Detektivarbeit in der Verkehrsunfallanalyse

Mittels Partikeluntersuchung kann das Ingenieurbüro Genitheim in Mieders jeglichen Unfallschäden nachgehen. Eine einst nur in der Kriminalistik bewährte Methode revolutioniert nun die Beweissicherung nach Kfz-Unfällen.

Jede Berührung hinterlässt sozusagen eine DNA. Wenn sich zwei Objekte berühren, werden gegenseitig Partikel übertragen, die haften bleiben“, erklärt der Sachverständige Thomas Genitheim. Jenes Verfahren, welches den Meisten nur aus Krimis bekannt ist, in welchem der Ermittler Fingerabdrücke oder sonstige Beweise mittels Folie abklebt und sorgfältig in einen Plastikbeutel verschwinden lässt, wird mittlerweile auch auf Österreichs Straßen nach Verkehrsunfällen immer öfters beobachtet. „Die Folie ist in Deutschland bereits seit Längerem mit großem Erfolg bei diversen Sachverständigen, Versicherungen, Polizeidienststellen sowie Gerichten im Einsatz. In Österreich arbeiten wir derzeit als einziges Sachverständigenbüro mit der Spurfix-Methode“, so der Sachverständige.

Genaue Untersuchung mit dem Mikroskop. Im Labor werden die Partikel auf den Folien überprüft. Foto: WKT

Genaue Untersuchung mit dem Mikroskop. Im Labor werden die Partikel auf den Folien überprüft. Foto: WKT

CSI Genitheim

Dazu wird die Folie an den beteiligten Objekten kurz angebracht und die darauf haftenden Mikrospuren werden anschließend optisch bewertet bzw. chemisch-analytisch untersucht. Somit kann nach Verkehrsunfällen die Berührung der mutmaßlichen Objekte mit absoluter Sicherheit bewiesen oder widerlegt und an Hand dieser Erkenntnisse der Unfallhergang exakt rekonstruiert werden, da die Partikel auch Aufschluss über Anstoßrichtung und Stillstand oder Bewegung der Kollisionspartner geben. Bei einem strittigen Unfall wird so der Schaden genau dokumentiert und die Schadensstelle mit speziellen, von einem Studienfreund Genitheims entwickelten Folien abgezogen. Diese Folien werden dann im Labor mit einem Mikroskop untersucht. Mit den Folien kann der Schaden auch zeitlich eingeordnet werden – also, ob es sich um einen alten oder einen neuen Schaden handelt. „Auch wenn mehrere Fahrzeuge gleicher Type und mit gleicher Lackfarbe als Kollisionspartner in Frage kommen, lässt sich sagen, von welchem Fahrzeug die Partikel stammen“, so Genitheim.

Die Folie wird an den Objekten kurz angebracht und die darauf haftenden Mikrospuren anschließend chemisch-analytisch untersucht. Foto: Genitheim

Die Folie wird an den Objekten kurz angebracht und die darauf haftenden Mikrospuren anschließend chemisch-analytisch untersucht. Foto: Genitheim

Zaun, Mauer oder Schneeschaufel

„Viele wollen einen Versicherungsbetrug vortäuschen“, schildert der Experte ein Beispiel. „So meldete ein Versicherungsnehmer einen Schaden durch Vandalismus an seine Versicherung. Anhand der Folien zeigte sich jedoch, dass Aluminiumpartikel vorhanden waren, die man eindeutig der Schneeschaufel des Mannes zuordnen konnte. Es stellte sich heraus, dass der Fahrzeughalter sein Fahrzeug mit der Schaufel vom Schnee befreien wollte, dabei die Kratzer verursachte und das Geld von der Versicherung haben wollte.“ Die Spurfix-Methode kann sogar nach einem Besuch in der Waschstraße noch angewendet werden.
So kam es auch, dass kürzlich ein Mann bei der Versicherung angab, dass sein in der Garage geparktes Auto, das mit einer Schutzhülle bedeckt war, eine Delle und diverse Parkschäden aufweise. Durch die Fäden- und Stoffpartikel der Schutzhülle, die durch die Folien-Methode auch am Auto der Nachbarin nachweisbar waren, konnte dieser Fall gelöst und die Schuld nachgewiesen werden.

Thomas (l.) und Nicolas Genitheim bewerkstelligen gemeinsam die Dedektivarbeit in der Verkehrsunfall-analyse. Foto: WKT

Thomas (l.) und Nicolas Genitheim bewerkstelligen gemeinsam die Dedektivarbeit in der Verkehrsunfall-analyse. Foto: WKT

Was liegt das pickt

Thomas Genitheim steckt in seine Arbeit viel Geld, Energie und Geduld. Der Ingenieur kommt ursprünglich aus dem Maschinenbau, hat seinen Firmensitz in Mieders im Stubaital und betreibt sein Ingenieurbüro seit über 20 Jahren. Nach der HTL in Innsbruck war er viele Jahre als Fahrlehrer und Führerscheinprüfer tätig und studierte Maschinenbau. An der Technischen Universität Graz entdeckte er anschließend das damals sehr neue Studium der Verkehrsunfallforschung und vertiefte sich noch weiter in die Materie. „Dort habe ich einen Studienfreund aus Deutschland kennengelernt, der mir von dieser sogenannten Spurfix-Methode erzählt hat. Denn in Deutschland wäre das gang und gäbe. Und so bin ich eigentlich erst auf die Idee gekommen, selbst diese Methode anzuwenden.“ Jetzt bewerkstelligt Thomas Genitheim gemeinsam mit seinem Sohn Nicolas die Detektivarbeit in der Unfallanalyse. „Im letzten Jahr bin ich zigtausende Kilometer durch ganz Österreich gefahren, von Versicherungen zu Sachverständigenbüros, um die Spurfix-Methode bekannt zu machen“, erklärt Genitheim die nie aufhörende Netzwerkarbeit. Doch es ist lohnend: „Das Geschäft nimmt mehr und mehr zu und ich befinde mich tagtäglich in einer anderen Welt. Die Forensik ist einfach faszinierend.“ Das Ingenieurbüro Genitheim setzt die Spurfix-Methode mittlerweile in vielen Privat- und Gerichtsgutachten ein.

» Weiter Informationen: Genitheim

 

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