Franz Jirka: Wir schaffen das, weil wir es können!

Seine Gedanken kreisen unablässig um die Extremsituation, die den Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetrieben gerade die Luft raubt. Spartenobmann Franz Jirka: „Eines muss klar sein, nur gemeinsam werden wir das schaffen.“

Lange war der Corona-Virus nicht sichtbar und nicht spürbar. Als er in Tirol aufgeschlagen ist, hat er alle Sparten voll erwischt. „Wie einen Boxer, der auf dem falschen Fuß steht“, sagt Franz Jirka, Obmann der WK Tirol-Sparte Gewerbe und Handwerk: „Die Frage ist nur: Kann man für so einen Schlag gerüstet sein? Können wir diesen Schlag aushalten? Wir müssen!“

Der Bogen, den die Sparte Gewerbe und Handwerk spannt, ist groß und vereint viele Berufsgruppen unter sich. Vom großen Bau zum Baunebengewerbe und den Ausbaugewerben, von Metallverarbeitern und Kfz-Gewerblern, Lebensmittelherstellern, Bäckern, Metzgern, Friseuren, Kosmetikerinnen und den zahlreichen Beschäftigten in den Gesundheitsberufen bis hin zu Energetikern. Viele Handwerksbetriebe haben auch ein Geschäft oder einen integrierten Schauraum, sie haben ein Studio, eine Praxis, einen Salon. Diese sind nun gesperrt. Nur das Arbeiten auf dem Bau und in den Werkstätten ist unter den geltenden Auflagen gestattet.

Unterstützung vom Staat

Unter dem großen Bogen der Sparte ballen sich die Existenzsorgen – die Sorgen, ob die Betriebe diese extreme Situation aushalten. Jirka: „Leider haben viele Betriebe aufgrund der hohen Abgabenlast an Steuern und Sonstigem es nicht geschafft, Reserven aufzubauen. Das wird jetzt ganz klar und deutlich sichtbar. Durch das Fehlen dieser Rücklagen kommen viele Betriebe nun ins Straucheln. Schade nur, dass man in der Vergangenheit die Steuerlast nicht wirklich spürbar gesenkt hat. So stehen jetzt viele da und müssen durch den Entzug der finanziellen Grundlage direkt und sofort vom Staat gestützt werden. Wir gehen davon aus, dass dies auch geschieht und zwar unbürokratisch. Denn als gelernte Österreicher sind wir so manche Stolpersteine gewöhnt und es wäre auch nicht der erste Stein, den sie uns in den Weg legen. Aber wir bleiben optimistisch – und das ist in dieser schweren Zeit das Wichtigste.“

Wirtschaftskammer steht hilfreich zur Seite

Die Abwicklung der Kurzarbeiter-Regelung ist bislang nicht so unbürokratisch und einfach gewesen, wie verheißen. „Für unsere vielen tausend kleinen und kleinsten Unternehmen war es teils unmöglich, diese Formulare genauestens nach Vorgabe auszufüllen. Die Wirtschaftskammer steht hier hilfreich zur Seite. Aber vergesst bitte nicht, welchem Ansturm die Wirtschaftskammer ausgesetzt ist“, wendet sich Franz Jirka ganz direkt an die einzelnen Arbeitgeber und hält weiter fest: „Die Mitarbeiter der Wirtschaftskammer leisten Großartiges und wir müssen auch auf sie schauen und sie schützen, denn auch sie gehen an ihre psychischen Grenzen. Ich bitte alle Unternehmerinnen und Unternehmer, dies zu berücksichtigen und sich nicht im Ton zu vergreifen. Die Mitarbeiter am anderen Ende der Telefonverbindung können am wenigsten für diese Situation und wollen nur unterstützen. Ich verstehe, dass die Nerven blank liegen, aber gerade wir als Unternehmerinnen und Unternehmer sollten mit Stresssituationen umgehen können und auch wissen, wie man mit Mitarbeitern umgeht.“

Das Modell der Kurzarbeit ist, so Jirka, gut und lobenswert, doch hat es seine Tücken. Auch Profis und gelernte Lohnverrechner wissen längst, dass große Erfahrung in der Lohnverrechnung nötig ist, um diese neue Modell genau zu verstehen. Das verwirrende Hinsenden und Hersenden der nötigen Papiere bezeichnet Jirka als „schon kurios“ und sagt: „Hier schlägt er schon wieder zu, dieser Bürokratismus. Auch hier muss nachjustiert werden. Genau in dieser extremen und außergewöhnlichen Situation sieht man, welchen Wert die Wirtschaftskammer hat. Schade, dass es hierfür einen Virus braucht.“

Jirka appelliert an Hausverstand

Als unbefriedigend hat sich in den ersten Tagen der Corona-Krise die Situation im Baugewerbe herauskristallisiert. „Hier fehlt es an genauen Vorgaben und es fehlt das Wichtigste: Die Entlassung aus den Verträgen, um Strafzahlungen bei Bauverzug zu verhindern. Wenn hier nichts geschieht, dann wird nach dem Virus ein Bumerang auf den Bau zukommen, der den Rest erledigt. Unverständlich, geradezu grotesk sind hier so manche schriftlichen Aufforderungen von Auftraggebern, die Baustelle planmäßig weiterzuführen – mit dem Hinweis auf die Einhaltung des Vertrages. Im gleichen Atemzug wird darum gebeten, keinen persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern des eigenen Hauses aufzunehmen. Eigentlich unvorstellbar“, findet der Spartenobmann klare Worte zur aktuellen Gratwanderung „am Bau“, die zu Uneinigkeit in der Unternehmerschaft führt und damit in eine Sackgasse: „Und wieder werden Paragrafen gezüchtet, die vorschreiben, wie, was, wo einzuhalten ist. Von Theoretikern, die niemals am Bau gearbeitet haben.“ Mit Nachdruck verweist Jirka in dem Zusammenhang auf den Hausverstand, der den Tiroler Handwerksunternehmern und ihren Mitarbeitern eigen ist. „Wir wissen, was zu tun ist. Die, die nicht darauf hören und das nicht achten, machen das auch mit 20 Paragrafen nicht.“

Diesen Paragrafen, mit denen Lösungen zu lange hinausgezögert werden, steht eben der Hausverstand gegenüber, den Jirka meint und den er beispielhaft beschreibt: „Im Einfamilienhaus das Bad neu zu gestalten, ist machbar – vielleicht mit ein, zwei Tagen mehr Zeitaufwand. Wie viele andere Arbeiten ist es ebenso machbar, das Haus malen zu lassen. Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer wissen, was geht und was nicht – unter Einhaltung all der gebotenen Auflagen.“ Niemand ist es gewöhnt, untätig zu Hause zu sitzen und auch den Mitarbeitern der Tiroler Gewerbe- und Handwerksunternehmen fällt sprichwörtlich die Decke auf den Kopf. Jirka: „In kürzester Zeit wird jeder froh sein, hinaus zu kommen und zu arbeiten – selbstverständlich unter Einhaltung der entsprechenden Auflagen. Auch dies kann ein soziales Ventil sein, das wir noch bitter brauchen werden.“

Die positive Kraft des Zusammenhalts

Für die Zeit nach der Corona-Krise mit ihren noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen sagt Franz Jirka einen Neustart voraus: „Wir werden einen Kaltstart machen müssen. Dann aber, dann gehört vieles nicht mehr übernommen, was uns in den letzten Jahrzehnten von den Bürokraten umgehängt wurde. Der Neustart wird zugleich auch eine neue Chance.“

Noch sei die Situation so dramatisch, wie sie ist. „Das können wir nicht ändern. Was wir aber sehr wohl machen können, ist zusammenzuhalten, nach diesem Schlag aufzustehen, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. So, wie es Unternehmer gemeinsam mit ihren Mitarbeitern immer schon gemacht haben. So, wie es die Generationen vor uns schon gemacht haben“, wird Jirka nicht müde, die positive Kraft des Zusammenhalts zu beschwören und sagt abschließend: „Es ist machbar. Der Spruch ‚wir schaffen das‘ bekommt eine gänzlich neue Bedeutung. Und ich erlaube mir, diesen Spruch zu vervollständigen: Wir schaffen das – weil wir es können!“

Corona: Alle Infos für Betriebe
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!