TimeTour öffnet Fenster in die Vergangenheit

Das junge Innsbrucker Start-up „Picture This“ sorgt mit moderner Technologie für eine Evolution klassischer Stadtführungen. Die TimeTour-App erweckt mittels 360-Grad-Bildern und Virtual Reality Vergangenes wieder zum Leben.

Wer würde nicht einmal gerne auf Zeitreise gehen? Anstatt von früheren Zeiten nur zu hören, sie auch wirklich sehen zu können. Ein Traum, der dank virtueller Hilfe der neuen Stadtführungen mit Virtual Reality Brille zumindest ein Stückchen weit erfüllt werden kann. Der Startpunkt der etwas anderen Stadttour ist auf der nördlichen Seite der Innbrücke. Dort treffen wir auf das TimeTour Team rund um Gründer Gordon Grusdat und Matthias Plenk sowie AustriaGuide Thomas Jabinger. „Das Konzept von TimeTour ist einzigartig: Die Teilnehmer können mit dem eigenen Handy und einer bereit gestellten Virtual Reality Cardboard-Brille während der Stadtführung in eine dreidimensionale Szenerie des Innsbruck um 1900 eintauchen und das Vergangene mit dem Heute vergleichen. „Fundiertes Hintergrundwissen staatlich geprüfter Fremdenführer inklusive“, erklären die Erfinder erfreut.

Von der Innbrücke bis zu Erzherzog Eugen

Doch wie funktioniert das jetzt genau? „Mit Hilfe der App bekommt man einen Eindruck, wie es in Innsbruck des 19. Jahrhunderts ausgeschaut hat. Das ist besonders für jüngeres Publikum attraktiv. Die Rückmeldungen sind auch immer positiv, weil es einfach eine andere Art der Stadtführung ist“, freut sich AustriaGuide Thomas Jabinger, der seit mehr als zehn Jahren als staatlich geprüfter Fremdenführer arbeitet. Die App wird aufs Handy geladen und dieses in die VR-Brille gesteckt. Einmal die Brille aufgesetzt, befindet man sich in der Zeit rund um 1900, die Innbrücke war damals noch aus Holz und Hauptplatz des Handels in Innsbruck. Dann geht unsere Reise weiter zur Hofburg, wo uns Erzherzog Eugen, der Großcousin von Kaiser Franz-Josef, höchstpersönlich vom Balkon der Hofburg winkt. Dieser ist um 1900 nämlich in die Hofburg eingezogen und hat dort das erste Badezimmer eingebaut. Die nächste Station ist die Maria-Theresien-Straße, durch die 1905 noch eine Straßenbahnlinie geführt hat. Auch die ersten Autos sehen wir durch die VR-Brille durch die Prachtstraße fahren. „Die TimeTour-App ist zudem in der Lage, die 360-Grad-Bilder auch stereoskopisch darzustellen. Das ermöglicht eine räumliche Wahrnehmung wie im 3D-Kino. Längst vergangene Architektur gesamter historischer Szenerien wird so wieder in ihrer Gesamtheit erlebbar, statt in vielen Einzelbildern. Man befindet sich als Betrachter im Zentrum des historischen Geschehens und entscheidet selbst, welche Details man genauer betrachten möchte – geht quasi auf eine Zeitreise“, so GF Matthias Plenk begeistert.

TimeTour GF Matthias Plenk und Gordon Grusdat mit AustriaGuide Thomas Jabinger (v.l.).

TimeTour GF Matthias Plenk und Gordon Grusdat mit AustriaGuide Thomas Jabinger (v.l.).

Virtueller Rundgang

Reiseführer, wie sie jeder kennt, gibt es bereits seit etwa 200 Jahren. Seit ihren Anfängen hat sich der Mix aus komprimierten Informationen in Text und statischen Bildern wenig verändert – selbst wenn Inhalte mal über digitale Formate wie E-Books oder Apps bereitgestellt werden. „Doch TimeTour nutzt moderne Technologien wie Virtual Reality (VR), um die touristische Informationsvermittlung auf ein neues Level zu heben“, erklären die beiden Geschäftsführer. Die gleichnamige App für Smartphones und Tablets macht durch hochauflösende 360-Grad-Bilder detailgetreuer, historischer Stadtansichten den kulturhistorischen Wandel in Innsbruck erstmals optisch erlebbar. Die Idee dazu kam Gordon Grusdat bei einem Italien-Trip: „Bei einer Stadtführung in Bologna dachte ich mir, wie toll es wäre, jetzt wirklich sehen zu können, wie es hier vor einigen Hundert Jahren ausgesehen hat. Hab die Idee mit nach Innsbruck genommen und Matthias davon überzeugt.“ Die Architekten Gordon Grusdat und Matthias Plenk haben das Internetunternehmen im September 2018 gegründet und sich zum Ziel gesetzt, touristische Angebote wie Stadtführungen mit Hilfe moderner Technologien weiterzuentwickeln und die Informationsvermittlung auf ein neues Level zu heben. Gesagt, getan und los ging es mit der App-Entwicklung.

„Wir haben rund zweieinhalb Jahre an der Umsetzung gearbeitet“, erzählt Plenk. „Wir mussten verschiedene Zeichnungen und Fotos vergleichen, historische Gebäude vermessen usw. – die damaligen Künstler waren recht großzügig bei der Nachbildung.“ 2019 konnten die App-Entwickler dann richtig mit den Stadtführungen starten. Dann kam Corona. „Das war nicht ganz einfach. Genau in dem Moment, als es mit den 3D-Stadtführungen richtig gut gestartet hat, kam der Lockdown. Diese Zeit haben wir natürlich ausgiebig zum Ausbau der TimeTour genutzt – wofür genau, bleibt aber noch ein Geheimnis“, scherzt Grusdat.

Heute und damals.

Der Blick durch die VR-Brille: Innsbruck heute und damals.

Zukunft von TimeTour

Mittlerweile besteht das Team um die beiden Geschäftsführer aus rund zehn Personen. Vom 3D-Modellbauer, Visualisierer bis zum App-Entwickler wird die gesamte Bandbreite abgedeckt. Und nächste Visionen sind schon gesetzt. „Unser Geschäftsmodell basiert auf der Kombination von neuen Technologien mit innovativen Anwendungen. Die TimeTour Innsbruck ist ein Vorzeigeprojekt, um zu erklären, wie unsere App als Tool eingesetzt werden kann. Jeder Guide oder jedes Unternehmen kann die App in seinen Führungen verwenden. Wir stellen die Software, das Know-how und das Bildmaterial dafür bereit – ob in Innsbruck, Österreich, oder über die Staatsgrenzen hinweg“, erklärt Plenk. Eine TimeTour-Stadtführung dauert 90 Minuten und kostet 23 Euro pro Person. VR-Brille rauf und der Zeitreise durch das alte Innsbruck steht nichts mehr im Wege.

» Weitere Informationen: www.timetour.studio

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