Der Tiroler Handel braucht Solidarität – vom Staat und der Bevölkerung

Staatliche Unterstützungen müssen die Liquidität der Betriebe sichern, eine neue Kampagne sowie Gutscheinen des Landes sollen den regionalen Konsum ankurbeln.

Berechnungen diverser Wirtschaftsinstitute zufolge ist der Handel jener Wirtschaftszweig, der am massivsten von Umsatzeinbrüchen durch die Corona-Krise betroffen ist. Innerhalb des Tiroler Handels mit seinen mehr als 9.000 Unternehmen und rund 50.000 Beschäftigten hat es in den vergangenen zwei Monaten denkbar unterschiedliche Entwicklungen gegeben. “Im Lebensmitteleinzelhandel konnten die Umsätze beispielsweise gehalten werden, weil er nicht von den verordneten Schließungen betroffen war. Dagegen wurden im Lebensmittelgroßhandel zum Teil Umsatzeinbußen von bis zu 100 Prozent verzeichnet. Es gibt also eine enorme Bandbreite der Betroffenheit quer durch den Handel”, betont der Obmann des Tiroler Handels, Martin Wetscher. Generell kann aber festgestellt werden, dass Branchen, die einen hohen Anteil an saisonaler Ware im Sortiment haben, überproportional stark unter den Einschränkungen durch Corona zu leiden haben.

Einsatz für verbesserte Unterstützung

Ein Beispiel dafür ist der Modehandel, wie Wolfgang Feucht bestätigt: “Wir mussten ausgerechnet in jenen Wochen zusperren, die für uns zu den umsatzstärksten des Jahres gehören. Die Geschäfte haben ihre Frühlingsware zum Großteil bereits vor Corona erhalten und voll bezahlt. Während des Lockdowns konnte aber nichts verkauft werden und die Ware hat mit jedem Tag an Wert verloren“, so der Obmann des Handels mit Mode und Freizeitartikeln. Trotz fehlender Einnahmen waren aber natürlich laufend Kosten zu tragen, was viele Händlerinnen und Händler in ein prekäre Situation gebracht hat. Deshalb fordert Feucht eine adäquate und zielgerichtete staatliche Unterstützung für den Handel: “Leistungen wie Fixkostenzuschüsse sind natürlich zu begrüßen, aber vielfach nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb kämpfen wir weiterhin für deutliche Verbesserungen. Andernfalls steht zu befürchten, dass viele regionale Händler mit ihren Mitarbeitern zu Opfern der Corona-Krise und ganze Innenstädte veröden werden.”

Neue Kampagne “Mir ist’s nicht egal, ich kauf lokal!”

Neben dem Staat fordert Feucht aber auch die Tirolerinnen und Tiroler auf, den regionalen Handel zu unterstützen. “Wir sind jetzt auch auf die Solidarität der Tirolerinnen und Tiroler angewiesen. Sie können mit ihrer Kaufentscheidung wesentlich zum Überleben der Geschäfte und zur Erhaltung der Arbeitsplätze beitragen.“ Genau darauf zielt eine neue Kampagne des Modehandels für lokale Geschäfte ab. “In den kommenden Wochen wollen wir unter dem Solgan ‘Mir ist’s nicht egal, ich kauf lokal!’ die Kunden gezielt auf die Qualitäten der regionalen Händler hinweisen. Unsere Fachgeschäfte punkten nicht nur mit kompetenter Beratung und großer Auswahl. Sie decken auch die soziale Komponente ab, wobei selbstverständlich penibel auf die Einhaltung aller Corona-Schutzmaßnahmen geachtet wird”, betont Feucht. Die Kampagne setzt auf klassische Printanzeigen und Radiospots, aber auch auf Buswerbung und soziale Medien.

Gutscheine für regionalen Konsum

Geht es nach Martin Wetscher und Wolfgang Feucht soll auch das Land Tirol einen Beitrag dazu leisten, dass die Tirolerinnen und Tiroler den regionalen Konsum ankurbeln. Konkret schlagen sie Gutscheine für Gastronomie und Handel vor, die ausschließlich in Tiroler Betrieben eingelöst werden können. Die Höhe soll 50 Euro für Einpersonenhaushalte und 100 Euro für Mehrpersonenhaushalte betragen. “Dieses Geld wäre gut investiert. Einerseits aus volkswirtschaftlicher Sicht, weil es in vollem Umfang im Land bleiben würde. Andererseits, weil es ein schöner Anreiz für die Menschen wäre, jetzt endlich wieder hinauszugehen und mit Freude ihre Händler und ihre Wirte aufzusuchen”, so die Branchenvertreter unisono.

 

Martin Wetscher und Wolfgang Feucht (r.) fordern zielgerichtete Unterstützung und wollen mit der Kampagne "Mir ist's nicht egal, ich kauf lokal!" sowie Landes-Gutscheinen den regionalen Konsum ankurbeln. Foto: WKT

Martin Wetscher und Wolfgang Feucht (r.) fordern zielgerichtete Unterstützung und wollen mit der Kampagne “Mir ist’s nicht egal, ich kauf lokal!” sowie Landes-Gutscheinen den regionalen Konsum ankurbeln. Foto: WKT

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