Klaunzer Seilbahnen – Unternehmen mit großem Aktionsradius

Das Osttiroler Unternehmen Klaunzer Peter GmbH ist weit über den Alpenraum hinaus aktiver Spezialist für den Bau und Betrieb von Materialseilbahnen und die Montage und Demontage von Seilbahnanlagen aller Art.

„Wir beschäftigen uns mit allem, was mit Seilen zu tun hat“, bringt Florian Klaunzer die Tätigkeit des von ihm in zweiter Generation geleiteten Unternehmens auf den Punkt. Wenn man den Fahrzeug- und Maschinenpark sowie das Materiallager und die Werkstätten des Betriebs im Industriegebiet Seblas in Matrei in Osttirol sieht, wird gleich klar, dass man mit dem hier vorgehaltenen Equipment für die unterschiedlichsten Einsätze gerüstet ist. Sogar einen mächtigen Portalkran, auf dem das ÖBB-Logo prangt, findet man hier. „Den hat mein Vater erworben, als die Bahnverladungen am Lienzer Bahnhof eingestellt wurden. Der Kran leistet uns für die Bewegung der bis zu 20 Tonnen schweren Stahlseilrollen gute Dienste.“

Florians Vater Peter – in Bergsteigerkreisen als Bergführer und langjähriger Hüttenwirt des in knapp 3.000 m Seehöhe gelegenen Defreggerhauses am Großvenediger bestens bekannt – hat als zweites Standbein in den 1980er-Jahren ein Holzschlägerungs- und Holzbringungsunternehmen gegründet, wobei er schon bald seine mobilen Seilbahnanlagen nicht nur für den Holztransport, sondern für Materialtransporte aller Art nutzte. Die Zusammenarbeit mit einem Vorarlberger Unternehmen erwies sich als Türöffner für den Skilift- und Seilbahnbau. So kam es zur Errichtung von Materialseilbahnen, mit denen der Transport der für den Bau von großen Seilbahnanlagen benötigten Maschinen, Baustoffe und Seilbahnstützen dort bewerkstelligt wird, wo kein Lkw mehr hinkommt und der Einsatz von Hubschraubern an seine Grenzen gelangt. Bald folgten die ersten Aufträge für den Seilzug, also das Aufziehen der schweren Tragseile.

Learning by Doing

„Man arbeitet dabei mit sogenannten ‚Vorseilen‘. Begonnen wird mit dem leichtesten, dünnen Seil – heute sind das meistens hochfeste Kunststoff-Spezialseile, die man vielfach händisch vom Berg ins Tal ziehen muss. Eine sehr anstrengende Arbeit, da man ja fast immer im schwierigsten Gelände unterwegs ist, auf jede einzelne Stütze klettern und dort das Vorseil sorgfältig über die Rollenbatterien ziehen muss. Dann wird dieses Seil mit dem nächstdickeren verbunden und mit der Seilwinde nachgezogen, bis man nach mehreren solchen Durchläufen beim endgültige Seil mit dem richtigen Durchmesser angelangt ist“, erklärt Florian Klaunzer.

Zum Angebotsportfolio gehören auch Revisionsarbeiten, die in den Zwischensaisonen erledigt werden. Da geht es beispielsweise um die Kontrolle und Bearbeitung der Rollenbatterien in der dafür bestens ausgestatteten Werkstätte, die sogar über ein CNC-Bearbeitungszentrum verfügt. Hier kommt Florian Klaunzer seine gediegene Berufsausbildung zugute – er hat die Metallfachschule in Lienz erfolgreich besucht, ist dann in den väterlichen Betrieb eingestiegen und hat sich durch die Meisterprüfung für Maschinenbau und Fertigungstechnik perfektioniert. „Für das, was man zum Errichten von Seilbahnanlagen im Gelände an Fähigkeiten braucht, gibt es keine eigene Berufsausbildung – hier zählt Learning by Doing, Erfahrung und ein hohes Maß an Flexibilität. Oberstes Gebot ist natürlich die Sicherheit – da darf man keine Kompromisse eingehen“, betont der Firmenchef.

Seilbahnbau in Bursa, Türkei: Die Klaunzer-Monteure bei ihrer luftigen Arbeit.

Seilbahnbau in Bursa, Türkei: Die Klaunzer-Monteure bei ihrer luftigen Arbeit.

Klaunzer auch im Ausland geschätzt

Die Arbeiten im Hochgebirge konzentrieren sich auf die Sommer- und Herbstmonate – ein Grund, weshalb das Unternehmen von der Corona-Krise bisher kaum betroffen war. „In unserer Branche sind wir es gewohnt, einige Monate vom Spätwinter bis zum Frühsommer mit minimalen Umsätzen über die Runden kommen zu müssen – bei uns gibt es jedes Jahr eine Art Shutdown“, so Klaunzer. Um die durchschnittlich acht Vollzeit-Mitarbeiter möglichst ganzjährig beschäftigen zu können, sind daher Alternativen gefragt. Eine davon ist die Mitarbeit an langfristigen Projekten der Energiewirtschaft, wofür mehrere Kippmastanlagen mit ferngesteuerten Laufwägen im Einsatz sind. Auch mit dem Bau von Aufzügen für die Alm- und Hüttenbewirtschaftung lassen sich die schwächeren Zeiten gut überbrücken. Schließlich muss auch der umfangreiche Maschinen- und Fahrzeugpark gewartet und repariert werden.

Hauptauftraggeber sind die bekannten großen mitteleuropäischen Seilbahnbauer, oft aber auch solche Liftgesellschaften, welche die verschiedenen Gewerke einzeln übergeben. Das Know-how und die Vielseitigkeit der Osttiroler Seilbahnspezialisten wird in Branchenkreisen weitum geschätzt und hat auch schon zu spektakulären Auslandseinsätzen weit über den Alpenraum hinaus – etwa in Georgien, in der Türkei, in Schweden und Norwegen und sogar in Südkorea – geführt.

„Das waren tolle Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. So etwa der Bau von urbanen Seilbahnen, die künftig für den Personennahverkehr eine wichtige Rolle spielen könnten und zudem auch touristisch attraktiv sind. Vielleicht kann man sich auch in Europa zum Bau solcher Systeme durchringen, die sich weltweit bewährt haben. Aktuell konzentrieren wir uns aber auf Baustellen, die wir mit unseren vier geländegängigen Lkw noch innerhalb  weniger Stunden erreichen können. Hier gibt es eine breite Palette zu bedienen – abgesehen von der Seilbahnwirtschaft etwa auch im Brücken-, Leitungs- und Rohrleitungsbau, den wir mit unseren ‚temporären Hilfsseilbahnen‘ effizient unterstützen können.“

»Weitere Informationen: Klaunzer Seilbahnen

Bild oben: Firmenchef Florian Klaunzer leitet seit 2015 das von seinem Vater gegründete Unternehmen, in welchem er schon von Jugend an tätig ist. Der Maschinenbaumeister hat mit seinem Spezialisten-Team bereits die unterschiedlichsten Seilbahn-Projekte in Europa und Asien realisiert.

Galerie:
Die bisher weitest entfernte Klaunzer-Baustelle befindet sich in Südkorea, wo der Seilzug für einen kilometer-langen „Rope-Runner“ – eine spektakuläre Seil-Rutsche – erledigt wurde. Foto: Klaunzer
In Ankara haben die Klaunzer-Monteure Seilzug- und Abspannarbeiten an einer urbanen Seilbahn abgewickelt. Eine heikle Aufgabe im dichtverbauten Gebiet. Foto: Klaunzer
Hubschrauberunterstützte sogenannte „Streckenmontage“ und Aufsetzen der Rollenbatterie beim Seilbahnbau in Neukirchen am Großvenediger – hier ist die Präzisionsarbeit des Klaunzer-Teams gefragt. Foto: Klaunzer
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