Lagebericht Wirtschaftsstandort Bezirk Schwaz

Die Wirtschaft im Bezirk Schwaz durchlebt heuer ein Wechselbad zwischen heiß und kalt. Ein guter Start zu Beginn des Jahres, eine coronabedingte Vollbremsung, danach ein unsicheres und verzögertes Öffnen mit einem notwendigen Fahren auf Sicht.

Grundsätzlich zeigen die Indikatoren nach dem massiven Corona-Einbruch von Mitte März bis Juni wieder nach oben, aber nicht in allen Branchen. So spüren beispielsweise der Modehandel, die Eventbranche und die Reisebüros die Krise in aller Härte. In der Zeit des Lockdowns haben im Bezirk Schwaz nicht nur der Lebensmittelhandel, sondern auch die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie der Bau mit allen Baunebengewerben Flexibilität, Engagement und damit Stabilität bewiesen. Die Wirtschaft wurde dadurch in ihren Grundzügen am Laufen gehalten. Das war wichtig.

Für den Tourismus brachte die Zeit des Lockdowns praktisch einen Totalschaden. Mitte Mai konnten die Gastronomiebetriebe mit entsprechenden Auflagen öffnen, mit Ende Mai die Hotellerie. Erst seit Mitte Juni, mit der Öffnung der Grenze nach Deutschland, gibt es wieder Gästenachfragen, aber erst seit Mitte Juli, seit Schulschluss sprechen wir wieder von einer Sommersaison. In manchen Regionen mehr, in manchen weniger. Viele Betriebe im Bezirk fahren derzeit auf Sicht, keiner weiß wirklich, was hinter der nächsten Kurve passiert, was die Zukunft bringt. Diese Unsicherheit beschäftigt die Unternehmerinnen und Unternehmer. Diese Ungewissheit, diese Unsicherheit ist ein schlechter Ratgeber für die Wirtschaft.

Comeback der Wirtschaft

Wirtschaft ist Psychologie, das gilt in Zeiten wie jetzt ganz besonders. Konsumenten und Unternehmer müssen Vertrauen fassen. Jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten: Die Betriebe mit mutigen Entscheidungen, die Arbeitnehmer mit Zug zur Leistung, die Käufer mit einheimischen Konsumimpulsen – und jeder von uns mit viel Eigenverantwortung im Umgang mit Corona. Österreich ist dabei, diese Corona-Jahrhundert-Herausforderung besser als andere Länder zu bewältigen. Das verdanken wir der raschen Reaktion von Bund und Ländern, den Betrieben und den Mitarbeitern, die alle flexibel und zusammenhaltend mit dieser schwierigen Situation umgegangen sind und noch immer umgehen.

Damit die Wirtschaft aber wirklich Fahrt aufnehmen kann, müssen mittelfristig die Rahmenbedingungen verbessert werden. Hier geht es einerseits um Entlastungen: Die Lohnnebenkosten und generell die Steuerquote liegen auf viel zu hohem Niveau und beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit. Andererseits geht es um Bürokratie, die gegen das Virus immun zu sein scheint. Je mehr Druck auf den Betrieben lastet, desto schwieriger ist es für sie, Zeit und Geld für oft unnötige Bürokratie aufzuwenden. Wir brauchen jetzt aber keine Bremsen, sondern Rückenwind, damit das Comeback der Wirtschaft gelingt.

Vorschläge wie die Vier-Tage-Woche, Arbeitszeitverkürzungen, eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes und weitere sozialromantische Ideen, die allesamt Job- und Leistungskiller sind und an der Realität vorbeigehen, sind kontraproduktiv. Wir brauchen Impulse für den Aufschwung und keine Sterbebegleitung für einen Abschwung. Sinkenden Wohlstand und steigende Arbeitslosigkeit kann sich doch niemand ernsthaft wünschen?

Swarovski – Herausforderung für den Bezirk Schwaz

Die Probleme von Swarovski, einem internationalen Konzern, der über Jahrzehnte ein Glücksfall für Tirol und für sehr vielen Menschen ein sicherer Arbeitgeber war, betreffen auch unsere Region. Ca. 25 Prozent der Mitarbeiter von Swarovski kommen aus unserem Bezirk. Das bedeutet bei insgesamt 1.800 Mitarbeitern, die freigesetzt werden sollen, einen nicht unerheblichen Anteil – wir sprechen von 450 Personen – aus dem Bezirk Schwaz.

WIFI als „Bildungs-Nahversorger“ und stabiler Faktor

Das WIFI der Wirtschaftskammer Schwaz war auch während der Corona-Krise der „Bildungs-Nahversorger“ im Bezirk. So wurden in Schwaz in der Zeit des Lockdowns alle laufenden Kurse weitergeführt und geplante Prüfungstermine abgehalten. Der rasche Umstieg auf Online-Angebote ist eine Erfolgsgeschichte. Die beiden WIFI-Mitarbeiterinnen waren im Homeoffice praktisch rund um die Uhr erreichbar, unser Haustechniker vor Ort für technische Fragen da und die Trainer spielten alle mit. Die Teilnehmer waren froh, sich in dieser Zeit weiterbilden zu können, ohne mit dem Auto fahren zu müssen. Und jene, welche in der Corona-Krise beruflich besonders gefordert waren, schätzten diese Lernmöglichkeit aufgrund der Einfachheit genauso wie jene, die über mehr Zeit verfügten. Kontinuität und Stabilität sind in Krisenzeiten elementar. Diese Flexibilität werden wir auch bei unseren zukünftigen Bildungsangeboten vermehrt anbieten. Der Fokus des WIFI der WK Schwaz liegt auf Rechnungswesen, Betriebswirtschaft, Kurse für Unternehmer, Tourismus, Lehre und Matura.

Lehrlinge und Fachkräfte nach wie vor gesucht

Von mangelndem Interesse der Unternehmen oder gar „Ausbildungsmüdigkeit“ kann bei der Lehrlingsausbildung keine Rede sein. Ganz im Gegenteil. Unsere Unternehmen wollen wieder richtig durchstarten – und dafür brauchen sie, neben den richtigen Rahmenbedingungen, auch sehr gut ausgebildete Lehrlinge und Fachkräfte. Die Betriebe suchen Lehrlinge. Leider melden einige Betriebe ihre freien Ausbildungsplätze nicht mehr dem ams, weil ihnen dieses in der Vergangenheit nicht wirklich jemanden vermitteln konnte. Die Sache hat allerdings einen Haken: die freien Lehrstellen scheinen nicht in der offiziellen Statistik des ams auf. Deshalb der Appell an die Unternehmen: Bitte meldet eure offenen Lehrplätze, aber auch alle anderen offenen Stellen dem ams. Wer im Bezirk Schwaz eine Lehre machen will, der kann das sehr wohl tun. Zudem wissen vorausblickende Firmen, dass die Herausforderung des Fachkräftemangels auch in Zukunft ein Thema ist, das den Arbeitsmarkt bestimmt. Dementsprechend werden sie daher in die Ausbildung ihres eigenen Fachkräfte- und Führungsnachwuchses investieren.

Ebenso wurde die Ausbildung in den letzten Monaten insgesamt komplett unter die Lupe genommen und modernisiert. Bestes Beispiel für den frischen Wind in der beruflichen Ausbildung ist die Gleichstellung des „Meisters“ mit dem „Bachelor“. Und ab Ende August können sich Meister den Titel „Meister“ „Mst.“, „Mst.in“ oder „Mst.in“ in offiziellen Dokumenten eintragen lassen. Das ist ein mehr als deutliches Zeichen für den Stellenwert der beruflichen Ausbildung in unserem Land!

505 Lehrbetriebe und 1502 Lehrlinge im Bezirk Schwaz

In drei Tiroler Bezirken stiegen im letzten Jahr die Lehrlings- und die Lehrbetriebszahlen. Im Bezirk Schwaz gibt es derzeit 505 Lehrbetriebe, das sind um 38 mehr als noch im Vorjahr. Und auch die Zahl der Lehrlinge ist von 1433 auf nunmehr 1502 gestiegen. Diese Zahlen sind ein deutlicher Beleg, dass unsere umfassenden Initiativen in der „Berufsorientierung“ bei den Schülern und Jugendlichen im Bezirk Schwaz greifen.

Im Jahresverlauf: Erlebniswelt Baustelle, KiWi – Kinder in der Wirtschaft, Berufsfestivals: Berufe zum Anfassen, Rookie: Schüler in den Betrieben, Jobbing-Nights und alle zwei Jahre das Karriere-Open-Air in der Schwazer Altstadt. Der starke Trend zur Lehre im Bezirk, der in den letzten drei Jahren zumindest gleichbleibende Zahlen bedeutete und im letzten Jahr ein kräftiges Plus bei den Lehranfängern, aber auch wieder bei den Lehrbetrieben gebracht hat, verfestigt sich.

50 Prozent der Pflichtschulabgänger – nach Absolvierung der 9. Schulstufe – entscheiden sich im Bezirk Schwaz für eine Lehrausbildung. Die Wertigkeit der Lehre ist wieder in den Köpfen der Menschen eingekehrt. Eltern und Jugendliche erkennen, dass die Lehre cool und eine tolle Basis ist. Und die Lehre befähigt junge Menschen selbständig, motiviert und fachkundig im Leben zu stehen. Für die Wirtschaft ist inzwischen jeder einzelne Lehrling wichtig. Die Frage, mit welchen Lehrberuf der Nachwuchs die besten Chancen hat, ist übrigens leicht beantwortet: mit jedem. Inzwischen ist sogar die Ausbildung zur Friseurin oder zum Friseur, vor der jahrelang eher abgeraten wurde, auf der Mangelberufsliste.

Bild oben: Bezirksobfrau Martina Entner und Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher zur wirtschaftlichen Lage im Bezirk Schwaz.

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