Die Tiroler Banken als Stabilisatoren in der Corona-Krise

Krisensicher. Die heimischen Banken haben während der gesamten Krise für Liquidität gesorgt und leisten wichtige Vorarbeiten für die Auszahlung von Überbrückungskrediten. Die Tiroler Banken sind stabil aufgestellt und in der Lage, die Auswirkungen der Krise zu verkraften.

Die Rolle der regionalen Banken als Stabilisatoren der Wirtschaft kommt gerade in der aktuellen Situation voll zum Tragen. In einem Online-Pressegespräch informierten Tiroler Branchenvertreter über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. WK-Experte Stefan Garbislander nahm eine Einordung in den wirtschaftlichen Gesamtkontext vor.

Der Spartenobmann Bank & Versicherung, Harald Wanke, hob die Rolle der Banken bei der Abwicklung der staatlichen Hilfsmaßnahmen hervor. Die heimischen Banken leisten wichtige Vorarbeiten für die Auszahlungen durch Kontrollbank, AWS und Hoteltreuhand. „Diese Aufgabe ist wichtig, aber teilweise auch undankbar“, erklärte Wanke, „wir mussten die Balance zwischen den Erwartungen der Kunden und strengen gesetzlichen Vorgaben finden.“ Besonders zu Beginn der Krise gab es hohe Unsicherheiten bei den Rahmenbedingungen, auch die Vorgaben seitens der österreichischen Bankenaufsicht sind häufig unklar formuliert. „Unsere Bankenmitarbeiter versuchen jedenfalls laufend, so weit wie möglich den Wünschen der Kunden entgegenzukommen. Die uns auferlegte Sorgfaltspflicht verpflichtet uns aber dazu – besonders bei Kreditvergaben – eine umfassende Prüfung vorzunehmen und erlaubt uns nur gesunde Betriebe zu unterstützen“, so Wanke. Spartengeschäftsführer Oswald Wolkenstein betonte, dass die Banken die Abwicklung rasch vornehmen, bei Förderungen liegt die Bearbeitungszeit im Schnitt bei insgesamt zehn Tagen. Auch auf Kritik wurde schnell reagiert: „Wir haben von Anfang an ein Beschwerdemanagement in der WK eingerichtet, um kritische Fälle zu prüfen. Am Ende sind von Tausenden Fällen nur 32 übriggeblieben, die direkt an die Vorstände der Tiroler Regionalbanken zur Erledigung gingen. Davon konnten bereits zwölf positiv abgeschlossen werden“, erklärte Wolkenstein.

Liquidität im Vordergrund

Zu Beginn der Krise stand vor allem die Liquidität im Vordergrund. „Diese war zu jedem Moment gegeben“, so Wanke, „die Banken verfügten stets über genügend Bargeld. Auch wurde kein einziger Bankmitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und keine einzige Filiale geschlossen.“ Neben Barmitteln ging es in den ersten Wochen vor allem um Stundungen. Es wurden knapp 20.000 Stundungen im Umfang von 1,3 Milliarden Euro gewährt, sehr oft unbürokratisch. Es gab seit 16. März 1.430 Überbrückungsfinanzierungen in der Höhe von fast 300 Millionen Euro. Zudem wurden in diesem Zeitraum knapp 5.000 Neufinanzierungen mit einem Volumen von rund 1 Milliarde Euro abgewickelt. Trotz der Krise erwartet Harald Wanke nur einen moderaten Anstieg bei den Kreditausfällen. Im Jahr 2019 lagen diese bei 2 Prozent. Zur Zeit der Finanzkrise vor zwölf Jahren gab es in manchen europäischen Ländern Ausfälle bis zu 20 Prozent. Der Spartenobmann schätzt, dass sich die Ausfälle durch die Corona-Krise in Tirol unter der 5 Prozent-Marke bewegen werden, was die Banken aufgrund ihrer soliden finanziellen Basis verkraften können.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Der Leiter der Wirtschaftspolitik in der WK, Stefan Garbislander, betonte, dass die Corona-Krise vor allem den Dienstleistungssektor betrifft, der in Tirol stark ausgeprägt ist. Es wird aber auch Auswirkungen auf den produzierenden Sektor geben. Garbislander erwartet einen Rückgang der Exportquote von 13 auf 11 Milliarden Euro, somit um 10 bis 15 Prozent. Daher ist für Tirol heuer in Summe ein Wertschöfpungsverlust von 3,5 bis 4 Milliarden Euro zu befürchten, somit ein wirtschaftlicher Einbruch von mindestens 10 Prozent. Rund ein Viertel bis ein Drittel der Betriebe verfügen über eine sehr geringe Eigenkapitalquote unter 10 Prozent bzw. über ein Verhältnis der liquiden Mittel zu den jährlichen Fixkosten unter 5 Prozent. „Speziell diese Unternehmen sind in der aktuellen Krise akut gefährdet“, so Garbislander. Der Volkswirt regte dringend Anreize an, damit Gelder aus der hohen privaten Sparquote in der Wirtschaft investiert werden, etwa mittels steuerlicher Begünstigungen. Zudem brauche es mittelfristig eine Reduktion bei der Steuerquote und der Bürokratie, damit Unternehmen in die Lage kommen, Eigenkapital und damit Reserven aufzubauen. „Der Shutdown wurde nicht von den Betrieben verursacht, sondern ist staatlich verordnet worden. Somit ist es auch die Aufgabe des Staates, nun der stark betroffenen Wirtschaft und den damit verbundenen Arbeitsplätzen wieder auf die Beine zu helfen“, erklärte Garbislander.

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