Digital-Lotsen: Türöffner in die Online-Welt

Dass das wirtschaftliche Leben ohne treffsichere digitale Präsenz unmöglich geworden ist, sagt sich federleicht. Dabei können entscheidende Schritte für Laien bleischwer sein. Das ist die Basis für die Digital-Lotsen, die kleinstrukturierte Unternehmen nicht nur beraten, sondern ihnen sofort, direkt, kostenlos und unkompliziert helfen.

Aus der Praxis klingt ein Loblied, das die Treffsicherheit der Initiative beweist. „Wir waren bei diversen Online-Kanälen bereits stark vertreten und haben dieses Angebot in erster Linie genützt, um den Bereich Social Media mit Fabcebook und Instagram weiter auszubauen und uns hier Tipps geben zu lassen“, berichtet Thomas Zobl und hält weiter fest: „Ich bin sehr begeistert, wie uns Digital-Lotse Manuel Erhart die gewissen kleinen Tricks und Kniffe beibringen konnte. Mit diesen Anregungen sind wir für die Zukunft sicher bestens gerüstet.“

Thomas Zobl gehört zum Team von „Marcello‘s“ in der Haller Krippgasse. Rund um Vinothek, Bar und Weinhandel konzentrieren sich dort die Leidenschaften der Kunden, denen die Unternehmer professionell begegnen. Analog vor Ort. Und digital „im Netz“, in dem sie nicht als Laien unterwegs waren, doch fehlte eben noch der letzte Schliff. Manuel Erhart unterstützte sie dabei. Erhart ist einer von vier Digital-Lotsen, die seit Mai 2020 in der Salzstadt unterwegs sind und Unternehmern kostenlos dabei helfen, digitale Herausforderungen zu meistern und eventuelle Hürden zu nehmen.

Stationäre Einzelhändler, Dienstleister oder Gastronomen – quer durch alle Branchen werden kleinstrukturierte, meist inhabergeführte Unternehmen von den Digital-Lotsen an der Hand genommen und professionell ins oder im Netz begleitet. Egal, ob es etwa um den google-my-business-Eintrag geht, den Facebook-Account oder den Newsletter. Egal auch, ob es um die Homepage geht, die Tür hin zum E-Commerce oder das „Abklopfen“ der Hardware. Ihrer Bezeichnung machen sie dabei alle Ehre. Ja, der Name Digital-Lotse trifft voll ins Schwarze.

Digitaler Aufholfbedarf

In der Schifffahrt geleitet ein erfahrener und kenntnisreicher Lotse die Schiffe sicher durch Untiefen, vorbei an Hindernissen – zum Ziel. Wird die hohe See mit der Tiroler Wirtschaftswelt gleichgesetzt, so löste die Corona-Krise einen unheimlichen Wellengang aus. Einen Tsunami fast, der die Fahrt zahlreicher Unternehmer jäh unterbrach und teils auch schonungslos mit kleinen oder größeren Versäumnissen im Umgang mit der digitalen Welt konfrontierte.

„Man hat beim Lockdown gesehen, dass gerade im Handelsbereich viele Firmen noch einiges an Aufholbedarf haben und es teilweise auch an Grundlagen fehlt“, weiß Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol. Die Standortagentur ist neben vielem anderen für die Umsetzung der 2017 von Wirtschaftlandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf ins Leben gerufenen Initiative „digital.tirol“ verantwortlich, die von der Lebensraum Tirol GmbH koordiniert wird. Und „digital.tirol“ steht zusammen mit der Wirtschaftskammer Tirol Pate für die Digital-Lotsen. „Mit dem Digital-Lotsen wurde ein niederschwelliges Angebot geschaffen, um den Unternehmen unkompliziert und ganz praktisch zu helfen“, weiß Simon Franzoi, Geschäftsführer der Sparte Handel in der WK Tirol.

In Hall, Imst, St. Johann und Kufstein unterwegs

An vier Tiroler Orten sind die Digital-Lotsen bereits unterwegs. Koordiniert von den jeweiligen Stadtmarketing-Einrichtungen werden Kufstein, St. Johann, Imst und Hall in Tirol mit ihrer Unterstützung regelrecht „e-lektrisiert“. Hall war als Pionierin die erste Digital-Lotsen-Stadt. Und hat schon viel zu erzählen.

„Wir hatten gemerkt, dass viele Unternehmen Hilfe brauchen, dass das aber nicht mit klassischen Workshops oder Schulungen funktionieren kann“, sagt Michael Gsaller, Geschäftsführer des Stadtmarketing Hall in Tirol, und erklärt: „Die, die es schon kennen und gut machen, brauchen das nicht. Und die, die es nicht gut machen, gehen da nicht hin.“ In kleinstrukturierten Unternehmen ist Zeit ein knappes Gut. Handfestes ist gefragt. Vor allem, wenn wie im Zuge der Corona-Krise, der Bedarf glasklar ist, die Mittel aber knapp sind.

„Da merkten wir, dass wir die Betriebe besuchen und eventuelle Probleme im besten Fall schon direkt vor Ort lösen müssen“, skizziert Gsaller die Geburtsstunde der Digital-Lotsen, die mit ihrer Expertise in Windeseile nicht nur Antworten liefern, sondern direkte Umsetzungshilfe anbieten, wenn sich in den Unternehmen Fragen tummeln, wie: Ist ein Online-Brancheneintrag wichtig und wie mache ich das richtig? Was bringt eine eigene Website? Wie kann ich eine neue E-Mail-Adresse anlegen? Wie kann ich meine Daten absichern und mich vor rechtlichen Komplikationen schützen? Wollen meine Kunden WLAN? Lohnt sich ein Engagement auf Facebook?

Unkompliziert, niederschwellig, direkt

Die digitale Gemengelage ist dabei so unterschiedlich, wie die Unternehmen selbst und aus der Erfahrung der ersten Monate weiß Gsaller zu berichten: „Manchmal kommen die Digital-Lotsen drauf, dass es gröber in der Software oder der Hardware fehlt oder dass mit dem alten Handy gewisse Facebook-Sachen nicht mehr gemacht werden können. Das hat nicht selten dazu geführt, dass die Unternehmer investiert haben und sich dabei von den Digital-Lotsen beraten ließen.“ Es ist wie ein digitales Ärmel raufkrempeln und in die Hände spucken. Unkompliziert, niederschwellig und direkt.

„Ich benötigte nur den letzten Schliff für meine Facebook-Fanpage und dabei hat mir Manuel Erhart in einem Telefonat wunderbar geholfen. Ich bin online, werde gefunden und das war das Ziel“, sagt etwa Michaela Stalzer, Chefin der Haller Massagepraxis „Heil & Ganz“. Digital-Lotse Erhart ist unter anderem Experte für Social Media und hat in seinen Beratungsgesprächen beziehungsweise -besuchen festgestellt: „Viele haben nur ein Profil mit zwei, drei Bildern und wissen noch nicht so recht, wohin die Reise gehen soll. Da ist es wichtig, über die Basics zu sprechen.“

Digital-Lotsen als Bindeglied

Er und sein „Lotsen-Kollege“ Christoph Weiler haben im IT-Bereich Aufholbedarf festgestellt. „Hier gibt es viel Verbesserungspotenzial. Angefangen bei der Sicherheit über Netzwerktechnik bis hin zum Computer selbst. Wir sind daher bei den Betrieben größtenteils auf die IT-Infrastruktur eingegangen und haben die Kunden entsprechend informiert und erste Hilfestellungen geleistet“, berichten sie. Mit Gerhard Flatscher ist das Haller Digital-Lotsen-Trio komplett und Flatscher kann über seine ersten Einsätze erzählen: „Ich habe mehrere Einzelhändler betreut, die bereits einfache Homepages hatten. Das Bewusstsein ist bei den meisten da, dass sie etwas tun müssen. Aber viele können aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht groß investieren.“ In diesen Fällen weist Flatscher auf leistbare Möglichkeiten hin, gibt den Leuten etwa Tipps zur Suchmaschinenoptimierung oder zur Gestaltung von Texten und sagt: „Es gibt viele Kleinigkeiten, mit denen man etwas erreichen kann.“ Wenn man weiß, wie, versteht sich.

Bei vielen digitalen Fragen wirken die Digital-Lotsen wie das Bindeglied zwischen den aufholbedürftigen Unternehmern und der „Netzwelt“, die bis dato mehr eine Parallelwelt war. Ursprünglich als Hilfestellung für den stationären Handel gedacht, hat sich das Spektrum rasch erweitert. „Rund 20 Betriebe aus allen Branchen haben das kostenlose Service bereits in Anspruch genommen und es werden immer mehr“, so Gsaller. Mundpropaganda sei dabei oft der Startschuss und in den meisten Fälle wüssten die Unternehmen auch schon, welchen der drei Lotsen sie gerne als Berater haben wollten: „Wenn nicht, schaue ich mir die Problemstellung an und schicke ihnen den passenden Lotsen.“

Dass zwei der Lotsen in Hall stationiert sind und einer im nahen Gnadenwald, ist für den Geschäftsführer des Stadtmarketings ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. „Ja, davon sind wir überzeugt. Sie müssen greifbar sein und ein bissl ortsbekannt“, weiß Gsaller um den Stellenwert des Regionalen, der auch hier nicht unterschätzt werden darf. Die Initiative hat sich in Windeseile bewährt. „Die Corona-Krise wirkt dabei als Beschleuniger der Entwicklung, denn sie zwingt viele Unternehmer dazu, Prozesse in die digitale Welt zu verlagern“, weiß Gsaller, der sich über die Treffsicherheit des Angebotes freut. Zurecht!

Bild oben: Christoph Weiler, Andreas Erhard, Gerhard Flatscher und Manuel Erhart (v.l.) sind als Digital-Lotsen in Hall unterwegs. Wie ihre Kollegen in Imst, St. Johann und Kufstein unterstützen sie Betrieben diversen Herausforderungen der Digitalisierung.

Beratung zum Thema Digitalisierung
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