kreativland.tirol: Volles Leben, tiefe Wurzeln

Corona-bedingt verspätet und mit noch schärferem Bewusstsein für die Kraft der Kreativität wurde Ende Juli 2020 der Startschuss für das kreativland.tirol gesetzt. Mit der Clusterstruktur wird die kreative Power zielgerichtet konzentriert. Und mit dem Ziel, das Bildungsangebot auszubauen und zu heben, soll sie tiefe Wurzeln schlagen.

Es gibt Motoren, die starten schwer. Mopedfahrer kennen das bei ihren Kickstartern genauso wie Holzarbeiter, deren Kreissäge schon einige kräftezehrende Züge fordern kann, um endlich rund zu laufen. Oder eben „abzusaufen“, wie man so schön sagt. Das Bild lässt sich durchaus auch auf Initiativen umlegen, große Pläne oder hehre Ziele, die mit Pomp verkündet werden, um dann zu schlummern – in Schubladen oder Medienarchiven. Beim kreativland.tirol ist diese Gefahr nicht gegeben. Gar nicht. Als am 28. Juli 2020 der Motor für die so clevere wie nachhaltig wirkende Bündelung der kreativen Kräfte des Landes gestartet wurde, war bereits klar, dass dieses „dicke Ding“ nicht aufzuhalten sein wird. Dafür ist der Schub viel zu groß, der da gewachsen ist. Idee für Idee, Stück für Stück, Schritt für Schritt wurde an dem Netzwerk gearbeitet. Einem Netzwerk für die ganze Kreativwirtschaft, zu der per se Architektur, Design, Werbung, Buch- und Verlagswesen, Filmwirtschaft, Musikwirtschaft, Radio & TV, Software und Games, Kunst und Kultur zählen. Dieses Netz wurde nun ausgeworfen, um sie alle zu umfangen und einzuspannen für die gemeinsame Sache.

„Damit ein Netzwerk wie der Cluster kreativland.tirol von Anfang an erfolgreich durchstartet, braucht es motivierte Partner. Die haben wir gefunden, sowohl in den zahlreichen Unternehmen der Tiroler Kreativwirtschaft und der Tiroler Wirtschaftskammer, als auch im Lebensraum Tirol, der als treibende Kraft diese Initiative aktiv unterstützt. Eingebettet in die Clusterorganisation der Standort-agentur Tirol stehen den heimischen Kreativwirtschaftsunternehmen zudem die richtigen Ressourcen und Kontakte zur Verfügung, um erfolgreich zu kooperieren und zu wachsen“, weiß Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol. Hofer spricht aus Erfahrung. Die Standortagentur Tirol hat schon zahlreiche Projekte gestartet und der Geschäftsführer sagt: „Ganz wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen. Das klingt sehr banal und nach einer Binsenweisheit, aber das ist bei allen Projekten das Wichtigste.“

Kräfte bündeln

Das war auch den beiden kreativland.tirol-Initiatoren und strategischen Köpfen, Tom Jank und Kurt Höretzeder, bewusst, als sie sich viel Zeit nahmen, um die Basis für das kreativland.tirol abzustecken und das Fundament zu zementieren. Jank ist nicht nur „vom kreativen Fach“ sondern auch Vorsitzender der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der WK Tirol. Höretzeder ist nicht nur Grafikdesigner, sondern auch Gründer des weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannten Design-forums WEI SRAUM. „Unser Ziel war es, etwas zu schaffen, was es in anderen österreichischen Ländern mit den Creative Industries Styria beispielsweise oder der Creative Region Linz & Upper Austria bereits gibt. Einen Hub, der die Kräfte der Kreativwirtschaft vernetzt, bündelt und ihr eine politische Wirkkraft ermöglicht“, erzählt Jank. Weil die unterschiedlichen Player der Kreativwirtschaft branchenübergreifend arbeiten und manchmal auch Eigenbrötler sind, waren sie bislang schwer zu positionieren. Seit 28. Juli 2020 ist das anders.

Coronabedingt hatte der Start des kreativland.tirol verschoben werden müssen und die rundum wilden und viel neues Denken herausfordernden Monate hatten das Bewusstsein gegenüber der Kraft der Kreativität weiter geschärft. Derart geladen wurde der Geburtstag des kreativland.tirol gefeiert. Im Innsbrucker WEI SRAUM. Und im Netz. „Das Feedback war echt sehr gut“, blickt Jank zurück. Stimmt. Bereits zwei Tage, nachdem die Auftaktveranstaltung für das kreativland.tirol angekündigt wurde, war der WEI SRAUM in Innsbruck ausgebucht gewesen. Coronabedingt durften dort nur 40 Plätze vergeben werden, doch der große Rest der Interessierten, konnte via Stream auf Facebook live dabei sein, als der offizielle Startschuss für die neue Schubkraft der kreativen Energien des Landes gegeben wurde. Das Event wurde übrigens aufgezeichnet und ist noch immer bereit „gestreamt“ zu werden.

Bei der Auftaktveranstaltung für das kreativland.tirol: Tom Jank, Stefanie Höllinger, Marcus Hofer und Kurt Höretzeder (v. l.) im WEI SRAUM in Innsbruck. Foto: Standortagentur Tirol

Bei der Auftaktveranstaltung für das kreativland.tirol: Tom Jank, Stefanie Höllinger, Marcus Hofer und Kurt Höretzeder (v. l.) im WEI SRAUM in Innsbruck. Foto: Standortagentur Tirol

Neue Kooperationen, neue Möglichkeiten

„Ich finde die Idee der Zusammenarbeit mit dem Tourismus sehr spannend“, hielt beispielsweise Ines Kraus im Rahmen des Auftaktes fest. Kraus stellte sich als Vertreterin beider Welten vor, ist sie doch selbst Grafikdesignerin und ihr Mann betreibt den in den letzten zwei Jahren geschlossenen Gasthof Esterhammer in Rotholz. „Wir machen jetzt den Gastbetrieb wieder auf, doch der Rest liegt. Es wäre viel Potenzial da, das genutzt werden könnte“, brachte Ines Kraus die kreative touristische Herausforderung, die in stattlichen und raumsatten Häusern schlummern, auf einen ganz konkreten Punkt. „Ja, im Grunde geht es darum, dass wir Menschen zusammenbringen, dass wir auch Touristiker, die nach einem gewissen Schema arbeiten, Erlaubnisraum geben, der neue Kooperationen und damit Möglichkeiten eröffnet“, sagt Jank zum Thema „Kreativtourismus“, der vielleicht noch nie so gefragt war, wie jetzt.

„Ich glaube, die Branche hat darauf gewartet, und jetzt geht es erst einmal darum, eine dynamische Masse zu erzeugen“, bringt Jank das allgemeine Brodeln auf den Punkt und sagt: „Stefanie Höllinger und Gina Vedova von der Standortagentur haben längst mit der Arbeit begonnen. Sie bringen das Ganze auf den Boden – von den großen Visionen und Konzepten ins Tagesgeschäft. Es geht darum, die Kreativen in ihrem Einzelkämpfertum davon zu überzeugen, dass ein kollektives Bewusstsein für alle von Vorteil ist.“ Eine spannende Aufgabe ist das.

kreativland.tirol-Festival in Planung

Die zentralen Arbeitsfelder wurden im Rahmen der Kreativwirtschaftsstrategie festgehalten und Projektleiterin Stefanie Höllinger berichtet: „Aktuell setzen wir unsere Schwerpunkte etwa auf eine Aktivierungskampagne, um Unterstützerinnen und Unterstützer für den Kreativpakt zu gewinnen, mit dem wir ein gemeinsames Verständnis für die Kreativwirtschaft in Tirol etablieren. Außerdem steht natürlich der Ausbau unseres Netzwerkes ganz oben auf unserer Prioritätenliste.“

Wesentlich ist für Höllinger, das Verständnis komplementärer Wirtschaftszweige auszubauen „und noch intensiver eine gemeinsame Sprache über die diversen Branchen hinweg zu sprechen“. Beispielsweise wird der Cluster kreativland.tirol das Kreativwirtschaftscoaching „C hoch 3“ der Kreativwirtschaft Austria ab Jänner 2021 in Innsbruck anbieten und mit Kreativwirtschaftsunternehmen an deren Geschäftsmodellen arbeiten sowie Kooperationsmodelle entwickeln. Die Bewerbungsphase beginnt im Oktober 2020. Außerdem wird in Zusammenarbeit respektive in Workshops und entsprechend Denkgrenzen sprengenden Gesprächen mit der Kreativszene an einem Konzept für das kreativland.tirol-Festival gearbeitet.

Tiefe Wurzeln

„Mittelfristig werden wir die Bereiche Qualifizierung und Ausbildung forcieren. Dadurch wird es uns gelingen, das hohe Fachniveau der heimischen Kreativwirtschaft auf eine breite Basis zu stellen. Davon werden insbesondere die junge Szene und die ‚Kreativen von morgen‘ profitieren“, spricht Höllinger einen weiteren Schwerpunkt an. Auf ein höherwertiges Ausbildungsangebot wartet die kreative Welt des Landes schon recht lange. Das wurde auch im Rahmen des kreativland-Präsentation rasch klar. „Aus Erfahrung wäre es extrem wichtig, wenn wir – aufbauend auf HTL und WDA (Werbe Design Akademie Innsbruck – Anm.) – eine weiterführende Kreativausbildung im Land hätten. Idealerweise mit BAK/Master-Abschluss“, hatte sich etwa Mediasquad-Geschäftsführer Chris Sitar via Kommentarfunktion in die der Präsentation folgenden WEI SRAUM-Diskussion eingeklinkt. Um seine Forderung zu untermauern, hielt Sitar fest, dass sein Unternehmen mehr Leute aus Deutschland, Salzburg und Vorarlberg beschäftige, als aus Tirol, „weil es einfach keine entsprechende Ausbildung im Land gibt.“

Dieses fehlende Ausbildungsangebot ist ein wunder Punkt im Bildungsstandort Tirol. „Viele Kreative kehren nicht mehr zurück nach Tirol“, weiß auch Kurt Höretzeder von einer Talentabwanderung zu berichten, die fatal ist für Branche wie Land. Nur Kärnten, Burgenland und Tirol können keine entsprechende Ausbildung anbieten. Das soll sich ändern. Für Tirol jedenfalls.

Unter Federführung der WK Tirol werden die Möglichkeiten und Chancen eines höherwertigen Ausbildungsangebotes ausgelotet. „Hier läuft mit Anita Kern seit einem Jahr ein Projekt mit dem WIFI/WDA, um eine vollwertige Ausbildung mit dem Abschluss Bachelor zu etablieren“, sagt Tom Jank. „Das ist ein wichtiger Schritt“, sagt Marcus Hofer zu diesen Plänen, „die Grundlage für jegliches Zukunftsthema ist die Bildung, sonst gehen die Leute weg – und sie bleiben weg.“ Hofer kennt das aus eigener Erfahrung, ist er doch zum Studium nach Innsbruck gekommen – und geblieben: „Da trifft man die Frau seines Lebens, dann kommt der Job des Lebens und schon ist man am point of no return.“ Dieser point of no return soll für bildungshungrige kreative Köpfe in Tirol verortet werden. Damit sie bleiben. Und damit das kreativland.tirol richtig tiefe Wurzeln schlagen kann. Der Motor brummt.

»Weitere Informationen: www.kreativland.tirol

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