Tourismus-Obmann Hackl: “Virus zwingt uns in die Knie, aber wir stehen wieder auf!”

Der Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Josef Hackl, erklärt im Interview, wieso es weder Sündenböcke noch Pauschalurteile, sondern Zuversicht und großes Engagement für einen Neustart braucht.

Der Tourismus ist ein enorm wichtiger Wirtschaftszweig in unserm Land. Wie sehr trifft ihn die Corona-Zwangspause?
Das Corona Virus ist wie ein Tsunami über uns hereingebrochen und dementsprechend ist auch die gesamte Tourismuswirtschaft im Land mitten in der Hochsaison abrupt und brutal zum Stillstand gekommen. Für unsere Betriebe, unsere Mitarbeiter und natürlich auch für die Gäste kam dieser „shutdown“ völlig unerwartet und bringt natürlich riesige Probleme mit sich.

Von manchen Seiten wird der Tourismus für zum Sündenbock für die Pandemie gemacht. Ist das nachvollziehbar?
Absolut niemand hat bei uns in Österreich noch anfangs März an diese katastrophale Auswirkung geglaubt und tatsächlich hat auch jeder diese Gefahr unterschätzt. Jeder damit meine ich absolut jeder ob in der Politik, der Bevölkerung und auch der Unternehmer hat die Gefahr unterschätzt, obwohl Italien schon massiv betroffen war. Jetzt im Nachhinein auf die Suche nach „Schuldigen“ zu gehen halt ich für ganz besonders entbehrlich. Wenn Fehler passiert sind, werden die Untersuchungen Ergebnisse liefern und es werden dann auch Sanktionen greifen. Natürlich ist Tirol gerade im Wintertourismus ein Hotspot und selbstverständlich treffen sich gerade in unseren Topdestinationen tausende Menschen die schifahren, genießen und feiern wollen und so ist es auch naheliegend, dass dort die Ansteckungsgefahr größer ist, wo viele Leute zusammenkommen. Aber noch einmal: Niemand hat diese Gefahr erkannt und niemand hat auch zu diesem frühen Zeitpunkt mit derart katastrophalen Auswirkungen gerechnet. Wäre ein ähnlicher Virus im Sommer aufgetaucht, wären wohl unsere Sommerdestinationen und der „Ballermann“ auf verschiedenen Inseln die „Buhmänner“.

Wie geht’s jetzt weiter?
Ich weiß, dass diese Situation sich sicherlich nicht gleich schnell wieder verbessert wie sie sich verschlechtert hat. Für die Betriebe eine äußerst schwere und prekäre Situation. Und nicht nur für die Betriebe im Tourismus, sondern natürlich für alle, weil – und das sieht man jetzt ganz genau Wirtschaft nur funktioniert, wenn sich das Rad dreht. Das einzige was hilft ist, dass wir uns alle wieder schnell von dem Schock erholen ist, dass die Wirtschaft wieder zu laufen beginnt. Dass die notwendigen Unterstützungen und Förderungen rasch ausbezahlt werden und greifen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder beschäftigt werden können und somit wieder der Kreislauf geschlossen werden kann.

Die AK hat jüngst vermeintliche Missstände in Bezug auf ausländische Mitarbeiter angeprangert –  ein Angriff unter der Gürtellinie?
Während unsere Betriebe sich in den Dienst der Sache stellen und tatsächlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter welche nicht nach Hause kommen gratis Unterkunft und Verpflegung gewähren haben AK Präsident Zangerl und seine Vasallen tatsächlich keine anderen Sorgen, als unsere Betriebe anzupatzen. Mit Pauschalurteilen und Pauschalplätzen wird hier eine Branche beleidigt und verärgert welche ohnehin schwer getroffen und gezeichnet ist. Wenn Herr Zangerl konkrete Vorwürfe hat, die er belegen kann, her damit und wir werden das regeln.

Wie schnell kann sich der Tourismus nach der Krise erholen?
Viele unserer Betriebe stehen vor einer akuten existentiellen Herausforderung und damit auch viele tausende Arbeitsplätze. Jetzt gilt es sehr rasch die versprochenen Hilfen und Unterstützungen wirksam werden zu lassen. Die allermeisten müssen wieder bei Null anfangen und natürlich ganz besonders dabei unterstützt werden. Bund, Land, Bankenwirtschaft und wir alle sind ganz besonders herausgefordert, dass diese schwierige Zeit zumindest halbwegs aufgefangen und überwunden werden kann. Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass sich unser Tourismus doch schneller wieder erholen wird als von vielen Experten vorausgesagt wird. Es wird sicher alles andere als einfach aber es ist möglich, wenn wir alle gemeinsam daran glauben und daran arbeiten! Und ganz besonders glaube ich an unsere vielen Familien- und Kleinbetriebe und daran, dass sie alles versuchen werden um ihre Gäste wiederzugewinnen und den Neustart mit Zuversicht und einem riesigen Engagement schaffen werden.

 

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Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass sich unser Tourismus doch schneller wieder erholen wird als von vielen Experten vorausgesagt wird. Foto: WKT/Franz Oss

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