“Selbstüberschätzung führt zum Scheitern”

Experte Daniel Zech, Head von SevenVentures Österreich und Schweiz, sitzt in der Investorenjury der Start-up Sendung “2 Minuten 2 Millionen”. Im Interview erzählt er vom Überleben und Scheitern junger Start-ups.

Gastredner Daniel Zech. Foto: Gerry Frank

Gastredner Daniel Zech. Foto: Gerry Frank

Daniel Zech studierte an den Universitäten Innsbruck, Shanghai und Peking Betriebswirtschaft und promovierte 2008. Danach machte er sein Hobby Fußball zum Beruf und gründete die videobasierten Internetplattformen „laendlekicker“ und „rheintalkicker“. Nach nur drei Jahren unternehmerischer Tätigkeit konnte er diese Unternehmen erfolgreich an Russmedia Digital verkaufen. Er wechselte von der Unternehmer- auf die Investorenseite und ist seit nunmehr sechs Jahren beim Beteiligungs- und Investmentarm der ProSiebenSat1 Media SE – SevenVentures beschäftigt.

Was macht die Arbeit mit Start-ups so spannend?
Es handelt sich um ein extrem dynamisches Umfeld, in dem man innerhalb von kurzer Zeit sehr viel bewegen kann. Zusätzlich finde ich persönlich die Zusammenarbeit mit Gründern, Unternehmern als auch anderen Investoren als extrem spannend und herausfordernd. On top kommt man innerhalb von kürzester Zeit mit vielen unterschiedlichen Geschäftsfeldern aus unterschiedlichen Branchen intensiv in Berührung, was einen persönlich stark weiterentwickelt.

Ist Gründen mittlerweile ein Trend bzw. salonfähig?
Unternehmensgründungen wurden nicht neu erfunden. Unternehmen wurden auch schon vor 100 Jahren gegründet, gekauft und verkauft. Das ist nichts Neues. Neu ist lediglich die Öffentlichkeitswirksamkeit und die breitenwirksame Akzeptanz zu dem Thema. Trotzdem ist es in Tagen einer Nullzinspolitik schon bedenklich, welche Unternehmen, in welcher Phase, mit welcher Bewertung Finanzierungen erhalten.

Was muss ein Start-up oder eine Unternehmensidee haben, dass Sie investieren?
Key-Elemente sind das Gründerteam, der USP, die Defensibility, das Marktpotenzial. Eines der wichtigsten Kriterien ist für mich auch Timing – wenn das Timing für ein Produkt nicht mit den Bedürfnissen am Markt korrespondiert, ist die Aussicht und/oder die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg aus meiner Sicht um ein Vielfaches geringer.

Muss Sie ein Unternehmen von der ersten Sekunde weg vom Hocker hauen?
Mit Zweifeln, Bauchweh auch nur in irgendeine Art der privaten oder beruflichen Beziehung zu gehen, halte ich persönlich für kritisch. Wenn einen Mann eine Frau (oder vice-versa) nicht vom Hocker haut, sollte man es bleiben lassen – gleich zu Beginn. Ich denke, ähnlich ist es auch bei Investments in Unternehmen.

Wenn Sie einen Deal abschließen, denken Sie dabei schon an den nächsten?
Wenn Österreich zur Fußball-EM fährt, die Qualifikation erfolgreich übersteht, bei der EM aber die Gruppenspiele verliert und ausscheidet, spricht kein Mensch mehr über die vergangenen Siege in der Qualifikation. Alles ist aus meiner Sicht sehr schnelllebig. Was gestern war, ist von bedingtem Interesse, wichtig ist, den nächsten Schritt zu tun, Wachstum zu entwickeln und das nächste Projekt anzugehen.

Sie sehen viele Unternehmen scheitern. Was sind die größten Fehler, die Gründer Ihrer Erfahrung nach machen?
Überschätzung, fehlende Demut und realistische Einschätzung des Status quos. Daraus resultiert auch oft fehlendes Kostenbewusstsein.

Sind Sie jemand, der gerne riskiert?
Wir befinden uns bei (Start-up) Investments in einem Hochrisiko-Bereich. Ich denke, dass jedem klar ist, dass die Failure-Quote hoch sein kann. Ich persönlich möchte jedoch nur Dinge für SevenVentures tun, die ich auch als Privatperson angehen würde.

 

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