Walser ist überzeugt: „Tirol wird diese Krise meistern“

Das Wirtschaftsparlament der Tiroler Wirtschaftskammer wählte letzte Woche Christoph Walser zum Präsidenten. Im Interview erklärt Walser, wo die Politik Impulse setzen kann und warum die Ausbildung von Fachkräften gerade jetzt wichtig ist.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Corona hat unser Leben in den letzten Wochen auf den Kopf gestellt. Wo stehen wir derzeit?

Christoph Walser: Der Lockdown war die einzige Möglichkeit. Jetzt sind die meisten Branchen wieder angelaufen und es wird Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Wir müssen nun möglichst diszipliniert mit diesem Virus umgehen und Schritt für Schritt die Normalität wiederherstellen.

Welchen Handlungsbedarf gibt es seitens der Politik?

Kurzfristig ist es jetzt wichtig, dass die bestehenden Hilfsmaßnahmen weiter verfeinert und verbessert werden. Wir evaluieren die Instrumente ständig und fordern Nachbesserungen ein, was ja mehrfach geschehen ist. Die Abwicklung muss einfacher und rascher gehen. Die Betriebe brauchen das Geld jetzt und nicht erst in einigen Monaten. Erfreulich ist auch das umfassende Konjunkturpaket des Landes sowie die Absicht, öffentliche Infrastrukturinvestitionen vorzuziehen. Das bringt wichtige Impulse.

Und mittelfristig?

Unternehmer sein ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Damit sich die Betriebe wieder Reserven aufbauen können, sind eine deutliche Reduktion der Steuerlast und ein beherztes Ausmisten bei der Bürokratie nötig. Tirol hat jetzt die Chance, auf Zukunftsthemen zu setzen. Wir können bei erneuerbaren Energieformen und innovativen Mobilitätskonzepten eine Vorreiterrolle einnehmen. Dazu gehören auch ökologische An- und Abreisen unserer Gäste und der Ausbau der Verladeterminals, damit wir die Verlagerung von der Straße auf die Schiene tatsächlich schaffen können.

Gibt es noch Lücken in den Unterstützungsmaßnahmen?

Ja, vor allem bei mittelständischen Firmen. Die WK wird gemeinsam mit dem Land einen Fonds schnüren, der Betrieben hilft, Umsatzrückgänge zwischen 25 und 40 Prozent zu verkraften. Dafür nehmen sowohl das Land als auch die WK Tirol je fünf Millionen Euro in die Hand.

Werden auch positive Effekte der Krise übrigbleiben?

Die Krise bringt neben allen negativen Auswirkungen auch Lerneffekte, die anhalten werden. Es wird auch nach Corona immer wieder Bedrohungen geben. Wir lernen gerade, mit diesen umzugehen und kleinräumige und flexible Lösungen zu finden. Einen zweiten Lockdown kann und wird es nicht geben. Wir sehen jetzt, wie wichtig regionale Wirtschaftskreisläufe sind. Ich bin überzeugt, dass einige wichtige Produktionen nach Europa zurückkehren werden. Vieles liegt an den Konsumenten: Wir haben hochqualitative regionale Erzeugnisse – aber sie müssen auch gekauft werden. Die Digitalisierung hat einen großen Schub bekommen: Besprechungen per Videokonferenzen haben sich bewährt, Bildungsmaßnahmen per Internet funktionieren professionell. Das WIFI Tirol hat hier eine österreichweite Vorreiterrolle eingenommen.

Worauf sollte in dieser schwierigen Zeit nicht vergessen werden?

Dass es bald wieder bergauf geht – und unsere Betriebe qualifizierte Fachkräfte brauchen. Vorausschauende Betriebe bilden auch in dieser schwierigen Lage Lehrlinge aus, weil sie wissen, dass das ihre Fachkräfte der Zukunft sind. Der Lehrlingsbonus ist ein wichtiges Signal. Seitens der WK werden wir weiter daran arbeiten, dass die Lehrlingsausbildung noch attraktiver wird und die volle Gleichwertigkeit zum schulisch-akademischen Bildungsweg bekommt.

Wie wird Tirol in den kommenden Wochen und Monaten mit dieser Krise umgehen?

Es waren und sind immer die Unternehmer in unserem Land, die nach Krisen wieder aufgestanden und mit positivem Beispiel vorangegangen sind. Das wird auch diesmal so sein. Ich bin optimistisch und wir haben allen Grund dafür: Wir haben innovative Betriebe, fleißige Menschen und einen stabilen Standort im Herzen Europas. Tirol wird diese Krise meistern, davon bin ich zutiefst überzeugt.

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