Virtueller Exporttag zeigte Marktchancen auf

Die Covid19-Krise hat alle positiven Wirtschaftsprognosen komplett zusammengeschlagen. Doch die Chancen für heimische Exportunternehmen sind da, auch wenn es herausfordernd wird. Das zeigte der erstmals virtuelle Exporttag der WK.

Mehr als 5.000 Vertreter von österreichischen Exportunternehmen waren online dabei: beim ersten digitalen Exporttag der Wirtschaftskammer und der Außenwirtschaft Austria. Und abgesehen von kleineren technischen Problemen, wurde der Tag zu einem Meilenstein in der Veranstaltungskultur der Wirtschaftskammer: Zwei EU-Kommissare (Johannes Hahn und Phil Hogan) waren zugeschaltet. Tausend individuelle Beratungsstunden fanden online statt, dazu gab es ein 40-Stunden-Programm mit mehr als 100 hochkarätigen Experten sowie 17.000 Interaktionen innerhalb der Exporttag-Community. Die einzelnen Programmpunkte wurden insgesamt mehr als 32.000 Mal angesehen.

Das Thema war auch entsprechend heiß. Denn immerhin: Österreichs Exportwirtschaft eilte vor der Corona-Krise noch von Erfolg zu Erfolg. 2019 wurde ein Exportvolumen von 154 Milliarden Euro erzielt, „das ist ein Alltime-High“, wie Michael Otter, Leiter der Außenwirtschaft Austria, sagt. Dann kam Corona, und innerhalb weniger Wochen war alles anders. Und das dicke Ende droht im Herbst zu kommen. Denn viele Firmen haben zuletzt noch alte Aufträge abarbeiten können. Wenn sie keine Folgeaufträge einfahren, dann wird es für sie sehr unangenehm, wie Wirtschaftskammerexperte Christoph Schneider sagt.

Außenwirtschaft unter Dampf

Keine Flaute hatte aber in den letzten Monaten die Außenwirtschaft Austria: „Wir haben keinen Lockdown gemacht, wir haben keine Mitarbeiter in der Betreuung österreichischer Exportunternehmen abgezogen“, so Otter. Und die Nachfrage nach Informationen vonseiten der heimischen Exportunternehmen war in dieser Zeit fulminant: „Wir haben 10.000 Unternehmen informiert“, berichtet Gudrun Hager, Wirtschaftsdelegierte in Mailand: „Unsere Länderwebsite war ein Bestseller.“ Italien war immerhin besonders stark getroffen von Corona, und hier besonders Oberitalien, speziell die Lombardei, eine Region, die überragende Bedeutung für österreichische Exporteure hat.

Diese Exporteure wurden entsprechend hart getroffen. Laut einer Stimmungsumfrage des AußenwirtschaftsCenters Mailand geht die Hälfte aller österreichischen Italien-Exporteure davon aus, dass die Krise noch anhalten wird: Nur 20 Prozent sehen ein stabiles Italien-Geschäft für heuer und von 35 Prozent für nächstes Jahr. Aber immerhin: Die Industrieproduktion in Italien ist nicht so stark gesunken wie international befürchtet. Österreichs Unternehmen müssten auf dem Italien-Markt jetzt „italienische“ Qualitäten an den Tag legen: „viel Kreativität und viel Flexibilität“, wie Hager sagt. Chancen gebe es vor allem für österreichische Firmen, die italienische Firmen im Digitalisierungsprozess unterstützen können oder bei touristischer Infrastruktur.

Hoffen auf Konjunkturprogramme

Auch in Deutschland sollten staatliche Konjunktur- und Hilfsprogramme für Impulse sorgen, berichtet Andreas Haidenthaler, Wirtschaftsdelegierter in München. Deutschland habe einen großen Nachholbedarf in der Instandhaltung seiner Infrastruktur (Straßen, Bahnen, Glasfasernetze). Hoffnung gibt auch schon wieder der chinesische Markt: China wird heuer ein bis drei Prozent Wirtschaftswachstum zustande bringen und damit einer der wenigen Volkswirtschaften mit Wachstum sein, sagt Wirtschaftsdelegierter Martin Glatz. Die Industrieproduktion in China ist wieder voll angelaufen, die Bauwirtschaft läuft stark, nur der private Konsum schwächelt noch etwas. Aber es gibt wieder tolle Exportchancen für Tiroler Unternehmen, sagt Glatz. Vor allem zwei Bereiche verlangen nach österreichischem Know-how. Erstens: der Trend zur Digitalisierung und, zweiteins: der Trend zu gesundem Leben.“ Das könnte die Nachfrage nach österreichischer Umwelttechnik sowie touristischer Infrastruktur fördern. Chancen bieten auch „der österreichische Anlagenbau und generell der Nachhaltigkeitssektor“, sagt Glatz. Sein Fazit: „Der China-Export könnte heuer halbwegs vernünftig laufen, trotz Corona.“

Fatal wirkte Corona auf Märkte, die die österreichischen Unternehmen in den letzten Jahren erst so richtig zu entdecken begannen, wie etwa Afrika. So hat die Wirtschaft in Ostafrika durch Corona schweren Schaden genommen, berichtet Wirtschaftsdelegierte Edith Predorf. Dennoch sind teilweise auch neue Chancen entstanden: Für österreichische Exporteure bieten sich etwa die Bereiche Gesundheitstechnologie oder Finanzdienstleistungen an. Aussichten ergeben sich nach Corona durchaus auf dem russischen Markt, sagt Wirtschaftsdelegierter Rudolf Lukavsky: Die russische Wirtschaft öffnet sich, Russland ist krisenerprobt, hat große finanzielle und Rohstoff-Ressourcen und braucht Hilfe beim Aufbau einer modernen Industrie sowie in den Bereichen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Das sollten österreichische Produzenten nützen können.

Aus China zugeschaltet war Wirtschaftsdelegierter Martin Glatz.

Aus China zugeschaltet war Wirtschaftsdelegierter Martin Glatz.

Profitieren von Handelskonflikten

Auch in Asien eröffnen sich neue Möglichkeiten für Europa, pikanterweise gerade wegen des US-chinesischen Handelskonflikts. Je stärker dieser Konflikt eskaliert, desto größer die Möglichkeiten, US-Lieferungen durch solche aus Europa zu ersetzen, sagt Parag Khanna, globaler Strategieberater und Autor. Wichtig wird aber sein, dass sich österreichische Exporteure nicht nur auf China konzentrieren, sondern auch auf Länder wie Indien, Pakistan, Philippinen, Vietnam, Indonesien, Thailand. Die Chancen für österreichische Exporteure liegen in „bedingungsloser Qualitätsorientierung“, wie Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer betont. Heuer wird es mit dem Exportvolumen sicherlich nach unten gehen, aber schon im nächsten Jahr soll es nach den Prognosen wieder aufwärts gehen. Wichtig: Jetzt am (Export-)-Ball bleiben!

Österreichs Unternehmen haben in den letzten Wochen durchaus oft ihre Hausaufgaben gemacht, die eigentlich schon seit Jahre anstanden. WKO-Vizepräsident Jürgen Roth: „In wenigen Monaten haben Unternehmen oft einen 3-/4-/5-Jahressprung in der Digitalisierung gemacht.“ Die heimische Wirtschaft hat überdies in der Krise durchaus weiter in Forschung & Entwicklung investiert. Das sollte sich in der Nach-Corona-Ära auszahlen.

Neue Hilfen der Regierung

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ist optimistisch: „Österreichs Unternehmen haben Know-how, unsere Fachkräfte bringen die Exportwirtschaft nach vorne.“ Österreichs Regierung habe 50 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, zur Abfederung der Corona-Krise, weil Wertschöpfungsketten unterbrochen wurden, für die Abdeckung von Fixkosten, für Kurzarbeit und für die Investitionsprämien mit degressiver Abschreibung, d. h. Verluste aus dem heurigen Jahr sind gegenrechenbar mit Gewinnen aus den Jahren zuvor. Schramböck: „Da kann bereits bezahltes Steuergeld zurückgeholt werden.“ Schramböck kündigte neue Hilfen für exportierende Unternehmen an: „Der Staat kann nicht immer helfen, aber jetzt muss man helfen und neue Mechanismen schaffen.“ Die Wirtschaftskammer wird ihr Engagement krisenbedingt ebenfalls nicht zurückfahren, sondern, im Gegenteil: ausbauen. So kündigte Außenwirtschaftschef Michael Otter Investitionen in den Ausbau des Außenwirtschaftsnetzes in Südamerika, Zentralasien sowie Ost- und Westafrika an.

Gefahr Protektionismus

Eine Herausforderung ist die gestiegene Skepsis gegenüber der Globalisierung: Es gibt die „America-first“-Politik oder aber auch etwa die „Singapur-first‘“. Und auch in Europa findet eine Rückbesinnung auf „Europa-first“ statt, wie Zukunftsforscher Matthias Horx beim Exporttag konstatiert. Ist das gefährlich für Österreich? Möglich, denn eine kleine Volkswirtschaft wie Österreich braucht die Auslandsmärkte dringend. Sechs von zehn Euros, die in Österreich erwirtschaftet werden, werden durch Auslandverkäufe erzielt (durch Exporte und Auslandstourismus). Protektionismus und geschlossene Grenzen würden Österreich also belasten. „Es gibt in Krisenzeiten immer die Versuchung, sich abzuschotten“, sagt EU-Kommissar Hogan. Aber „die Zukunft der europäischen Unternehmen hängt am Welthandel, deshalb brauchen wir mehr Handel und mehr Handelsabkommen.“

Bild oben: Hochkarätige Experten: Über die Neuordnung der Weltwirtschaft nach Covid-19 diskutierten u. a. Zukunftsforscher Matthias Horx (l.), Mariana Kühnel, Generalsekretär-Stellvertreterin der Wirtschaftskammer (2. v. r.) und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (r.).

»Weitere Informationen: Exporttag 2020

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