Sparten rüsten sich für die Zeit mit und nach Corona

Die sieben Sparten der WK Tirol starten plangemäß in die neue Periode. Sämtliche Spartenobleute wurden in den konstituierenden Sitzungen bestellt. Die neue Periode ist von zwei Schwerpunkten geprägt: einerseits dem erschwerten Arbeiten unter Corona-Bedingungen, andererseits der strategischen Ausrichtung für die Zeit „danach“.

Die Fachorganisationen und Sparten der Wirtschaftskammer sind die emotionale Heimat der jeweiligen Mitglieder – hier geht es um ganz konkrete Brancheninteressen. Die Sparten mit ihren Fachgruppen, Innungen und Gremien sind die erste Anlaufstelle in branchenspezifischen Angelegenheiten für die Tiroler Betriebe. Nach der WK-Wahl im Frühjahr ist es in den letzten Tagen plangemäß zur Konstituierung der Sparten für die kommende Periode gekommen. Quer über alle Fachbereiche ist derzeit die Corona-Krise das bestimmende Thema. Verschiedene Branchen sind ganz unterschiedlich betroffen – daher braucht es auch unterschiedliche Konzepte, um aus der Krise zu kommen. Die Sparten blicken darüber hinaus nach vorne und stecken die strategischen Ziele für die kommenden Jahre ab.

Stimmen aus Gewerbe & Handwerk und Industrie

Franz Jirka wurde als Spartenobmann im Gewerbe und Handwerk bestätigt. Aktuell sind für ihn das „Freitesten“ und die Streichung der Quarantäne bei wiederholt negativen Testergebnissen dringend notwendig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Nach Corona wird das brennendste Thema in der Branche der Facharbeitermangel sein. „Dieses Problem der fehlenden Facharbeiter wird uns noch Jahre begleiten“, ist der Spartenobmann überzeugt und fordert neue Wege in der Bildung und die Aufwertung der Lehre. Lehrlinge und Facharbeiter verdienen den Stellenwert, der ihnen zusteht. „Für die Firmen sind volle Auftragsbücher nutzlos, wenn ihnen das qualifizierte Facharbeiterpersonal fehlt“, warnt Jirka. „Qualität wird in Zukunft entscheidend für den Erfolg von Fachbetrieben sein“, erklärt Jirka, „wir können in Tirol im Wettbewerb nicht mit Preisdumping bestehen, sondern nur mit ausgezeichneten Produkten und Dienstleistungen.“ Daher möchte der Spartenobmann auf die Qualitätssicherung besonderes Augenmerk legen: „Mit Regionalität und Qualität werden wir diese Zeit des rasanten Wandels nachhaltig bewältigen können.“

Hermann Lindner steht weiterhin an der Spitze der Sparte Industrie. Aktuell haben für den Spartenobmann die Gesundheit der Mitarbeiter und die bestmögliche Bewältigung der Corona-Krise absolute Priorität. Bei einem Exportanteil von 70 Prozent sind für diese Sparte intakte Lieferketten und offene Grenzen besonders wichtig. Um den Mitgliedern bestmögliche Unterstützung in der jetzigen Lage zu bieten, baut die Sparte ihre Serviceleis­tungen aus und verstärkt die Kontakte zu Politik und Behörden. Als Schwerpunkte für die kommenden Jahre sieht Lindner die Digitalisierung, die Stärkung von Forschung und Entwicklung sowie gezielte Aus- und Weiterbildung. Die Anforderungen an hochwertige Industrieprodukte steigen laufend – eine wesentliche Voraussetzung für die Betriebe liegt in der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. „Eine solide Industrie ist ein wichtiger Teil im Branchenmix in Tirol. Die Sparte wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die politischen Rahmenbedingungen attraktiv sind und der Industriestandort Tirol sich weiterentwickeln kann“, so Lindner.

Kompetente Beratung bei den Sparten Handel und Bank & Versicherung

Der Slogan „Handel im Wandel“ beschrieb bereits in den letzten Jahren treffend die Situation dieser Sparte. Die Corona-Krise beschleunigt die Veränderungen und damit die Herausforderungen für die heimischen Händler. Dieter Unterberger löst als neuer Spartenobmann Martin Wetscher ab, der als Vizepräsident in das WK-Präsidium wechselt. Für Unterberger liegen große Chancen für den Handel in der Nutzung neuer Vertriebswege, welche die Digitalisierung den Konsumenten und Herstellern bietet. Gleichzeitig birgt der Online-Handel aber auch Gefahren für die Branche. Daher ist der Spartenobmann überzeugt: „Wir müssen darauf achten, dass wir den stationären Handel in unseren Innenstädten attraktiv gestalten, da es nach wie vor das Bedürfnis der Konsumenten nach persönlichem Kontakt, kompetenter Beratung und professionellem Service vor Ort gibt und weiterhin geben wird. Es kommt darauf an, einen möglichst ansprechenden Mix aus digital und analog zu erzielen“, erklärt Unterberger.

Hans Unterdorfer löst Harald Wanke als Obmann der Sparte Bank und Versicherung ab. Aktuell ist für den Spartenobmann das Wichtigste, trotz der besonderen Lage, den Kunden alle gewohnten Services in bester Qualität anzubieten. „Das reicht von der Bargeldversorgung über Beratungsleistungen bis hin zur Umsetzung der von der Bundes- und Landesregierung angebotenen Unterstützungsleistungen und Stundungen. In der Corona-Krise sind die heimischen Banken und Versicherungen definitiv ein Teil der Lösung“, erklärt Unterdorfer. Eine große Chance sieht der Spartenobmann für die Zukunft in der Digitalisierung, die gerade einen großen Schub erfährt. Das umfasst beispielsweise bargeldloses Bezahlen sowie die einfachere und sichere Abwicklung von Bank- und Versicherungsgeschäften. Daher liegt einer der Schwerpunkte der Sparte in der Unterstützung der Betriebe in diesem Transformationsprozess. „Die regionalen Banken und Versicherungen sind kompetente Partner in Finanzierungsangelegenheiten. Ihre Dienstleistungen sind die Basis für Investitionen, Zukunftssicherung und Verwaltung der Finanzen“, erklärt Unterdorfer.

Kirchbaumer oberste Vertreterin der Sparte Transport und Verkehr

Mit Nationalrätin Rebecca Kirchbaumer wurde zum ersten Mal eine Frau zur obersten Vertreterin der Sparte Transport und Verkehr in der Tiroler Wirtschaftskammer gekürt. Die Tankstellenunternehmerin will die Zusammenarbeit zwischen den Fachgruppen und dem Branchenverbund stärken.  Kirchbaumer widmet sich intensiv der Mobilität der Zukunft und setzt auf neue Technologien. Eine der größten Herausforderungen für die Sparte liegt in der öffentlichen Wahrnehmung: „Jeder braucht den Verkehr, aber keiner will ihn. Gerade in der Zeit des Corona-Lockdowns ist einmal mehr deutlich geworden, wie wichtig die Leistungen der Personenbeförderer, der Transporteure, der Tankstellen für unser tägliches Leben sind“, betont Kirchbaumer. Die Spartenobfrau zählt darauf, dass die Gesellschaft aus der Krise lernt und nicht immer reflexartig negativ auf Verkehrsthemen reagiert. „Ich möchte der Bevölkerung bewusst machen, dass funktionierender Verkehr die Basis für unseren Wohlstand am Standort Tirol darstellt – in guten wie in schlechten Zeiten“, erklärt die Spartenobfrau.

Klasse statt Masse

Für den neuen Tourismus-Spartenobmann, den Hotelier und Landtagsabgeordneten Mario Gerber, steht das Thema Sicherheit für eine erfolgreiche Wintersaison an erster Stelle. Gerber warnt davor, dass überzogene Einschränkungen im Tourismus auf viele benachbarte Branchen ausstrahlen. Kritisch sieht Gerber das aktuelle Wirrwarr an Reisewarnungen. Die österreichische Corona-Ampel ist für Gerber zu wenig differenziert und führt zu bezirksweisen Pauschaleinstufungen. Als einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise hat die Sparte letzte Woche die „Safe Service“-App vorgestellt, die ein modernes Schulungsinstrument für Mitarbeiter darstellt und eine Zertifizierung der Betriebe ermöglicht. Der Landtagsabgeordnete sieht in der gegenwärtigen Lage auch positive Aspekte: „Die aktuelle Situation birgt auch die Chance, an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen. Wir müssen uns nicht neu erfinden, aber noch stärker auf Authentizität und Naturerlebnis setzen. Mit dem Fokus auf Klasse statt Masse können wir die Wertschöpfung steigern und unser Profil in die richtige Richtung weiterentwickeln. Jetzt gilt es, gemeinsam aus der Krise zu kommen – der Tourismus schafft das!“, ist Gerber überzeugt.

In der so genannten „Sparte 7“ wurde Dietmar Hernegger als Obmann wiederbestellt. „Wir befinden uns in einer Zeit des rasanten Wandels. Unsere Gesellschaft hat den Weg in die Informations- und Kommunikationsgesellschaft eingeschlagen und hochqualifizierte Dienstleistungen werden immer wichtiger“, so Hernegger. Er ist überzeugt, dass die Betriebe der Sparte Information und Consulting dazu einen wesentlichen Beitrag leisten können. Der Spartenobmann ist optimis­tisch, dass die Tiroler Betriebe den Einbruch übertauchen und den Wirtschaftsmotor wieder zünden. „Gerade jetzt haben heimische Betriebe die Chance, ihre Stärken wie Flexibilität und Qualität einzusetzen“, so Hernegger.  So sollen auch das Bewusstsein und das aktive Bekenntnis zu Regionalität und Nachhaltigkeit mehr Wert haben denn je: „Die Initiative ‚Ja zu Tirol‘ sichert die Arbeitsplätze und Wertschöpfung unseres Wirtschaftsstandortes und darf daher kein leeres Schlagwort sein“, fordert der Spartenobmann. Einer der Schwerpunkte für die­se Periode liegt im verstärkten Augenmerk auf dem Nachwuchs mit Aktionen wie „Coding4Kids“ sowie der Etablierung von so genannten Mangelberufen in der IT-Branche.

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