Lehrlinge auf regionaler Entdeckungsreise

Beim Projekt „Genussbotschafter*in Ötztal“ lernen Lehrlinge aus Gastronomie und Hotellerie ganz gezielt die Vorzüge regionaler Erzeugnisse kennen. Damit wird die Kooperation zwischen Tourismus und Landwirtschaft auf eine neue Ebene gehoben, wie WIFI-Produktmananger Norbert Schöpf unterstreicht.

Zahlreiche „Aha“-Momente gab es für die jungen Lehrlinge in den Berufen Koch so wie Hotel- und Gastgewerbeassistent beim Modul „Almwirtschaft“ im Rahmen des Projekts „Genussbotschafter*in Ötztal“. Denn während die erste Einheit den Fokus noch auf die Fleischverarbeitung legte, offenbarte sich den Küchenchefs in spe dieses Mal ein völlig neues kulinarisches Universum.

Dabei lernten sie unter anderem wie Ziegenkäse produziert wird, wie aufwändig sich das Gewinnen von Honig gestaltet oder wie viel Geschick es bedarf, um die perfekte Breze zu kreieren.

Lohnendes Zusammenspiel

„Die Auszubildenden in der Gastronomie sind unsere Partner der Zukunft. Deshalb müssen wir sie als regionale Erzeuger früh genug ansprechen“, erklärt Marcel Klotz von der Ötztaler Gebirgsimkerei. Diese Ansicht unterstützt auch Gerhard Gstrein von der gleichnamigen Bäckerei in Längenfeld: „Durch dieses Projekt erfahren die jungen Leute hautnah, wie viel Handarbeit und welche Anstrengungen notwendig sind, um die Qualität auf den Punkt zu bringen.“

Gelegenheit dafür gab‘s genug, denn in der Backstube durften die Teilnehmer zeigen, wie geschickt sie im Herstellen von Salzstangerln, Brezen oder Zöpfen agieren. Wie aus Kuh- oder Ziegenmilch feinste  Käsespezialitäten entstehen, vermittelten die heimischen Produzenten Jakob Prantl aus Sölden und die Familie Kuen aus Längenfeld.

Die Kunst der Fermentation zum schmackhaften Joghurt demonstrierte Erzeuger Gerold Brüggler. Weitere Inhalte des sommerlichen Workshops waren die passende Harmonie von Speisen und Getränken, das Kennenlernen von Almspezialitäten sowie mittels Storytelling den Kunden stimmige Geschichten zu unterbreiten.

“Wir sehen in dem Projekt eine wesentliche Aufwertung der touristischen Berufsbilder.”
Norbert Schöpf

Inspiration und fachliche Begleitung erhielt der Ötztaler Nachwuchs dabei von den Coaches der WIFI Genussakademie, Diplomsommelière Carole Rohrmoser-Stein und Küchenmeister Philipp Stohner, seines Zeichens auch Trainer der heimischen
Kochnationalmannschaft.

Neben der Unterstützung vor Ort hat das WIFI auch die Erstellung des didaktischen Konzepts eingebracht. „Der Ötztaler Genussbotschafter ist gelebte Regionalität und ein Beitrag dazu die Kooperation zwischen Tourismus und Landwirtschaft auf eine neue Ebene zu heben. Wir sehen in dem Projekt auch eine wesentliche Aufwertung der touristischen Berufsbilder“, meint WIFI Produktmanager Norbert Schöpf.

Motivierte Lehrlinge

Projektleiter Raphael Kuen sieht die Initiative für alle Beteiligten als nachhaltig und gewinnbringend. „Die Teilnehmer sind alle wissbegierig und motiviert. In späterer Folge als Entscheidungsträger in ihren Betrieben besinnen sie sich hoffentlich darauf und präferieren heimische Produzenten“, blickt Kuen in die Zukunft.

Bäckermeister und Innungsvertreter Gerhard Gstrein wünscht sich, dass andere Regionen dem Ötztaler Beispiel folgen und so die Wertigkeit regionaler Produkte auch in der Gastronomie weiter zulegt.

Und welche Bilanz ziehen die Lehrlinge als Hauptbeteiligte des Projekts? „Vom ersten Modul habe ich einige Rezepte mit unserem Küchenchef nachgekocht und konnte meine Ideen einbringen. Meinem Vorgesetzten gefällt es, welchen Input ich mit in den Betrieb nehme. Auch persönlich gewinne ich, indem ich mehr Kreativität auf den Teller zaubere“, erzählt der 16-jährige Raphael Kuen aus Sölden.

Sein Kollege Alfredo Riml zeigt sich ebenso begeistert. „Auch beim zweiten Modul wurde ich positiv überrascht. Vieles war mir bekannt, aber ich wusste bei weitem nicht, welche Vielfalt an Lebensmitteln in unserer Heimat produziert wird.“

Umfassende Qualifizierung

Die Ausbildung zum „Genussbotschafter*in Ötztal“ besteht aus insgesamt drei einwöchigen Modulen. Bereits im September 2020 startet die finale Ausbildungsphase, die sich mit Themen wie Obst, Fisch, Wein, Foodhunting, alten Sorten aus dem Ötztal oder regionaler Esskultur beschäftigt.

Das einzigartige Pilotprojekt wird von Ötztal Tourismus in Zusammenarbeit mit erbe kulturraum sölden, der Raiffeisenbank Sölden, der Wirtschaftskammer bzw. dem WIFI Tirol, Arbeiterkammer Tirol, Agrarmarketing Tirol, Ötztaler Museen, Naturpark Ötztal, Ötztaler Raiffeisenbanken und Raiffeisenbank SilzHaiming und Umgebung realisiert.

»»Mehr Informationen: www.tirol.wifi.at/tourismus

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Die Ausbildung zum „Genussbotschafter*in Ötztal“ setzt auf praxisnahe Wissensvermittlung. Foto: Franz Oss

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Auch die vielfältigen Tätigkeiten des Imkerhandwerks bekamen die Auszubildenden näher gebracht. Foto: Franz Oss

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