trotz aller Dramatik nicht übersehen, in die Zukunft zu schauen. Gewinner werden jene Standorte sein, die in den kommenden eineinhalb Jahren den vorhandenen Gestaltungsraum nutzen.

Welchen Stellenwert nehmen in der aktuellen Lage die Schulen ein?

Es ist gut, dass die Pflichtschulen offen sind. Schließlich geht es um die Zukunft unserer Kinder, die ein Recht auf Bildung haben. Geschlossene Schulen verursachen zudem ein massives Betreuungsproblem, das auch die Betriebe vor unlösbare Probleme stellt. Bevor laut über weitere Schließungen nachgedacht wird, gibt es noch Luft nach oben: etwa eine durchgängige Maskenpflicht, die Trennung von Klassen, Schnelltests und natürlich auch die Erhöhung der Frequenz im öffentlichen Personennahverkehr, auf den viele Schüler und Pendler angewiesen sind. Bei den Berufsschulen fordern wir, den fachpraktischen Unterricht auszuweiten sowie den Präsenzunterricht für Einstiegs- und Abschlussklassen durchzuführen. Sollte das nicht möglich sein, ist eine Verschiebung auf den Sommer eine sinnvolle Möglichkeit.

Erwarten Sie, dass wir 2021 wieder durchstarten werden?

Eine Impfung gegen Corona wird viel Druck wegnehmen. Der Neustart wird jedoch einige Zeit brauchen. Auch das Thema Insolvenzen wird uns 2021 einholen. Derzeit liegen diese ja aufgrund von Unterstützungen und Stundungen auf sehr niedrigem Niveau. Es gilt, geschwächte, aber grundsätzlich gesunde Betriebe zu stützen, aber bei hoffnungslosen Pleitefällen rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, da sonst weitere Betriebe mit in den Abgrund gerissen werden. Die WK hat ein eigenes Beratungsprodukt für betroffene Betriebe ins Leben gerufen.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Monate?

Dass die Eigenverantwortung stärker ist als die aufkommende Corona-Müdigkeit. Jeder Einzelne von uns hat es in der Hand, das Virus auszubremsen. Es geht schließlich um nichts Geringeres als die Erhaltung von Arbeitsplätzen und damit die Basis unseres Wohlstandes. Wenn wir es schaffen zusammenzuhalten, können wir auch in Corona-Zeiten möglichst viel „Normalität“ aufrechterhalten, nach der sich alle so sehnen. Gehen wir gemeinsam durch dieses dunkle Tal! Keiner weiß besser als wir Tiroler, dass nach jedem Tal wieder ein Berg kommt.

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