Karriere-Turbo Lehre: Beste Basis für große Sprünge

Am Beginn ihrer Karriere stand die Lehre. Was sie dort gelernt haben, prägte nicht nur ihren beruflichen Werdegang, sondern auch ihr Denken. „Das Denken ist immer lösungsorientiert. Dieser logische Zugang prägt das ganze Leben“, sagt David Narr. Der Lehrlingskoordinator der WK Tirol weiß das aus eigener Erfahrung. Und er weiß es zu schätzen.

Ihre Karrieren sind echt knackig. Michael Fankhauser ist stellvertretender Sägewerksleiter bei der Binderholz GmbH. Sarah Usel ist Teamkoordinatorin Primäranlagen bei den ÖBB. Peter Servis leitet die Abteilung Bau beim Traditionsunternehmen Huter & Söhne. Sebastian Klaushofer ist bei der Firma Dinkhauser Kartonagen zuständig für den Bereich Stanzformtechnik und Klaus Draxl ist Operations Manager und Prokurist bei der Leonhard Lang GmbH.

So unterschiedlich ihre Biografien und Führungspositionen auch sein mögen – sie haben alle einen gemeinsamen Nenner. Sie starteten ihre Karrieren mit einer Lehre und stellen unisono fest, dass ebendiese Lehrjahre sie tief prägten und das Denken auch heute noch bestimmen. „Das Denken ist immer lösungsorientiert. Dieser logische Zugang prägt das ganze Leben“, bestätigt auch David Narr, Lehrlingskoordinator der WK Tirol, den starken roten Faden.

Wer „technische Köpfe“ kennt, weiß ganz genau, was er meint. Mit so scharfer wie schonungsloser Klarheit vermögen sie verkopfte Knoten zu durchschlagen, wie einst Alexander der Große. Bürokraten dürften an dieser Direktheit verzweifeln, Politiker vielleicht auch, doch in einem Unternehmen ist dieser Zugang vielfach spielentscheidend. Für lösungsorientierte Strategien genauso wie für rasche Reaktionen. „Wenn du einen Wasserrohrbruch hast und – Hausnummer – 20 Sekundenliter rausrinnen, dann kannst du nicht anfangen, einen Plan zu zeichnen oder ein Protokoll anzulegen. Da musst du handeln“, macht Narr die Lösungskompetenz, auf die es ankommen kann, leicht nachvollziehbar.

Dass er dafür ein Beispiel aus der Welt der Installationen nennt, ist kein Zufall, hat er doch selbst die Lehre zum Installateur absolviert und sein Leben lang davon profitiert. „Als Lehrling kannst du nicht davonlaufen. Du musst einfach arbeiten, bis es fertig ist. Das macht dich auch für Veränderungen stark“, erzählt er wieder mit Blick auf seinen eigenen Weg, der ihn zwar aus gesundheitlichen Gründen von seinem Lehrberuf wegführte, seine Überzeugung aber nachhaltig bestätigte: „Auch wenn du 40 Jahre lang in deinem Lehrberuf arbeitest – als Tischler oder Maurer, ganz egal – ist das eine tolle Karriere. Durch eine Lehre wird man erfinderisch. Einer, der beispielsweise auf dem Bau lernt, kann alles ein bisschen und kann sich selber ein Leben lang viel Gutes tun.“

Stein für Stein

Apropos Bau. Dort, auf Baustellen, arbeitete Narr beispielsweise mit Peter Servis zusammen. „Peter Servis hat einen echt schönen Weg gemacht“, weiß David Narr. Stimmt. Die Spielarten, wie die Lehre zum Sprungbrett für eine steile Karriere werden kann, sind ja so vielfältig, wie die Lehrberufe selbst. Peter Servis ist Leiter des Baubereiches bei Huter & Söhne, einem der ältesten Bauunternehmen des Landes. Er hat seine Karriere sprichwörtlich gemauert. Stein für Stein, Schicht für Schicht. „Ich habe vor 35 Jahren die Maurer-Lehre bei der Firma Huter & Söhne begonnen“, blickt Peter Servis zurück.

Seine Leidenschaft für das handwerkliche Arbeiten war früh schon geweckt worden: „Wir hatten eine Almhütte. Da oben habe ich jeden Sommer einem Bauern geholfen und dabei viel gelernt. Traktor fahren, Holz hacken, Steinmauern – all das.“ Dass er ein Handwerk erlernen wollte, war klar und weil sein Cousin Maurer bei der Firma Huter & Söhne gelernt hatte, war auch rasch klar, was und wo: „Ich sagte, wenn ich Maurer lerne, dann nur bei der Firma Huter & Söhne.“

An die Freude über den letzten klassischen Schultag kann er sich genauso gut erinnern, wie an den Spaß, die Maurerlehre zu beginnen. Die Möglichkeiten der Baubranche begeisterten ihn und derart angestachelt kletterte er die Karriereleiter immer höher. Vom Gesellen über den Polier zum Bauleiter hin zum Abteilungsleiter. „Ich war jahrelang auf den Baustellen und kann mich bei vielen Bauten an viele Sachen erinnern“, erzählt er.

Fährt Peter Servis durch das Land, begleiten ihn beim Anblick der bleibenden Werke durchaus stolze Momente. Auch dieser Stolz über so komplexe wie handfeste handwerkliche Leistungen sind ein roter Faden, der ehemalige Lehrlinge verbindet. Seit 2010 trägt Servis die Verantwortung für über 80 Mitarbeiter  – auch die jungen Berufseinsteiger. „Bei den Einstellungsgesprächen erzähle ich ihnen von meinem Werdegang“, weiß Servis um die Vorbildfunktion und hält fest: „Natürlich schaue ich mir die Zeugnisse an, doch entscheidend ist, dass sie mit Spaß zur Arbeit kommen.“

Vielseitig und umfangreich

Der Spaß, von dem der Meister spricht, hatte Sebastian Klaushofer in Windeseile erfasst. „Ich war Schulabbrecher und kam durch Zufall zur Firma Dinkhauser Kartonagen. Meine Mama ist Lehrerin und hatte das Unternehmen bei einer Führung mit Schülern kennengelernt“, sagt er und berichtet über den entscheidenden Entschluss: „Ich war kurz schnuppern, dann habe ich mich beworben und schon war ich Lehrling.“ Sebastian Klaushofer erlernte den Beruf des Verpackungstechnikers in der Firma Dinkhauser in Hall und sagt: „Das ist echt eine ziemlich interessante Lehre, sehr vielseitig und umfangreich.“ Drucken, Stanzen und Kleben sind die drei Hauptthemen eines Verpackungstechnikers. Selbst wenn die Ergebnisse dieser Arbeit die Menschen so gut wie überall begleiten, ist der Beruf eher selten, weswegen es für Klaushofer die beste Lösung ist, das wichtige Fachpersonal selbst auszubilden.

Sein Beruf ist sehr speziell, müssen mit jedem neuen Auftrag doch neue Lösungen gefunden werden. Das zu verpackende Produkt muss bestmöglich geschützt und die Funktion gegeben sein. Im Verpackungsunternehmen selbst muss der Ablauf stimmen und der Kunde darf keine Probleme haben – beim Aufstellen oder Befüllen. „Natürlich ist auch der Werbeeffekt und dabei eben die Bedruckung entscheidend. Es sind echt viele Punkte, auf die es ankommt“, weiß er und erklärt zu seinem Spezialgebiet: „Für jede Schachtel gibt es eigene Stanzformen und für jeden neuen Auftrag wird ein neues Werkzeug bestellt.“

Genau dafür, die Stanzformtechnik, ist der bald 26-Jährige im bekannten und seit 1848 bestehenden Verpackungsunternehmen in Hall zuständig. Wie ein Dolmetscher übersetzt er dabei die Bedürfnisse des Kunden und des eigenen Unternehmens an die Werkzeugbauer. „Ich arbeite eng mit ihnen zusammen. Auch intern wird jeder neue Auftrag intensiv analysiert, wir besprechen was gut oder was vielleicht weniger gut gegangen ist, um alles zu optimieren und besser zu werden“, erklärt Klaushofer und meint: „Mit der Lehre habe ich schon Glück gehabt.“ Ja, weil auch er sich dazu entschlossen hatte, seines eigenen Glückes Schmied zu sein.

Starke Identifikation

Wie auch Michael Fankhauser, der zwar ebensowenig den Beruf des Schmiedes erlernt, wohl aber schon in jungen Jahren die wichtigste Entscheidung seines Lebens getroffen hat. Die wichtigste und die absolut richtige. „Als ich jung war, wusste ich nicht genau, was ich werden sollte. Dann habe ich hier, bei der Binderholz GmbH als Hilfsarbeiter angefangen. Nach einem Monat stand fest, was ich machen möchte“, erzählt er.

Michael Fankhauser hatte quasi von einem Monat zum anderen seine Begeisterung für Holz entdeckt und die Lehre zum Holz- und Sägetechniker begonnen. „Das ist eine ganz spezielle Geschichte. Wenn es uns, also die Holztechniker nicht gibt, gibt es keinen Tischler und auch keinen Zimmerer. Das gefällt mir an der ganzen Sache“, weiß Fankhauser um die entscheidende Rolle seines Berufsstandes für den Arbeitsalltag anderer „Holzmeister“ beziehungsweise der holzverarbeitenden Industrie.

Bei Binderholz in Fügen, einem der erfolgreichsten und innovativsten Tiroler Unternehmen dieser Branche hat er seine Karriere weitergezimmert. „Ich bin stellvertretender Sägewerksleiter und habe aktuell 93 Mitarbeiter unter mir“, erzählt der bald 37-Jährige, dessen Arbeitsalltag nicht zuletzt durch die Lehrlinge bestimmt wird, versteht er es doch blendend, junge Menschen für die Lehre zu animieren, Lehrlinge auszubilden und ihnen das Feuer weiterzugeben, das ihn selbst so auszeichnet. „Für mich ist die Lehre das Wichtigste“, sagt er und betont: „Meiner Meinung nach geht es ganz stark um die Identifikation. Zu sagen, das bin ich, das kann ich.“

Multiple Geschichte

Das bin ich. Das kann ich. Derart konkret war auch das Ziel, das Sarah Usel 1997 dazu animierte, eine Schlosserlehre zu beginnen. „Ich wollte unbedingt einen handwerklichen Beruf erlernen, habe mir vorher einiges angeschaut und mich dann für die Schlosserlehre bei den ÖBB entschieden“, erzählt die 37-Jährige.

Die ÖBB-Lehrwerkstätte in Innsbruck Wiltenberg war in den spannenden Lehrjahren ihr Arbeits-, Handwerks- und Lernmittelpunkt. „Nach dem Lehrabschluss habe ich intern zur Rail Cargo Group gewechselt und dann wechselte ich zu den Kraftwerken“, skizziert Sarah Usel ihre weiteren Stationen innerhalb der großen staatlichen Eisenbahngesellschaft. Nachdem sie dort auch viel in der Administration also eher fern der Technik tätig gewesen war, markierte der Abschluss der berufsbegleitenden HTL-Matura eine Art Rückkehr. „Ja, die Rückkehr in die Technik war der Grund dafür, warum ich die HTL angefangen habe“, sagt sie.

Aus dem Bereich Kraftwerke wurde bald der ÖBB-Geschäftsbereich Energie und dort gelingt es Sarah Usel all ihre Erfahrungen, das technische Wissen und ihre Wissbegierigkeit erfolgreich einzubringen bzw. einzusetzen. „Da wachsen die Erfahrungen schon zusammen. Bis zu einem gewissen Grad kann ich nachvollziehen, was ein Handwerker machen muss, wenn er beispielsweise eine Revision durchführt. Und aus meiner Zeit in der Administration kenne ich die Abläufe“, beschreibt Usel die Basis, auf der sie ihre weitere Karriere aufbauen konnte. „Seit rund zwei Jahren bin ich Teamkoordinatorin Primäranlagen. Wir haben in ganz Österreich Kraft- und Umformerwerke. Da bin ich natürlich viel unterwegs“, erzählt sie. In Sachen E-Mobilität sind die ÖBB Spitzenreiter, Sarah Usel ist ein wichtiges „Rad“ in diesem energetischen Kreislauf und sagt: „Das ist schon eine sehr multiple Geschichte.“

Tolle Synergie

Derart multiple, auf einem Lehrberuf aufbauende Geschichten sind beeindruckend. Auch weil der Bezug zur ganz konkreten, handfesten Umsetzung technischer Lösungen eventuell zum Scheitern verurteilte auf purer Theorie basierende Irrwege ausschließt. „Meine Karriere begann mit dem Abbruch des Gymnasiums“, blickt Klaus Draxl rund 40 Jahre zurück, als er dazu ansetzte, einen vermeintlichen Irrweg zum Erfolgsweg zu machen.

In der dritten Klasse „Gym“ wusste er nicht nur, dass er eine Lehre machen wollte, er wusste auch schon genau, welche. Graveur wollte er lernen – bei der Firma Pichl in seinem Heimatort Inzing. Auch damals irrlichterte der Irrglaube, dass pure Schule besser sei als eine Lehre, weswegen Draxl als Teenager seinen starken Willen unter Beweis stellen musste, um den Berufswunsch in die Tat umzusetzen: „Ich bin beharrlich geblieben, habe die zwei Jahre Pflichtschule absolviert und die Lehre begonnen.“

Graveur ist und war auch damals ein spannender Beruf. Spannend und selten. Nur eine Handvoll Lehrlinge aus ganz Österreich haben zusammen mit dem willensstarken Inzinger die Berufsschule in Amstetten besucht. „Weil wir im Unternehmen ein sehr breites Spektrum hatten, habe ich genau genommen drei Berufe erlernt – Graveur, Werkzeugmacher und Goldschmied. Dabei habe ich nicht nur das Handwerk, sondern ganz allgemein wichtige Grundlagen – wie Pünktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit und Verlässlichkeit – gelernt“, berichtet er.

Diese Grundlagen und die Genauigkeit, die etwa beim Fräsen aufs Hundertstel Millimeter gefordert war, prägten seinen beruflichen Lebensweg. Ein Weg, der ihn erst im Unternehmen aufsteigen, dann das berufsbegleitende MCI-Studium „Qualitätsmanagement und Logistikmanagement“ abschließen und bald auch Führungserfahrungen in anderen Unternehmen sammeln ließ.

Bis ein Angebot kam, das er nicht ausschlagen konnte. Letzte Woche jährte sich der Tag zum 13. Mal, an dem Draxl bei der Firma Leonhard Lang GmbH „landete“. Punktgenau, wie‘s scheint. „Seit zwölf Jahren teile ich das Büro mit Seniorchef Leonhard Lang. Uns verbindet eine tolle Synergie“, sagt er. Klaus Draxl ist Operations Manager und Prokurist des erfolgreichen, 350 Mitarbeiter beschäftigenden Tiroler Medizintechnik-Unternehmens und betont: „Ich habe ein schönes Leben.“ Schön.

Bild oben: Michael Fankhauser ist bei der Binderholz GmbH vom Hilfsarbeiter über die Lehre zum Holz- und Sägetechniker zum stellvertretenden Sägewerksleiter aufgestiegen – eines von vielen Beispielen für das enorme Potenzial der dualen Berufsausbildung. Foto: Binderholz Gmbh

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!