MPREIS stellt auf “grünen” Wasserstoff um

Eine neue Produktionsanlage für “grünen” Wasserstoff nahe der Unternehmenszentrale in Völs soll CO2 einsparen. Im Beisein von Vertretern der Firma MPREIS, der Tiroler Wirtschaft und dem EU-Projektkonsortium fand kürzlich am Grundstück der Bäckerei Therese Mölk der Spatenstich statt.

Das Tiroler Familienunternehmen setzt damit einen Impuls für eine bessere Zukunft, denn hier wird ab nächstem Jahr mit Hilfe von Ökostrom grüner Wasserstoff produziert. Zunächst soll er zur CO2-neutralen Beheizung der Bäckerei Therese Mölk verwendet werden, in weiterer Folge wird er als Treibstoff für Brennstoffzellen-Fahrzeuge dienen. Innerhalb von sieben Jahren wird MPREIS alle LKW auf Wasserstoffbetrieb umstellen und mit der Flotte CO2-neutral ausliefern.

Das Prinzip der Herstellung von Wasserstoff ist einfach: Wasser wird in Sauerstoff und Wasserstoff aufgeteilt. Dieser ist für sich genommen weder umweltfreundlich noch umweltschädlich – ob er “grün” ist oder nicht, hängt davon ab, wie er produziert wurde. Denn die Aufspaltung des Wassers, Elektrolyse genannt, braucht viel Energie. Um sie zu gewinnen, wird häufig Erdgas verwendet, was hohe CO2-Emissionen verursacht. Klimaschonend ist das Verfahren nur dann, wenn die Elektrolyse-Anlage mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben wird.

Vielversprechende Einsatzmöglichkeiten

Genau das will MPREIS umsetzen: Als Ausgangsstoff wird aufbereitetes Grundwasser verwendet, als Energie dient Strom aus regionaler Wasserkraft. Selbst die Abwärme wird für die Beheizung der Bäckerei Therese Mölk genutzt, wodurch eine Energieeffizienz von über 90 Prozent erreicht wird. Wirklich umwälzend wird die Umstellung der Logistikflotte auf Wasserstoff-LKW sein. Die Brennstoffzellen-Fahrzeuge sind sehr umweltfreundlich im Betrieb: Wie Elektroautos sind sie praktisch lautlos und stoßen als Abgas lediglich Wasserdampf aus. Zusätzlich zu einer enormen Einsparung von CO2 bedeutet dies eine spürbare Erleichterung in Bezug auf Lärm und Feinstaub. Die Umstellung des Fuhrparks wird etwa sieben Jahre dauern, da die existierenden Fahrzeuge erst am Ende ihrer Lebensdauer ersetzt werden.

Collage

Der Strom aus dem Wasserkraftwerk betreibt die Elektrolyseanlage, in der Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten wird. Die Restwärme heizt die Bäckerei, der Wasserstoff wird zur Tankstelle geleitet und treibt die LKW an. Als Abfallprodukt entsteht Wasserdampf. Collage: Jakob Winkler

 

Das Elektrolyse-Werk neben der Bäckerei dient außerdem als Testlauf für eine weitere Einsatzmöglichkeit von Wasserstoff: Wenn nämlich saisonal mehr Wasser-, Wind- oder Sonnenenergie zur Verfügung steht, kann er die Energie speichern, bis sie benötigt wird. Deshalb könnte Wasserstoff global eine entscheidende Rolle bei der Lösung der Klimafragen und regional beim Umbau des Tiroler Energiesystems auf „Tirol 2050 energieautonom“ spielen. Im Rahmen des EU-Projektes Demo4Grid wird der Wasserstoff aus Völs zur testweisen Stromnetzregelung der TIWAG verwendet.

Für das zukunftsweisende Projekt reicht eine kleine Fläche: Auf wenig mehr als 1.000 m² wird zuerst die Elektrolyseanlage für die Wasserstoffproduktion errichtet, die schon im kommenden Jahr den Testbetrieb aufnehmen soll. Mit ca. 9 m wird die Halle etwa die Höhe eines typischen Bauernhauses haben. In der zweiten Bauphase folgt eine kombinierte Tankstelle für Diesel und Wasserstoff.

Zusammenarbeit mit regionalen Partnern

Mit diesem Projekt will MPREIS seine Position als Nachhaltigkeitspionier untermauern und unternehmerische Verantwortung gemeinsam mit regionalen und internationalen Partnern übernehmen. Die Strategie- und Projektentwicklung erfolgt zusammen mit dem Tiroler EU-Projektpartner FEN Systems im Green Energy Center in Innsbruck. Für den Stromeinkauf und das Stromnetz wird mit der TIWAG/TINETZ zusammengearbeitet. Für die technische Umsetzung wurde die ILF aus Rum mit ins Boot geholt und die Elektrolyse-Technologie stammt von der Schweizer Firma IHT.

Das Investitionsvolumen für das Projekt beträgt 13 Millionen Euro. Finanzielle Unterstützung kommt von der Europäischen Kommission, der Österreichischen und der Schweizer Bundesregierung. Tatkräftige Unterstützung kommt von der Tiroler Landespolitik und von den zahlreichen Verwaltungsorganen, die im 3-jährigen Entwicklungsprozess des Neuland-Projektes für die entsprechenden Bewilligungen gesorgt haben.

 

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