Tirol im Krisenmodus: Der Zusammenhalt entscheidet!

Dass die Tiroler Kraft auf starken Unternehmen beruht, schafft die entscheidende Balance für die Corona-Gratwanderung. „Gemeinsam schaffen wir das“, wissen die Spartenobleute der WK Tirol. Gemeinsam werden die Weichen für die neue Zukunft gestellt.

Die Corona-Wucht hat zahlreiche Wirkungen und Nebenwirkungen. Dass es eine Zeitrechnung vor Corona gab und eine Zeitrechnung nach Corona geben wird, steht bereits fest. Corona markiert in gewisser Weise auch das Ende vieler Erfahrungswerte und fordert recht schonungslos das Schaffen von neuen heraus. „Es ist, als hätte die Gesellschaft einen kollektiven psychischen Schaden erlebt“, beschreibt etwa Franz Jirka die tiefgreifende Wirkung des plötzlichen Stillstandes. Der Obmann der WK Tirol-Sparte Gewerbe und Handel sagt aber auch: „Wir werden aus der Misere lernen. Der Zusammenhalt war wichtig und er wird noch wichtiger werden.“

Knapp einen Monat, nachdem Gesellschaft wie Wirtschaft in weiten Teilen heruntergefahren wurden, geht es in ganz kleinen Schritten wieder los. Trotzdem befindet sich Tirol in einer Art Zwischenzeit. Von „nach Corona“ kann noch nicht gesprochen werden und doch wird jetzt entschieden, welche Energie die neue Zeitrechnung prägen wird. „Ich bin überzeugt davon, dass wir genügend gesunde Betriebe haben, die das gut überleben werden und gestärkt mit guten Argumenten in die Zukunft gehen können“, stellt Dietmar Hernegger, Obmann der Sparte Information und Consulting, dazu fest und Rebecca Kirchbaumer, Obfrau der Sparte Transport und Verkehr, sagt: „Die Krise kostet jeden etwas, jeder wird seinen Beitrag leisten müssen. Doch die Zeit wird vorübergehen und gemeinsam werden wir das schaffen.“

Keine Schönfärberei

Dass sie selbst als Unternehmer und auch in dieser Position ganz direkt von all den irren Corona-Wirren betroffen sind, unterstreicht nicht nur die Authentizität der Spartenobleute sondern auch die Kraft ihrer Aussagen. Schönfärberei zählt nicht zu ihrer DNA, Dunkelmalerei ebenso wenig. „Ein Unternehmer wartet nicht, er tut, er klagt nicht, er handelt. Mut steht am Beginn des Handelns, das Glück am Ende“, hatte Richard Piock, ehemaliger Präsident im Verwaltungsrat der Durst Phototechnik AG, im Rahmen einer großen WK Tirol-Veranstaltung versucht, das Wesen von Unternehmern zu beschreiben. 2014 war das. Das Wort Corona wurde ausschließlich mit Bier in Verbindung gebracht, hemmende bürokratische Fesseln und eine Vertrauenskrise waren beklagt worden, als Piock mit einer zeitlosen Feststellung ins Schwarze traf: „Erst wenn das Ich zum Wir und das Wir zum Ich wird, werden wir die Krise meistern. Unternehmer sind sich ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, der Gesellschaft und der Umwelt bewusst.“ Das ist nicht die schlechteste Basis, um die Krise zu meistern.

„Ich glaube, dass alle verstanden haben, dass das, was wir jetzt erleben, noch nie passiert ist“, sagt Dietmar Hernegger zum rundum Neuen der aktuellen Situation. Er betont auch, dass die Tiroler ein starkes Volk sind und dass die Kreativwirtschaft diese Stärken erkennen, benennen und neu denken wird. „Der Drang zur Globalisierung hat einen herben Dämpfer erhalten. Umso mehr kann ich schauen, was ich in meinen Bereichen bewirken kann. Ich sehe es nach wie vor als große Chance, darauf zu pochen, dass wir etwas Besonderes sind – und dass wir die Women- und Menpower haben, das zu schaffen.“

Wenn es langsam wieder los geht, setzt er auch in der eigenen Druckerei darauf, gestützt von der Kreativwirtschaft, maßgeschneiderte, individuelle und auf die regionalen Kunden zugeschnittene Lösungen anzubieten: „Es ist eine bescheidene Lage und wir werden alle kleinere Brötchen backen, doch der einzig sinnvolle Weg ist, zusammenzuhalten und ihn gemeinsam zu gehen.“

Umgang mit Krise gelernt

Gemeinsamkeit und Verantwortung hat die Tiroler Industrie schon einmal gestärkt aus einer schweren Zeit hervorgehen lassen. In Folge der Finanzkrise der Jahre 2008/2009 haben die mittelständischen Unternehmen einiges mitgemacht – und gelernt. „Damals kam ebenso das Instrument Kurzarbeit zum Einsatz, man hat geschaut, dass Resturlaube, Überstunden oder Zeitguthaben abgebaut wurden – und so konnte weiterproduziert werden“, blickt Hermann Lindner, Obmann der Sparte Industrie, zurück. Die Tatsache, dass die Betriebe sich auf verschiedenste Weisen bemühten, die Mitarbeiter zu halten, hat den Zusammenhalt gestärkt. Ein Zusammenhalt, der in den bald folgenden Jahren der starken Konjunktur durch zahlreiche Investitionen in Mitarbeiterentwicklung und Ausbildungsvielfalt gestärkt wurde und der sich nun auf multiple Weise bewährt. „Man hat den Umgang mit einer Krise lernen können, darum haben wir schon ein bissl Erfahrung“, so Lindner.

In rasender Geschwindigkeit haben es die Tiroler Industrieunternehmen geschafft, die digitalen Wege zu beschreiten, Kundenkontakte via Videokonferenzen zu pflegen, und aus dem Traktorenwerk Lindner berichtet der Geschäftsführer beispielsweise auch von einer ersten Online-Werksausstellung, die sehr gut funktionierte: „Die Neuigkeiten wurden dabei digital vorgestellt, das ist ziemlich gut angekommen.“

Während die Digitalisierung die Flexibilität sowohl von Seiten der Unternehmer als auch von Seiten der Kunden erfolgreich unter Beweis stellt, bereiten stockende Lieferketten Kopfzerbrechen. Die exportorientierten Betriebe sind stark von den internationalen Netzwerken abhängig und die Geschwindigkeit, mit der die Lieferketten wieder anlaufen, ist entscheidend. „Wir sind da zu vernetzt und alles kann nicht bei uns gemacht werden, doch langfristig wird man das sicherlich neu überlegen und schauen, was im Land oder Europa produziert werden kann“, ortet Lindner eine Strukturveränderung auf Basis eines gestärkten europäischen Zusammenhaltes und sagt: „Aus jeder Krise kann man etwas lernen. Das ist so.“

Digitale Steuer-Fairness

Für Martin Wetscher, Obmann der Sparte Handel, steckt in den elegant ausgebauten und genutzten digitalen Möglichkeiten enorm viel Lernpotenzial. Auch Wetscher ist nicht blauäugig, auch er weiß, dass es für viele Handelsunternehmen derzeit ums Durchkommen geht und die Auferstehung ungleich schwieriger ist, als der Shutdown. Trotzdem richtet er seinen Blick nach vorne. „Im Radio hat jemand davon gesprochen, dass es derzeit wie ein digitaler Schleudersitz für die Digitalisierung sei. Ich hoffe, dass das so ist“, sagt Wetscher, der auf der anderen Seite hofft, dass die aktuelle Situation ein Turbo für ein essenzielles Kampfthema seiner Sparte wird: „Wenn wir die gleichen Steuersätze hätten, die Amazon in Österreich zahlt, dann wären unsere Händler reich. Die Belastung ist wirklich extrem und wir hoffen, dass diese Türe endlich eingetreten ist.“

Ziel ist die Besteuerung internationaler Internetanbieter und zwar in der Form, als hätten sie einen Standort in Österreich. Das würde nicht nur eine ewig vermisste Fairness gegenüber den heimischen Anbietern bringen, sondern auch dabei helfen, die Krise zu finanzieren. „Dafür kämpfen wir extrem und wir arbeiten stark daran, die Kunden aufzuklären. Ich kenne niemanden, der bei Amazon arbeitet, aber ich kenne viele, die in meiner Nähe arbeiten und dazu beitragen, dass das Sozialsystem, die Vereine im Ort oder die Feuerwehr finanziert werden“, beschreibt Wetscher den Zusammenhalt, dem sowohl ein logischer Kreislauf wie auch eine regionale Kraft innewohnt, die jenseits der Gewissensfrage entscheidend für die Zukunft sein wird.

Zueinander stehen, nicht treiben

Für diese Zukunft werden gerade die Weichen gestellt. „Ich bin schon ein Freund davon, dass man Geschwindigkeit rausnimmt“, regt Franz Jirka zu weniger getriebenen, als vielmehr klugen Lehren aus diesem Ausnahmezustand an. Dass die Mitglieder seiner Sparte – die Gewerbetreibenden und Handwerker – solidarisch sind, verstehe sich von selbst. „Das ist keine Frage, doch müssen schon viele Sachen mitaufgeräumt werden, die uns in den letzten Jahren schwer belastet haben“, so der Spartenobmann, der für seine deutlichen Worte bekannt ist und sagt: „Man muss guter Dinge sein und positiv denken. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, aufzugeben. Es ist wichtig, zueinanderzustehen und nicht zu treiben.“

Der strategische Weitblick lässt in der angespannten Situation nur grobe Eckpfeiler zu. Doch so grob sie erscheinen mögen, so klar geben sie eine Richtung vor. „Meine Hoffnung ist, dass sich die Regionalität zum Positiven entwickelt. Die Solidarität, die jetzt an den Tag gelegt wird, ist eine tolle“, stellt Rebecca Kirchbaumer fest. Wie ihre Kollegen an den Spartenspitzen, so war auch sie in den vergangenen Wochen oft damit konfrontiert, dass Teile der Sparte oder einzelne Branchen im Zusammenhang mit den Verordnungen aus den Krisenzentren in Wien rechtsunsicher in der Luft hingen. „Es gibt da viele Bereiche, die noch zu klären sind. Jeder Unternehmer kennt sein Unternehmen von A bis Z. Ein Außenstehender weiß aber nicht, wo bei den einzelnen Unternehmen die Probleme liegen. Darum ist die Solidarität in der Unternehmerschaft so wichtig. Die brauchen wir jetzt. Es gibt keine Gewinner in dieser Geschichte“, spricht Kirchbaumer auch die bitter notwendige Geduld an, die von nachvollziehbar ungeduldigen Unternehmern derzeit gefordert wird. Pepi Hackl, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, weiß nicht minder, wie schwer es für seine Spartenmitglieder ist, diese Geduld aufzubringen. „Viele sind deprimiert, weil die Umsetzung der Unterstützungen derzeit ein wenig stockt. Da spießt es sich gerade, doch bin ich sehr zuversichtlich, dass die Familien auch hier ihre Stärke zeigen“, so Hackl.

Miteinander, füreinander

In den Tiroler Banken konzentrieren sich zahlreiche Ängste, Erwartungen und Hoffnungen der Unternehmerschaft. Um der Ungeduld zu begegnen und schnellstmöglich eine liquide Form von Klarheit für die Tiroler Wirtschaft zu schaffen, haben sich die Vertreter der Tiroler Banken am 9. April 2020 mit Landeshauptmann Günther Platter und Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf zu einem Gespräch getroffen. „Insbesondere die Sicherung der Liquidität der Tiroler Unternehmen ist ein wichtiger Baustein, um möglichst gut durch diese schwierige Zeit zu kommen“, hatte LH Platter nach dem Gespräch festgehalten und LR Zoller-Frischauf betonte: „Nur gemeinsam können wir diese Krise überwinden.“

Vor diesem Hintergrund wurde etwa im Zusammenhang mit der Corona-Kurzarbeit und den Überbrückungsfinanzierungen vereinbart, dass bereits die Bestätigung über die Antragseinbringung für Kurzarbeit beim AMS für eine Überbrückungsfinanzierung ausreichen soll. Gebühren und Zinsen sollen moderat ausfallen und die Beantragung zusätzlicher Finanzhilfen erst dann angekündigt werden, wenn die Banken die entsprechenden Umsetzungs-Richtlinien erhalten haben. „Die Tiroler Kunden sind uns sehr wichtig, deswegen arbeiten wir im Rahmen der gesetzlichen und regulatorischen Möglichkeiten sehr unbürokratisch“, sagt Harald Wanke, Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der WK Tirol. Probleme und Beschwerden seien bei den Tiroler Banken zur Chefsache erhoben worden und Wanke betont: „Wenn sich beinahe stündlich Dinge ändern, ist Vertrauen sehr wichtig. Wir stehen in diesen stürmischen Zeiten an der Seite der heimischen Wirtschaft als verlässlicher und konstanter Partner. Miteinander und füreinander gehen wir in die Zukunft. Wir schaffen es.“

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