Green Filming: Action für Regionalität

Mit Green Filming, der auf Nachhaltigkeit konzentrierten Filmproduktion, können Tiroler Unternehmen Hauptrollen besetzen. Regionale Produkte und Dienstleistungen gewinnen zunehmend an Wert im Filmland Tirol. Im Interview erklärt Johannes Köck, Chef der Cine Tirol Film Commission, auch, warum Corona diesen Trend befeuert.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Mit einer Wertschöpfung von über 10 Millionen Euro war 2019 ein erfolgreiches Jahr für das Filmland Tirol. Lässt sich auch der Werbeeffekt beziffern?

Johannes Köck: Wir können tatsächlich auf ein sehr erfreuliches Filmjahr 2019 zurückblicken. Neben einem wirtschaftlichen Tirol-Effekt von mehr als 10 Millionen Euro durch produktionsbedingte Ausgaben in Tirol und 1.200 Drehtagen konnten weltweit knapp 500 Millionen Kinobesucher, TV-Zuseher sowie Stream- und YouTube-User Filme „Made in Tirol“ sehen. Der daraus entstandene Werbewert ist enorm, lässt sich aber leider nicht in konkrete Zahlen gießen.

Ist es möglich, die Folgen für den Film-Tourismus zu beschreiben?

Nach einer Studie der Halifax Travel Insurance aus dem Jahr 2005 lassen sich 27 Prozent der befragten Personen im Prozess der Urlaubsentscheidung durch Filme inspirieren und nach der Studie des TCI Research aus dem Jahre 2017 wählten 80 Millionen Personen weltweit ihre Urlaubsdestination aufgrund eines Films oder einer Serie.

Große Zahlen. Worin liegt der Reiz für tourismusfernere heimische Unternehmen, Filmluft zu schnuppern?

Speziell im Rahmen von nachhaltigen Filmproduktionen erweitert sich der Bedarf an Unternehmen und deren Vielfalt. So spielen beispielsweise alternative Lichtkonzepte, nachhaltiges Baumaterial, innovative Entsorgungslösungen oder regionale Bio-Lebensmittel im Zusammenhang mit Green Filming eine wichtige Rolle. Für heimische Unternehmen lassen sich in der Filmbranche somit eindeutig Möglichkeiten und Wachstumspotenziale erkennen, die es zu ergreifen gilt.

Welche Unternehmen fasst die Cine Tirol in dem Zusammenhang besonders ins Auge?

In der Filmbranche gibt es bereits unterschiedlichste nachhaltige Ansätze, die auf die gesamte Produktionskette einwirken können. So kann der CO2-Fußabdruck bereits durch ein effizientes Abfallmanagement, die Verwendung von recycelbaren Materialien beim Bühnenbau oder den Einkauf von regionalen Lebensmitteln für das Filmcatering reduziert werden. Die Hauptkriterien, die für eine Aufnahme von Unternehmen in unsere Datenbank sprechen, sind allen voran Regionalität, nachhaltige Innovations-, Abfall-, Reinigungs-, Energie- und/oder Mobilitätskonzepte, die Beschäftigung mit Klima- und Naturschutz, der Einsatz von umweltfreundlichen Materialien und Geräten, die Zukunftsfähigkeit sowie (inter)nationale Zertifizierungen.

Können Sie Beispiele der Zusammenarbeit mit Produktionsfirmen nennen?

Die erste mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnete Filmproduktion „shot on location Tirol“ ist die erfolgreiche Krimiserie „SOKO Kitzbühel“. Durch die langjährige Dreherfahrung in Kitzbühel und Umgebung arbeitet die Produktionsfirma Gebhardt Productions seit jeher eng mit heimischen Unternehmen und Dienstleistern zusammen. So werden zum Beispiel fürs Filmcatering ausschließlich regionale und biologische Lebensmittel bezogen und im Kostüm- und Requisitenfundus setzt man auf Second Hand Produkte.

Leiche am See

Green Filming ist eindeutig mehr als nur ein Trend. Das umweltpolitische Bewusstsein und die Notwendigkeit, Schadstoff-Emissionen zu reduzieren, führen zu einem langfristigen Umdenken. Foto: ZDF/Laab Heinz

Mit Green Filming, Sie haben es eben schon gestreift, wird die regionale Wertschöpfung gleichsam „automatisch“ angekickt. Wie stark ist der Trend – oder ist es mehr als ein Trend?

Green Filming ist eindeutig mehr als ein Trend. Das umweltpolitische Bewusstsein und die Notwendigkeit und Dringlichkeit, Schadstoff-Emissionen zu reduzieren, führen auch in der Filmwirtschaft zu einem langfristigen Umdenken. So setzt zum Beispiel Sky Deutschland eigenproduzierte Serien und Shows zunehmend nach grünen Drehstandards um und das ZDF fördert Produktionsunternehmen, die einer nachhaltigen Arbeitsweise folgen. Um das Bewusstsein für nachhaltiges Filmschaffen auch in Tirol zu stärken, ist Cine Tirol seit 2020 Mitglied der von der LAFC neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Green Filming Austria“. Durch diese interregionale Zusammenarbeit sollen Synergien bestmöglich und zielgerichtet genutzt werden.

Wie konnte nach dem Lockdown weitergefilmt werden?

Durch das Inkrafttreten der Comeback-Richtlinien für sichere Dreharbeiten war die Wiederaufnahme von Dreharbeiten im fiktionalen Kino- und Fernsehbereich in Österreich erfreulicherweise bereits ab Anfang Juni 2020 wieder möglich. Zudem wurde zur Sicherung der österreichischen Filmwirtschaft ein Comeback-Zuschuss für Film- und TV-Produktionen ins Leben gerufen. Diese Sonderrichtlinie des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort gemeinsam mit dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport ermöglicht, COVID-19 bedingt unterbrochene oder verschobene Dreharbeiten von Kino- und TV-Produktionen fortsetzen zu können.

Ist die Pandemie-Zeit trotz allem auch eine „gute Zeit“ für heimische Unternehmen, um mit dem Wirtschaftsfaktor Film neue Chancen zu entdecken und zu nutzen?

Filmproduktionen waren und sind vor allem in der Pandemie-Zeit gefordert, regionaler zu denken. Durch Lockdowns, Reisewarnungen oder ähnliches in Herkunftsländern außerhalb Österreichs, kann es zum Beispiel zu Lieferverzögerungen und Engpässen kommen. Die Filmproduktion muss sich somit möglichst nah am Drehort nach neuen Lieferanten, Produzenten und Dienstleistern umsehen – hier erkennen wir eine eindeutige Chance für heimische Unternehmen, sich mit ihren Produkten und Leistungen in die Filmwirtschaft einzubringen. Darüber hinaus bedeuten kurze Wege in der Beschaffung eine immer wünschenswerte Einsparung von Zeit und Kosten für die Filmproduktion. Wir sind überzeugt, dass diese positiven Erfahrungen während der Pandemie-Zeit das Bewusstsein und die Bereitschaft geschaffen haben, diesen Weg der sinnvollen und erfolgversprechenden Zusammenarbeit auf regionaler Ebene auch in der Zukunft gemeinsam zu gehen.

 

Filmland Tirol
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