DEZ – das erste Einkaufszentrum Österreichs

Hannes Hess ist langjähriger Geschäftsführer und Gesellschafter des DEZ. Gemeinsam mit Center-Manager Helmut Larch führt er das einst erste Einkaufszentrum (EKZ) Österreichs durch bewegte Zeiten. Im Interview erläutert Hess, warum Innovation nie aufhört, wie der Online-Konkurrenz begegnet werden kann und welche Hausaufgaben seitens der Politik gewünscht sind.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Das DEZ war ja das erste EKZ in Österreich. Welche Pionierarbeit galt es für Ihren Vater zum Start zu leisten?

Hannes Hess: Mein Vater Walter Hess glaubte fest an die Idee „Alles unter einem Dach“ und überraschte Österreichs Handelslandschaft 1970 mit einem Gebäude mit Handelsvielfalt oder wie der Shoppingcenter-Pionier es nannte, „einem modernen Marktplatz mit Dach“. Schließlich dominierten Ende der Sechziger Jahre die kleinteiligen örtlichen Händler und einige Kaufhäuser das Handelsgeschehen in den Städten. Man hat aber auch damals bereits gewusst, dass es nicht wünschenswert ist, eine Innenstadt autogerecht umzugestalten.

Worin liegt das Geheimnis, dass ein Unternehmen fünfzig Jahre hindurch konstant erfolgreich bleibt – obwohl sich die Gesellschaft ständig gewandelt hat?

Man muss sich als Unternehmen ebenfalls ständig wandeln. Es gab kaum ein Jahr, in dem nicht umgebaut und erneuert wurde. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Wie spüren Sie die Auswirkungen des zunehmenden Online-Handels und wie steuern Sie dagegen?

Es ist eine Tatsache, dass die Umsätze, die der Onlinehandel abzieht, den lokalen Geschäften fehlen. Wir beobachten allerdings auch, dass der Konsument mit dem Online-Angebot alleine nicht glücklich ist. Stationärer Handel kann einen klaren Mehrwert liefern, indem die Kunden dort die Produkte sehen, fühlen und riechen können. Auch die Faktoren Beratung und Service erhalten im stationären Handel einen besonderen Stellenwert.

Wie kann die Politik hier unterstützend wirken?

In dem sie das bestehende Ungleichgewicht bei den Rahmenbedingungen beseitigt. Der stationäre Handel unterliegt harten Auflagen und leistet seinen Beitrag bei den Steuerabgaben. Der internationale Onlinehandel nutzt sämtliche Schlupflöcher und verschafft sich damit einen unfairen Wettbewerbsvorteil. Es wird noch zu wenig erkannt, dass nur der stationäre Handel Arbeitsplätze schafft und die Regeln der Nachhaltigkeit beachtet. Gemeinden und Regionen müssen sich klar hinter den stationären Handel stellen – und zwar mit einem proaktiven Denken und Handeln, was das entsprechende Umfeld für die lokalen Händler schafft.

Braucht es auch ein gesellschaftliches Umdenken?

Auf jeden Fall. Das betrifft einerseits das Konsumverhalten. Oft erfolgen Online-Bestellungen nur wegen einiger Euro Preisvorteil, aber es wird zu wenig bedacht, welche Auswirkungen das auf den regionalen Handel hat. Andererseits wird es im stationären Handel und natürlich auch in Einkaufszentren mehr denn je notwendig sein, neue Wege auszuprobieren und Innovationen Raum zu geben. Wir brauchen, um Unternehmer zu Veränderungen zu ermutigen, eine neue Kultur des Scheiterns. Denn Neuerungen lassen sich immer erst mit Versuch und Irrtum erproben.

Hat sich auch die Aufgabe des DEZ im Laufe der Zeit gewandelt?

Das DEZ hat sich in den 50 Jahren seines Bestehens weg von der Einkaufsmaschine hin zum modernen Marktplatz mit sozialer Kompetenz entwickelt. Das zeigt sich sogar beim Namen selbst: Während das Kürzel in der ersten Zeit für „Diskont Einkaufszentrum“ stand, ist daraus „Das Einkaufszentrum“ geworden. Einkaufen ist heute mehr als lästige Pflicht, es ist zum Vergnügen und zur Freizeitbeschäftigung geworden. Früher war es nicht vorstellbar, dass ein Einkaufszentrum auch am Abend oder am Wochenende genutzt wird: Heute haben die Gastronomiebetriebe abends offen, darüber hinaus finden laufend Events statt – in der Corona-Zeit natürlich mit Einschränkungen.

Das DEZ ist mit seinen zahlreichen Angeboten zu einem sozialen Treffpunkt geworden. Genau hier werden wir bei der Weiterentwicklung ansetzen und versuchen, unseren Kunden den Mix an großen und kleinen Geschäften zu bieten, die sie sich erwarten. Während die regionalen und örtlichen Händler unserem Tiroler Shoppingcenter seine persönliche Note und Identität geben, sorgen die nationalen Filialisten und die Präsenz der global vertretenen Handelsketten für internationales Flair.

»Weitere Informationen: DEZ – Das Einkaufszentrum

 

Forever young: Fünfzig Jahre DEZ
Hannes Hess, Christoph Walser, Helmut Larch

Der Präsident der WK Tirol gratuliert zum 50-jährigen Jubiläum: Hannes Hess, Christoph Walser, Helmut Larch (v.l.). Foto: WK Tirol

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