Tiroler Konjunktur: Schwerer Dämpfer, aber gute Chancen auf Erholung

Die Tiroler Wirtschaftsleistung wird im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent sinken. Gewerbe und der Bau sind derzeit die Konjunkturstützen. Der Tiroler Tourismus könnte vom Rückgang bei Fernreisen profitieren und zu einer schnellen Erholung beitragen.

Die Covid 19-Pandemie und die Lockdown-Maßnahmen haben zu einem massiven Einbruch der Tiroler Wirtschaft geführt. Am stärksten von der Krise betroffen sind der Tourismus und die Industrie. Als Konjunkturmotoren erweisen sich derzeit die Bauwirtschaft und das Gewerbe. Der Tiroler Geschäftsklimawert erreicht mit -9 Prozentpunkten den tiefsten Wert seit der Finanzkrise 2009, liegt aber immer noch deutlich über dem damaligen Tiefststand (-26 % im März 2009). Sinkende Zahlen bei der Kurzarbeit und der Arbeitslosigkeit zeigen einen klaren Aufwärtstrend an.

 

Die aktuelle Krise hat den Dienstleistungssektor besonders stark getroffen. Durch die hohe Tourismusintensität wird Tirol heuer das Bundesland mit dem größten Rückgang der Wirtschaftsleistung sein (rund 10 Prozent). Die Erwartungshaltungen der Tiroler Betriebe sind gedämpft, aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Aufgrund der Reisebeschränkungen und der Zurückhaltung bei Ferndestinationen ergeben sich Chancen für den heimischen Tourismus: „Tirol punktet mit einer stabilen Infektionslage und qualitativ hochwertigen touristischen Angeboten bei Einheimischen und Gästen aus Nachbarländern, vor allem aus Deutschland“, hält WK-Präsident Christoph Walser fest, „damit kann der Tourismus seine Rolle als Konjunkturlokomotive wieder übernehmen und für eine rasche Erholung sorgen.“

Dazu passt auch die Erwartungshaltung der Touristiker selbst: Während im Durchschnitt nur 24 Prozent der Betriebe eine Verbesserung der Auftragssituation erwarten, gehen 47 Prozent der Tourismusbetriebe von einer steigenden Buchungslage aus. „Wichtig ist, dass die aktuell starke Bauwirtschaft auch in den nächsten Monaten weiter einen Beitrag zur Erholung leisten kann. Das Vorziehen öffentlicher Aufträge wie dies seitens Bund, Land und Gemeinden vorgesehen ist, stellt einen wichtigen Impuls für diese Branche dar“, erklärt Walser.

Trotz Hochkonjuntur wenig Reserven

Die größten Problemzonen liegen für WK-Volkswirt Stefan Garbislander in der mangelnden Auslastung und der hohen Unsicherheit. Nur bei der Hälfte der Betriebe sind die Kapazitäten ausgelastet; und die sich ständig ändernde Lage in Bezug auf das Coronavirus macht Planungen schwierig. „Das führt dazu, dass die Investitionsbereitschaft gering ist. 56 Prozent der befragten Betriebe werden in den kommenden sechs Monaten weniger investieren als zuvor. Da Investitionen zukünftige Arbeitsplätze sind, ist es wichtig, dass die Politik mit Investitionsanreizen dagegen steuert“, erklärt Garbislander.

Für Christoph Walser kommt es jetzt darauf an, dass die politischen Schlüsse aus der Krise gezogen werden: „Wir sehen, dass die heimischen Unternehmen nicht einmal in Zeiten der Hochkonjunktur ausreichend Reserven bilden konnten. Mittelfristig muss die Steuerlast deutlich sinken, um den Betrieben die Möglichkeit zu geben, Eigenkapital aufzubauen.“ Zudem braucht es aus Sicht des WK-Präsidenten ein besseres soziales Netz für Selbstständige. Aktuelle Forderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung oder einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes hält Walser für den „völlig falschen Weg“.

»Mehr Informationen: Top Tirol Konjunkturbarometer 2020

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