InnoDays: Mobilitäts-Ideen für Tirol und Europa

Projekte, mit denen die Tiroler Mobilität revolutioniert werden kann, machen die InnoDays 2020 zu einem Highlight für eine der brisantesten Hauptfragen des Landes. Über 100 junge Talente nahmen teil und präsentierten richtig coole Lösungen. Nach nur 48 Stunden. In Warp-Geschwindigkeit.

Ende Mai blitzte es gewaltig in Innsbruck und Umgebung. Köpfe rauchten und Leitungen funkten, als die InnoDays 2020 über die Bühne gingen. Über die digitale Bühne, um genau zu sein. „Die Innovation Days digital zu organisieren war eine mutige Entscheidung und sie dem Thema Mobilität zu widmen, eine super Idee“, ist Barbara Thaler, Europaabgeordnete und Vizepräsidentin der WK Tirol, nachhaltig beeindruckt von der Organisation wie auch dem Kernthema Mobilität. Einem Thema, das Tirol auf zahlreichen Ebenen herausfordert und das die WK Tirol zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht hat. Zum ersten Mal waren die jungen Köpfe diverser Hochschulen und ihre Mentoren aus Wirtschaft und Wissenschaft nicht analog und greifbar vereint, um in 48 Stunden eine Idee zum Prototypen zu entwickeln. Diese 48-Stunden-Challenge ist es, der sich die Innovation Days jährlich widmen, um in einer so quirligen wie zielgerichteten Konstellation teils sensationelle Innovationen zu generieren. Coronabedingt musste dieser kreative Sprint heuer „ins Netz“ ausgelagert werden. Mastermind Clemens Plank legte sich dafür ins Zeug und so konnten Ende Mai 2020 über 100 junge Talente die Herausforderung annehmen, neue Ideen für die Mobilität der Zukunft in Tirol bis hin zum Prototypen bzw. bis hin zu einem ganz konkreten Projekt zu entwickeln.

InnoDays: Die Aufgaben

Die Aufgabenstellungen waren von den involvierten Sparten der Tiroler Wirtschaftskammer und der Standortagentur Tirol klar formuliert worden. Beim Thema „Mobilität & Wirtschaft“ ging es darum, Ideen zu entwickeln, wie der regelmäßige Lieferverkehr in die Tiroler Täler verbessert werden kann. Die Tourismus-Challenge – Mobilität & Tourismus – widmete sich der Frage, wie attraktive und nachhaltige An- und Abreisemöglichkeiten für Gäste aus dem In- und Ausland geschaffen werden können. Im Zusammenhang mit dem Thema „Mobilität & Lebensraum“ galt es, innovative Entwürfe multimodaler Knotenpunkte für eine intelligente und saubere Mobilität in und um Innsbruck zu finden.

„Innsbruck Stadt hat rund 50.000 Einpendler täglich. Viele kommen nicht mehr mit dem Auto, sondern mit der Bahn. Hier gilt es, neue Infrastrukturen für geänderte Mobilitätsverhältnisse aufzubauen“, hatte Anja Oberlacher, Projektmanagerin bei der Standortagentur, die Lebensraum-Challenge zuvor erklärt. „Wie können wir den Gästen eine gute und staufreie Anreise gewährleisten? Wir erhoffen uns ein Ergebnis, das wir bislang noch nicht kannten“, motivierte Alois Rainer, Obmann der WK Tirol-Fachgruppe Gastronomie, die Teilnehmer. Rebecca Kirchbaumer, Obfrau der WK Tirol-Sparte Transport und Verkehr, spornte mit diesen Worten an: „Wir suchen neue Lösungen, wie wir in Zukunft mit unserer Mobilität umgehen. Man muss neue Ideen finden und offen sein dafür.“ Und Christoph Walser, Präsident der WK Tirol, wusste: „Das sind spannende Themen. Es kann nur Spaß machen, bei dieser Denkwerkstatt dabei zu sein.“ Damit war der Countdown eröffnet und über 100 Köpfe legten los und sich ins Zeug, um Lösungen zu finden, die das Potenzial haben, die Tiroler Mobilitätswelt zu verändern.

Der Sprint

48 kreative Stunden später war diese Welt um zahlreiche Ideen, Anregungen, Innovationen und Lösungsvorschläge reicher. Ohne Schranken, ohne Denkverbote und doch mit dem Ziel, dass die Ideen umsetzbar sind, hatten die unterschiedlichen Teams Gedankengas gegeben und sich nicht nur dem Wettrennen mit der Zeit, sondern auch dem Wettbewerb mit den anderen Teams gestellt. „Die Fragestellungen hatten diesmal wirklich gesellschaftspolitische Relevanz. Es war wieder faszinierend, wie die Teilnehmer vom Problem zur Lösung gekommen sind“, berichtet Barbara Thaler aus der virtuellen Innovations-Arena. 21 Prototypen wurden am Ende präsentiert und der Jury kam die Aufgabe zu, die besten zu finden und die Siegerteams der einzelnen Fragestellungen zu präsentieren.

Die Fragestellungen hatten wirklich gesellschafts-politische Relevanz.
Barbara Thaler, Europaabgeordnete und Vizepräsidentin der WK Tirol

Christoph Walser, Barbara Thaler, Marcus Hofer (GF Standortagentur Tirol), Christiane Holzinger (JW Bundesvorsitzende) und Martin Theyer (PKF Corti & Partner Business Development) fühlten den Prototypen auf den Zahn, klopften sie auf ihre Umsetzbarkeit ab und einigten sich schließlich auf drei Ideen, die so vielversprechend sind wie praktikabel. „Es waren ganz tolle Projekte dabei. Interessanterweise haben sie in ähnliche Richtungen gedacht, wie wir in der Kammer“, sagt Präsident Walser und hält fest: „Das bestätigt schon auch, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, richtig ist. Aufgepeppt durch die dynamischer gedachten Projekte der InnoDays kann da sehr viel Positives entstehen.“

Die Teams

Das Team „Order Mate“ ging beispielsweise als Siegerteam in der Kategorie „Mobilität & Wirtschaft“ hervor. Die Dynamik des Prototypen, die Walser meint, springt nicht nur rasch über, sondern lässt sich auch leicht für das ganze Land denken. Das ganze Land und darüber hinaus. Die Idee, eine gebündelte Lieferoption bei Online-Bestellungen für Nachbarschaften und Freunde anzubieten, den mit einem speziellen Anreizsystem gelockten Bestellern Versandkosten und Straßen wie Umwelt Verkehr zu sparen, trifft mit einer Klappe viele Fliegen. Lästig sind sie, unfreundlich zur Umwelt auch und das bereits alltägliche Bild der knapp hintereinander die Straßenzüge abklappernden Lieferdienste macht klar, worum es geht. Mitarbeiter von Post, DHL, GLS und anderen Firmen drücken sich auf den letzten Metern zu den Bestellkunden mehr oder weniger die Türklinke in die Hand und ihre Fahrzeuge parken derweil auf der Straße.

„Dieser KEP-Markt wächst sehr schnell, er hat ein Umsatzwachstum zwischen 8 und 10 Prozent pro Jahr“, macht Josef Ölhafen, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr in der Tiroler Wirtschaftskammer, auf die Kurier-Express-Paket-Dienste aufmerksam, die vor allem in urbanen Räumen immer mehr Spannungen auslösen. Der KEP-Markt wächst direkt proportional mit dem Online-Handel. „Und das nicht erst seit der Corona-Krise. Da hat es sich aber noch verstärkt“, so Ölhafen.

Last mile ist der Schlüsselbegriff. Dabei handelt es sich nicht um den Titel eines Wild-West-Romanes, sondern um ebendiese letzten Lieferwege bis zur Haustüre, die zunehmend zu Problemen führen. Die „last mile“ spielt im aktuellen Regierungsprogramm eine große Rolle, wenn es darum geht den öffentlichen Personennahverkehr klimafit und für Kunden überzeugend zu machen. Die „last mile“ ist aber auch längst ein Thema, das die WK Tirol im Rahmen ihres Mobilitäts-Schwerpunktes beschäftigt. Zentrale Packstationen, wo Pakete abgeliefert, abgeholt und gegebenenfalls wieder abgeschickt werden können, sind ein Gedanke. „Wir denken aber auch darüber nach, diese last mile nicht nur zu bündeln, sondern sie ökologisch wertvoll zu machen“, lenkt Ölhafen den Blick beispielsweise auf Lastenfahrräder oder batteriebetriebene Zustellmöglichkeiten.

Dass den großen Playern des KEP-Marktes der ökonomische Sinn danach steht, Marktanteile abzusichern und zu gewinnen, macht die Herausforderung selbstverständlich größer und ein Stück weit spannender. „Hier ist die Wirtschaftskammer prädestiniert dazu, eine Plattform zu bieten, Anbieter und Nachfrager zusammen zu bringen, Netzwerke zur Verfügung zu stellen und diese Ideen voran zu treiben“, weiß Ölhafen. Es wird bereits an drei ausgewählten Tiroler Modellregionen gearbeitet, in denen die Möglichkeiten, diesen Güterverkehr neu, umweltfreundlich und verkehrsschonend zu gestalten, ausgelotet werden sollen.

Die Schritte

Bei den weiteren Mobilitäts-Schritten der WK sollen die InnoDays-Projekte beziehungsweise ihre Teams eingebunden werden, um die Denkkräfte zu bündeln. Auch die Siegerprojekte der Tourismus- und der Lebensraum-Challenge (Advanced Travelling und InnsPark) haben schließlich das Zeug dazu, den Problemen aktiv zu begegnen. Die Idee, mit einer alle Mobilitätsanbieter umfassenden online-Buchungsplattform die nachhaltige und staufreie Anreise von Gästen zu ermöglichen, hat nicht nur Biss, sondern auch das Potenzial, den Tirol-Tourismus zu verändern. Um der Gemütlichkeit des Privat-Pkw nicht minder gemütliche und zudem nachhaltige Alternativen zu bieten, bedarf es einer satten Kraftanstrengung. Nicht nur die Anreise gehört dazu, sondern auch die Services vor Ort, die alle Dienstleister einbindet. „Das muss vollautomatisch im Hintergrund laufen. Damit der Gast in seinem Hotel beispielsweise bereits die Schi in seiner Größe und Einstellung vorfindet oder das Fahrrad, um keine Zeit damit zu verlieren, sich vor Ort schlau zu machen“, so Ölhafen. Der Wandel vom Fahrzeug besitzen hin zum Fahrzeug nutzen spielt beim Lebensraum-Siegerprojekt eine nicht minder große Rolle. Das Team InnsPark hat hier virtuell Plattformen aus Europaletten gebastelt, die nicht nur als Begegnungsräume fungieren sondern auch das Aufladen von E-Scootern und E-Bikes ermöglichen und zudem als Erweiterung des Außenraumes für Restaurants dienen können.

„Wir denken darüber nach, die ’last mile’ nicht nur zu bündeln, sondern ökologisch wertvoll zu machen.“
Josef Ölhafen, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr in der WK Tirol

In nur 48 Stunden haben es die Teilnehmer der InnoDays regelrecht krachen lassen. „Was ich so toll finde, ist, dass die Projekte in der Praxis umsetzbar sind“, sagt Präsident Walser und betont bei ebendieser Umsetzbarkeit von Ideen die Plattformrolle der Wirtschaftskammer, die in Zukunft noch stärker wahrgenommen werden soll: „Das ist unsere Stärke. Wir können das Netzwerk zur Verfügung stellen, damit neue Ideen in die Praxis umgesetzt und neue Unternehmen am Markt Fuß fassen können.“

Die Krönung

Der Markt für innovative Ideen ist nur selten begrenzt, Mobilitätsprobleme wollen überall gelöst werden und darum erweitert Barbara Thaler den Blick – nach Brüssel, wo sie seit über einem Jahr als MEP Fuß gefasst, sich unter anderem im Verkehrsausschuss einen Namen gemacht und zahlreiche Kontakte geknüpft hat. Thaler wird, sobald dies wieder möglich ist, die Siegerteams nach Brüssel einladen, sie eventuell zu einer Ausschusssitzung mitnehmen und jedenfalls Termine mit verschiedenen, für Verkehrsfragen zuständigen Mitarbeitern der EU-Kommission vereinbaren. „Die Kommission ist immer auf der Suche nach coolen europäischen Ideen. Sie suchen in ganz Europa neue Mobilitätskonzepte“, weiß Thaler. Dass die Siegerprojekte nicht nur in Tirol, sondern überall funktionieren können, ist dabei der Schlüssel.

Darüberhinaus könnten sich die Siegerprojekte der InnoDays Innsbruck dazu eignen, ein ganz besonderes Förderinstrument des Europäischen Parlaments zu nutzen. Pilot projekts nennt sich dieses Instrument, das im Gegensatz zu anderen europäischen Förderschienen wenig bürokratisch, sondern schlank und schlagkräftig ist. „Die Pilotprojekte sind ein Wahnsinn. Abgeordnete können dabei einen kurz gefassten Antrag an das Parlament stellen und auf unkomplizierte Weise Geld für die detaillierte Ausarbeitung des Projektes lukrieren“, erklärt Thaler und ergänzt: „Wenn die Lösung aufgeht und man sie auf andere Regionen umlegen kann, dann ist nicht nur allen geholfen. Im Idealfall kann es zur Grundlage für künftige Maßnahmen oder Rechtsvorschriften der Union werden.“ Und so könnten Projekte, die im Zuge des kreativen InnoDays-Sprints in Innsbruck entstanden sind, nicht nur die Tiroler sondern die  europäische Mobilitätswelt verändern. „Das ist echt cool“, sagt Thaler. Stimmt.

»Weitere Informationen: InnoDays 2020

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