Dr. Dub holt die Vinyl-Scheibe zurück

Andy Eppensteiner und Markus Waltl aus Fieberbrunn produzieren unter dem Namen „Dr. Dub Vinyl Recording Service“ Schallplatten für die ganze Welt. Rund 2.500 Einzelanfertigungen fertigen die zwei Musik-Liebhaber pro Jahr.

Beim Betreten von „Dr. Dub Vinyl Recording Service“ kommen uns perfekt klingende skandinavische Klassikklänge aus den Lautsprechern entgegen. „Es dauert nur noch ein paar Minuten. Wir hören beim Überspielen immer mit, um mögliche Fehler gleich zu bemerken“, erklärt Geschäftsführer Andy Eppensteiner. Wir schauen auf ein Gerät, ähnlich einem Plattenspieler. Mit einem feinen Diamantstichel wird Rille für Rille in die blanke Scheibe geschnitten. Passiert nur ein kleiner Fehler, ist der Rohling zerstört. „Hier bei uns in Fieberbrunn machen wir nämlich etwas Einzigartiges: Schallplatten aus Vinyl.“

Lange Zeit galt die Schallplatte als aussterbendes Medium, doch in den vergangenen Jahren hat sie wieder einen Aufwärtstrend erlebt. „Wenn die Nadel des Plattenspielers langsam herabsinkt und sich mit sanftem Knistern in die feinen Rillen gräbt, erleben Schallplatten-Liebhaber ihren Glücksmoment“, so Partner Markus Waltl schmunzelnd.

Das Comeback der Schallplatte

So kam es auch, dass die beiden Pillerseetaler im Jahr 2018 das Studio „Dr. Dub Vinyl Recording Service“ von den Vorbesitzern übernommen haben. Dub steht für Dubplate, das sind Einzelstücke, die vor allem DJs verwenden. Die Einzelstücke aus Fieberbrunn richten sich zu einem großen Teil an ganz normale Musik-Liebhaber. „Dr. Dub schneidet Musik auf Schallplatten in Einzelanfertigung. Das heißt, der Kunde kann sich im Onlineshop die Platte nach Wunsch konfigurieren. Mit eigenem Cover und Label-Aufkleber. Dann werden die Songs hochgeladen und wir schneiden die Platte dann genau so in der gewünschten Plattenfarbe, wie der Kunde sie bestellt. Ganz individuell nach Kundenwunsch gefertigt“, erklärt Eppensteiner.

Die zwei Dr. Dubs tragen Vinyl im Herzen und schneiden Musik auf Platten, wie in der guten alten Zeit. Vinyl lebt wieder. „Das Coole an einer Platte ist, man drückt nicht einfach „Play“ und es dudelt so dahin. Man hat ein riesen Artwork vor sich, packt die Platte aus, hält sie in der Hand und legt sie auf. „Es geht darum, sich Zeit für das Hörerlebnis zu nehmen – und das macht den großen Unterschied“, so Waltl.

Andy Eppensteiner und Markus Waltl aus Fieberbrunn produzieren in ihrem Tonstudio Vinyl-Schallplatten für die ganze Welt. Rund 2.500 Einzelanfertigungen fertigen die zwei Musik-Liebhaber pro Jahr. Foto: WKT

Andy Eppensteiner und Markus Waltl aus Fieberbrunn produzieren in ihrem Tonstudio Vinyl-Schallplatten für die ganze Welt. Rund 2.500 Einzelanfertigungen fertigen die zwei Musik-Liebhaber pro Jahr. Foto: WKT

Dr. Dub und die Faszination Vinyl

Der Trend für Vinyl steigt wieder und es gibt sehr wenige Studios, die das anbieten können. Personalisierte Platten sind ein eigener Nischenmarkt. „Dr. Dub Vinyl Recording Service“ kann hier eine große Bandbreite an Bestellwünschen abdecken: „Bestellt werden viele persönliche Platten für die eigene Sammlung, für Glückwünsche zu Hochzeiten und Geburtstagen, selbstkomponierte Musik, Musik für Theateraufführungen, Vernissagen, Escape Rooms, DJs – die ihre selbst produzierte Musik auflegen und auch viele Sammler für Jukeboxen“, erklären Dr. Dub. Auf der ganzen Welt greifen Musik-Liebhaber wieder vermehrt zur Schallplatte. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen die meisten Bestellungen aus Brasilien. „Wir wissen nicht so genau warum, aber es hat sich im Laufe der Jahre bei den brasilianischen DJs herumgesprochen und so geht mindestens einmal pro Monat ein Päckchen dorthin.“ Sonst sind auch Bestellungen aus Kanada, Bulgarien uvm. dabei.

Im Tonstudio in Fieberbrunn haben Eppensteiner und Waltl insgesamt vier Vinylschnittmaschinen. Eine davon ist eine Neumann VMS-66. Eine Rarität unter den Kennern sozusagen: „Die Maschine kommt aus England und wurde 1966 gebaut und mittlerweile mit der neuesten Technik restauriert. Sie ist ein Schatz, die es so eigentlich nicht mehr gibt. Mit dieser Maschine wurde angeblich eine Lackfolie für das Weiße Album der Beatles geschnitten.“

Eine Rarität unter den Vinylschnittmaschinen: die Neumann NMS-66

Eine Rarität unter den Vinylschnittmaschinen: die Neumann NMS-66. Foto: WKT

Und so funktioniert das Schneiden: Ein Diamantstichel graviert die 80 Mikrometer breiten Rillen in den Rohling. Der Ton-Ingenieur bestimmt, wie die Rillen aussehen sollen, damit die Nadel des Plattenspielers darin den perfekten Schall erzeugt. „Du musst an jedes Lied ¬- egal ob nordische Klassik wie heute oder Elektromusik für morgen Vormittag – analytisch herangehen und das Mastering machen“, erklärt Eppensteiner. In so einer Schallplatte steckt viel Handarbeit und kreatives Potenzial. Und Waltl sagt: „Am Ende bist du glücklich, wenn es auf der Platte gut klingt.“ Vinyl ist am Markt wieder beliebt. Dr. Dub produzieren pro Jahr rund 2.500 Einzelplatten und die Aufträge gehen nicht aus. Seit Kurzem werden die zwei Plattenproduzenten von einem Mitarbeiter unterstützt, um die nachgefragte Menge leichter produzieren zu können.

» Weitere Infos: www.drdub.com

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