Mit der Kraft der Neugier

Mario Eckmaier ist neuer Digitalisierungsbeauftragter der WK Tirol. Was sein Leben in und mit der digitalen Welt prägt, ist auch das Leitmotiv für seine neue Aufgabe: „Wissensdurst und Neugier. Es geht nicht um die Technik, es geht um Chancen.“

Früher war die Zukunft auch noch besser“, wusste Karl Valentin. Beim Satz des genialen Bayern müssen wohl selbst die passioniertesten Zeiten-Nörgler schmunzeln, bevor sie einen Rückfall erleiden und sagen: „Ja, aber trotzdem.“ Womit Verklärende der Vergangenheiten Recht haben, ist, dass die Zukunft früher ein wenig gnädiger war. Weil Entwicklungen, Innovationen oder Revolutionen ein bisschen mehr Zeit gelassen haben, um sich auf sie einzustellen und das Leben umzustellen.

Unaufhaltsam waren sie dennoch. „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung, ich glaube an das Pferd“, soll der deutsche Kaiser Wilhelm II. um 1900 herum gesagt haben. Als er im Jahr 1941 starb, wurden weltweit bereits über 5,2 Millionen Automobile produziert, rund 100 Millionen waren es 2019. „Heute schmunzeln wir über den Übergang von der Pferdekutsche zum Auto. Gleichzeitig ist das Auto ein wunderbares Beispiel dafür, welche Chancen aus dieser Mobilitätswelt entstanden sind und weiter entstehen“, sagt Mario Eckmaier. Ähnlich sei es bei der digitalen Transformation. Ähnlich – nur schneller und tiefgreifender und aufgrund des breiten Spektrums eben noch chancenreicher.

Wissensdurst und Neugier

Eckmaier ist neuer Digitalisierungsbeauftragter der Wirtschaftskammer Tirol. In dieser Funktion ist er Nachfolger von WK-Vizepräsidentin Barbara Thaler, die nach ihrem Erfolg bei der Wahl zum EU-Parlament Prioritäten setzen und diese Aufgabe mit einem weinenden Auge zurücklegen musste. Mit Eckmaier wurde ein Nachfolger gefunden, der das Thema nicht minder personifiziert. Gut möglich, dass die digitale Dynamik bereits in seiner DNA nachzuweisen ist.

„Es war Mitte der 1990er Jahre, als ich gemerkt habe, dass mit dem Internet etwas sehr Spannendes auf uns zukommt“, blickt Eckmaier zurück. In den 1990ern hatte die kommerzielle Phase des Internets begonnen. Noch konnten die wenigsten etwas damit anfangen. 1993 war – laut Schätzungen – lediglich ein Prozent der weltweiten Informationsflüsse über dieses neue Netz gelaufen. In jener Zeit also, in der die Lexika-Ausgabe noch möglichst groß sein musste, um Weltwissen greifbar zu haben, wurde in Eckmaier der Funke gezündet.

„Damals war es wirklich sehr exotisch. Wissensdurst und Neugier haben mich angetrieben. Es geht nicht nur um Technik, es geht um Chancen. Das ist immer noch mein Leitmotiv, weswegen es in den vergangenen 25 Jahren nicht fad geworden ist und weiter spannend bleibt“, sagt er. In diesem positiven Sog gefangen wurde er Ende der 1990er Jahre Leiter einer der ersten Digitalagenturen Tirols und ging mit aufklärerischem Ehrgeiz daran, den Kunden das Internet zu erklären und ihnen auch zu erklären, warum es klüger ist, statt einem Fax doch ein E-Mail zu schicken.

Derart gewappnet, gelang es Eckmaier, mit der rasenden Geschwindigkeit der Entwicklungen mitzuhalten. Sie manifestiert sich heute nicht nur darin, dass fette Lexika-Ausgaben verstauben, jegliche Limitierung weggefallen und das Wissen der Welt per Mausklick beziehungsweise Smartphone-Wisch zugänglich geworden ist.

„Es müssen uns nicht alle Dinge gefallen, die mit dieser Welt einher gehen, doch da ist so viel Revolutionäres dabei und das kann mich nach wie vor begeistern“, stellt der Digitalisierungsbeauftragte fest und ergänzt: „Es ist nie fad geworden. Vor 20 Jahren hätte ich nie gedacht, dass es in 20 Jahren immer noch so spannend ist. Die Geschwindigkeit konnte man schon erahnen, dass es aber so lange so dynamisch bleibt, war nicht absehbar.“

Nicht nur Technik

Beeindruckendstes Beispiel für die Warp-Geschwindigkeit, mit der Alltag und Unternehmertum sich veränderten, ist und bleibt das Smartphone. Als es vor 13 Jahren von Steve Jobs vorgestellt wurde, musste er erklären, was eine App ist. Heute sind zigtausende Menschen damit beschäftigt, Apps zu designen, zu programmieren und Geschäftsmodelle daraus zu machen. 13 Jahre.

„Das ist ein wunderbares Beispiel, wie unvorstellbar schnell das passieren kann und auch welch gute Seiten es hat“, spricht Eckmaier zwischen den Zeilen die an Angst grenzende Überforderung an, die parallel zu den Revolutionen gewachsen ist: „Dass die Auseinandersetzung damit häufig angstbesetzt ist, kann ich nachvollziehen. Es verunsichert uns Menschen natürlich, nicht genau zu wissen, was passieren wird. Und niemand weiß es.“

Künstliche Intelligenz und Robotik zeigen, dass „das Ding“ noch lange nicht durch ist, wobei Eckmaier betont, dass es nicht nur um die Technik geht oder darum, dass sich Unternehmer damit als Selbstzweck auseinandersetzen. „Kaum einer versteht, wie ein Auto funktioniert. Als Anwender müssen wir das auch bei der Digitalisierung nicht. Es ist völlig okay, nur Anwender zu sein“, sagt er. Um „das Anwenden“ aber kommt man nicht herum.

„IT-Kräfte fehlen überall, aber bei den Schulen sind diese Themen noch nicht angekommen. Wie soll man sich aber für etwas begeistern, was man nie erlebt hat?“
Mario Eckmaier

Letztes Jahr hatte Alexander Birken, der Vorstandschef der milliardenschweren, aus dem abgeschafften Otto-Katalog „gewachsenen“ und zwischenzeitlich total durchdigitalisierten Otto Group, dem Harvard Business Manager ein Interview gegeben. „Darin wurde er gefragt, ob es aus seiner Sicht Alternativen zur Digitalisierung der Otto Group gegeben habe. Er sagte, ja, es gab genau eine Alternative – die Insolvenz.

Das ist schon eine klare Aussage“, sagt Eckmaier, „Wer sich nicht damit beschäftigt, wird es schwer haben. Oder positiv formuliert: Wer sich damit beschäftigt, wird Chancen haben.“ Externe Spezialisten haben den gigantischen Kulturwandel der Otto Group begleitet, doch entscheidend für den Erfolg war die „eigene“ Auseinandersetzung mit den für die Gruppe entscheidenden Themen der digitalen Transformation.

Dieser Zugang gilt für große genauso wie für kleine und kleinste Unternehmen. Eckmaier: „Die Verantwortung darf nicht nach außen abgegeben werden. Wichtig ist, sich erst mit einem Aspekt für das Unternehmen zu beschäftigen, nicht das laufende, erfolgreiche Geschäft gleich komplett umzustellen. Immer wieder nach neuen Möglichkeiten zu suchen, steckt ohnehin in der Unternehmer-DNA.“

Inspiration, Motivation

Das Betonen der Chancen, das Aufzeigen der Möglichkeiten und Öffnen der neuen Denk-Türen ist schon seit vielen Jahren Schwerpunktthema der WK Tirol. „Inspirieren, informieren und motivieren“ sind dabei die drei Säulen, die Eckmaier weiter ausbauen will. Beispielsweise im Rahmen des „Sample City Lab“, das am 30. April 2020 einen Höhepunkt darstellt.

Bei dieser Zukunfts-Ausstellung werden in der Wirtschaftskammer international führende Anbieter ihre Zukunftstechnologien präsentieren. „Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes zum „Begreifen“ schwärmt Eckmaier. Neben der Technologie-Ausstellung werden an diesem Tag spannende Vorträge zu aktuellen Themen wie der Künstlichen Intelligenz, Digitalisierung im Handwerk etc. geboten.

Aber beispielsweise auch Anton Rieder, Landesinnungsmeister und Geschäftsführer von Riederbau, wird dabei den Digitalisierungs-Weg vorstellen, den sein Unternehmen in den letzten Jahren beschritten hat und der Riederbau weit über die Tiroler Landesgrenzen hinaus in der Baubranche zum Vorbild gemacht hat. „Auch Anton Rieder treibt im positivsten Sinne die Neugier“, weiß Eckmaier, der ebendiese Neugier bei bislang zurückhaltenden Unternehmern wecken will und die zu wecken er selbst richtig gut versteht.

So war Eckmaier beispielsweise federführend daran beteiligt, mit Unterstützung der WK Tirol das Projekt „Coding4kids“ ins Leben zu rufen. Dabei werden 10- bis 14-Jährige im Rahmen eines einwöchigen, kostenlosen Kurses in die digitale Welt geführt. „Sie beherrschen sie intuitiv, doch wir zeigen ihnen, wie die Dinge entstehen und welche Logik dahinter steckt. Am Ende präsentieren sie begeistert das Spiel, das sie selbst programmiert haben“, erklärt Eckmaier und hält fest: „Qualifizierte IT-Fachkräfte fehlen überall, doch bei den Schulen sind diese Themen noch nicht gelandet. Wie soll man sich aber für etwas begeistern, was man nie erlebt hat?“

In der Zwischenzeit haben tirolweit bereits rund 600 Kinder diese Kurse besucht, wurden dabei zu aktiven Gestaltern und die Nachfrage bleibt groß. So groß, wie ihre Begeisterung für die Dynamiken und Chancen, die in der Digitalisierung stecken. Eckmaier: „Dazu will ich auch die Unternehmen ermutigen. Sich damit auseinanderzusetzen. Der erste Schritt ist möglicherweise schon der Beginn einer größeren Reise.“ In die Zukunft.

 

Zur Person
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!