100.000 Schutzmasken: Mission erfüllt!

Die Tiroler Schneider haben 100.000 Schutzmasken für das Land Tirol genäht. Innungsmeisterin Brigitte Huditz und ihrem Team ist damit ein beeindruckender Kraftakt gelungen. „Wir konnten die Lücken schließen“, sagt sie. Die Lücke in der Versorgung und die Lücke in der Beschäftigung.

Kommende Woche wird Brigitte Huditz die Kommandozentrale in der Tiroler Wirtschaftskammer räumen und ihren Arbeitsmittelpunkt wieder in die Werkstatt verlegen. Und Kleider machen. „Meine Kunden fragen schon die ganze Zeit nach mir“, stellt die Landesinnungsmeisterin der Mode- und Bekleidungstechnik Tirol gerne fest. Wenn ab 1. Mai 2020 auch die Schneiderinnen und Schneider des Landes wieder richtig loslegen dürfen, endet die Mission, die Brigitte Huditz in den vergangenen Wochen auf Trab gehalten hat.

Rund um die Uhr war sie mit einem rundum beeindruckenden Projekt beschäftigt, das ein Tiroler Highlight in der Corona-Krise darstellt. 100.000 dringend benötigte Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS-Masken) waren das Ziel. Auf dem Weg dorthin wurde landauf landab um die Wette genäht und Brigitte Huditz stand als Organisatorin und Koordinatorin im Mittelpunkt der quirligen Dynamik. „Es war hard-core, aber es war super“, sagt sie. Hard-core und super. Wird die Geschichte von vorne erzählt, wird glasklar, was sie damit meint.

Entfernung von Innsbruck bis Völs

Mitte März 2020 waren in den Räumlichkeiten der Wirtschaftskammer Tirol zwei Tonnen Stoff angeliefert worden und wollten „portioniert“ werden. „Das waren 6.000 Meter Stoff. Schon eine irre Dimension“, weiß Brigitte Huditz. 6.000 Laufmeter. Hobbyläufer schaffen einen Sechs-Kilometer-Lauf in knapp 30 Minuten. Sich die Entfernung zwischen der Innsbrucker Innenstadt und dem Zentrum von Völs vorzustellen, hilft auch dabei, die gigantische Stoff-Dimension erfassen zu können. Und ihr Zweck stand schließlich für einen Superlativ der ganz besonderen Art.

„Nachdem ich vom Land Tirol gefragt wurde, ob wir, also die Tiroler Schneiderinnen und Schneider, Mundschutzmasken nähen können, bin ich sofort aufgesprungen“, erinnert sich Brigitte Huditz an den Kick vom 16. März 2020. Tags zuvor war die Ausgangssperre über Tirol verhängt worden und auch die Tiroler Schneiderwerkstätten waren plötzlich verwaist. Huditz: „Unsere Schneidereien konnten seither keine Kunden mehr empfangen und keine Anproben machen. Die meisten hatten von heute auf morgen kein Einkommen mehr und ich habe mir gedacht, dass wir etwas dagegen tun können.“

Tirols Schneider und Schneiderinnen

Okay der Expertin

Derart motiviert gab die passionierte Schneidermeisterin Gas – Vollgas, um genau zu sein. Sie machte sich schlau und musste bald feststellen, dass jener Stoff, der für die Herstellung von Covid 19-Atemschutzmasken nötig ist, nicht zu bekommen war. „Darum haben wir uns auf Baumwolle konzentriert beziehungsweise spezialisiert. Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl hat die Maske abgenommen und gesagt, super, das ich eine niederschwellige Maske für alle Bereiche, die nicht mit Covid 19 zu tun haben“, berichtet Huditz von der Treffsicherheit des Musters und des dabei verwendeten Baumwollstoffes: „Die Dichte entspricht genau den Kriterien.“ Den Kriterien, die beispielsweise für pflegende Mitarbeiter von Altersheimen, Pflegeeinrichtungenn oder Sozialsprengeln entscheidend sind.

Das Okay der Expertin befeuerte Huditz’ Engagement. Noch ohne den Auftrag des Landes in der Tasche zu haben, ging sie etwa mit der Bestellung der notwendigen „Rohstoffe“ in Vorlage und organisierte weiter: „Ganz am Anfang habe ich die Geschützte Werkstätte ins Boot geholt.“

Teil der Gesellschaft

Klaus Mair ist Geschäftsführer der „Geschützten Werkstätte Integrative Betriebe Tirol GmbH“, von deren rund 300 Mitarbeitern der überwiegende Teil (84 Prozent) Menschen mit Behinderung sind. „Wir sind selbstverständlich gerne dabei, wo es darum geht, zu helfen“, war Mair ohne zu zögern von der „Mundschutz-Initiative“ überzeugt, bei der die Geschützte Werkstätte mit Qualitätskontrolle und Versand eine Schlüsselrolle einnehmen sollte. „Wir sind ein Teil der Gesellschaft und des Arbeitslebens. Besondere Zeiten verlangen besondere Herangehensweisen – wenn es da einen Schulterschluss gibt, alle möglichen Kräfte im Land Tirol zusammen helfen und im Sinne der Sache arbeiten, kann man das nur begrüßen“, so Mair.

Apropos begrüßen. Der entscheidende Schritt der Landesinnungsmeisterin war es, ihre Kolleginnen und Kollegen zu kontaktieren. Huditz: „Ich habe ein Schreiben an meine Scheiderinnen und Schneider hinausgeschickt und innerhalb von sechs Stunden 70 positive Antworten bekommen – ist das nicht schön?“

100.000 Schutzmasken

Das ist nicht nur schön, sondern auch sehr berührend. Sich über dieses starke Signal des Zusammenhalts in Krisenzeiten entsprechend zu freuen, blieb Huditz in dieser Phase aber noch zu wenig Zeit. Sie scharte ein kleines Team an Mitstreiterinnen um sich, um den Stoffmassen Herr(in) zu werden, die in die WK Tirol geliefert worden waren. 6.000 Meter Stoff mussten in entsprechenden Längen abgeschnitten und zusammen mit den weiteren notwendigen Utensilien in Kartons verpackt werden, um im ganzen Land die Schneider-Werkstätten zu beliefern.

Damit ausgerüstet konnte am 26. März 2020 das große Nähen im Zeichen von Corona beginnen. Zuletzt war die Zahl der daran beteiligten Betriebe auf 120 angestiegen und rasch stellte sich heraus, dass die Meisterbetriebe bestens gerüstet waren für diese außergewöhnliche Meisterschaft. Pro Woche wurde rund 25.000 Mundschutzmasken in der Geschützen Werkstätte in Vomp ab- und und in weiterer Folge von dort ausgeliefert: „Es hat alles tadellos geklappt, alle haben perfekt genäht und wir hatten fast überhaupt keinen Ausschuss.“ Handwerks-Adel verpflichtet und dazu, dass nahezu alle Masken die strenge Qualitätskontrolle passierten sagt Huditz: „Das ist schon fein.“

Fein wäre ein zu weiches Wort für den Projekt-Effekt. „Unsere Schneiderinnen und Schneider hatten höchstens 14 Tage nach dem Corona-Shutdown nichts zu tun. Dann haben sie schon wieder nähen können“, weiß Huditz, bei der die Fäden zusammengelaufen sind. Das tun sie auch noch weiterhin, wurden doch nicht nur die 100.000 des Landesauftrages sondern weitere 50.000 Masken genäht, die nun zum Verkauf angeboten werden können. „Der Bedarf ist ja weiterhin groß und bei uns können die Schutzmasken direkt bezogen werden“, freut sie sich, dass mit den lagernden Masken die Lücke zwischen aktuellem Bedarf und eventuellen Wartezeiten bei Bestellungen geschlossen werden kann. Dass die Lücke der Beschäftigung mit der Produktion der Mundschutzmasken aus Tirol für Tirol geschlossen werden konnte, freut Brigitte Huditz noch mehr: „Es ist toll, dass das geklappt hat.“ Stimmt.

Tirols Schneiderinnen und Schneider nähen Schutzmasken

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