Kreativland Tirol: Ein „dickes Ding“ startet durch

Es ist so weit. Nach intensiven Vorarbeiten, Wanderpredigten und erfolgreichen Finanzierungsgesprächen kann das Kreativland Tirol durchstarten. Mit dem Hub bekommt die schwer zu positionierende Branche eine zentrale Kraft.

Es ist echt so. Anfangs werden Kreative oft belächelt. Sind sie aber erfolgreich, werden sie als Helden gefeiert. Egal ob Picasso oder Steve Jobs oder Didi Matteschitz – kein einzelner Pinselstrich, kein zufälliger Gedanke und auch kein über Nacht gebrautes Getränk machte sie so erfolgreich. Intensive kreative Prozesse sind ihren kraftstrotzenden Meisterleistungen voraus gegangen. Prozesse, deren Komplexität unterschätzt, die aber in allen Bereichen, allen Branchen essenziell sind.

„Es geht nicht nur um die eine Idee. Es geht nicht um das Heureka, sondern um eine Kulturfähigkeit, die Kreativität heißt. Sie ist das wichtigste Wirtschaftsgut des 21. Jahrhunderts. Kein ernst zu nehmender Ökonom zweifelt daran“, stellt Tom Jank fest. Damit stellt der Vorsitzende der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Tirol auch gleich klar, wie entscheidend kreative Prozesse für Veränderungen und Innovationen sind.

Befeuert von der Tatsache, dass Gesellschaft, Märkte und Arbeitswelten nicht mehr durch Nachfrage bestimmt werden, sondern vielmehr durch Angebote, ist der Wettkampf um die kreativen Köpfe längst im Gange. Die „creative class“ war noch nie buntes Beiwerk für zukunftsweisende Entwicklungen, doch wird ihr Stellenwert oft nicht angemessen anerkannt. „Und das, obwohl man sie immer braucht. Alles, was in diesem Land erfolgreich entstanden ist und Aufmerksamkeit außerhalb der Landesgrenzen erregt, wurde in einem guten, kreativen Prozess entwickelt“, weiß Jank.

Kreativität ist Leistung

Es ist das Ergebnis, das bewundert und gefeiert wird – die besonders tolle App, der markante Werbeslogan, die außergewöhnlich designte Gondel oder die durch ihre Benutzerfreundlichkeit bestechende und den Gewinn steigernde Homepage. Dass die komplexe Vorarbeit, die kreativen Prozesse, in der ergebniskonzentrierten Feierlaune untergehen, ist ein Stachel, der Jank antreibt.

Auch der Umstand, dass die Ideenarbeit am liebsten gratis „genommen“ wird, wurmt ihn. Niemandem würde einfallen, einen Tischler damit zu beauftragen, zehn Türen herzustellen, von denen dann eine gekauft wird. Bei Agenturen ist das so. Von ihnen wird erwartet, zehn Ideen zu präsentieren, wovon dann eine umgesetzt und bezahlt wird. „Eine kreative Leistung ist eine kreative Leistung – auch wenn sie aus Skizzen und Ideen besteht. Da gibt es noch immer ein Unverhältnis“, stellt Jank fest.

Vor diesen Hintergründen beschreibt er sein Ziel so klar wie knapp: „Die Kreativwirtschaft zu fördern und zu stärken, sie mit der restlichen Wirtschaft zu vernetzen und Transformationskräfte zu nutzen.“  Dafür wurde mit dem „Kreativland Tirol“ ein dickes Ding auf den Weg gebracht, das nun Lücken schließen, Wertigkeiten gerade rücken und dafür sorgen kann, dass auch kleinste Chancen für den Wirtschaftsstandort beim Schopf gepackt werden.

Kreativland Tirol

„Das Ziel war es, etwas zu schaffen, was es in anderen österreichischen Ländern mit den Creative Industries Styria beispielsweise oder der Creative Region Linz & Upper Austria bereits gibt. Einen Hub, der die Kräfte der Kreativwirtschaft vernetzt, bündelt und ihr eine politische Wirkkraft ermöglicht“, so Tom Jank, der dabei auch auf Vorbilder in anderen Ländern, wie in Dänemark, Deutschland und der Schweiz blickt.

In der Telekommunikation dient ein Hub dazu, Geräte in einem Rechennetz zu verbinden. Die Kreativwirtschaft, zu der per se Architektur, Design, Werbung, Buch- und Verlagswesen, Filmwirtschaft, Musikwirtschaft, Radio & TV, Software und Games, Kunst und Kultur zählen, sollen über den Hub „Kreativland Tirol“ untereinander aber auch und vor allem mit den anderen Branchen der Tiroler Wirtschaft verbunden werden.

Weil die Player der Kreativwirtschaft branchenübergreifend arbeiten und manchmal auch Eigenbrötler sind, waren sie bislang schwer zu positionieren. Dem „Kreativland Tirol“ liegt zudem ein Manko zugrunde, das 2017 sichtbar gemacht wurde. Eine von der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation initiierte und finanzierte Netzwerkstudie hatte wenig überraschend im Ergebnis aber dennoch alarmierend ergeben, dass Tirol für Kreative kein wirklich optimaler Platz ist.

Der dabei festgestellte Braindrain, also das Abwandern „guter Leute“, und die zu wenig ausgebauten Ausbildungsstätten haben aber nicht in ein Jammertal, sondern zu einer Initiative geführt, die sich dem nachhaltigen Ausmerzen dieser Mankos verschrieben hat.

Vernetzung, Sichtbarkeit, Services, Impulse

Als Kümmerer der ersten Stunden gingen Tom Jank und Kurt Höretzeder, Grafikdesigner, Gründer und Leiter des Designforums WEIS RAUM, auf Wanderpredigt. Stakeholdern, wie der Lebensraum Tirol Holding respektive deren Geschäftsführer Joe Margreiter, oder der Standortagentur Tirol respektive deren Chef Marcus Hofer, wurde die Idee präsentiert. Und sie stieß auf offene Ohren.

„Wir sagten, das kann nicht nur mit dem Commitment starten, wir brauchen ein Anfangsbudget“, so Jank. Das Wissen darum, dass ohne Finanzierung auch die beste Idee in einer Schublade zu verstauben droht, begann ein Netzwerk zu werkeln, dessen Erfolg sehenswert ist. Die Tiroler Wirtschaftskammer wurde als Sponsor gewonnen, eine Förderung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) konnte lukriert werden und mit der Entscheidung, den Tiroler Landeswerbepreis Tirolissimo künftig im 2-Jahres-Rhythmus stattfinden zu lassen, wurden weitere Mittel frei.

„Mit einem Budget in Höhe von rund 350.000 Euro konnten wir mit Beginn des Jahres 2020 operativ werden“, so Jank. Aus 40 Bewerbungen für die Projektleitung wurde mit Stefanie Höllinger die beste Wahl getroffen. Vorerst ist das Kreativland Tirol in der Standortagentur in einem eigenen Cluster angesiedelt. „Die Standortagentur ist der richtige Platz zum Starten. Da können wir vernetzen und Synergien nutzen“, sagt Jank, „Natürlich ist irgendwann ein Standort wie die Tabakfabrik in Linz oder das Ars Electronica Center unser Ziel. Doch erst lassen wir die Dinge wachsen.“

Der Plan ist, die Dinge schnell wachsen zu lassen. Das Urkonzept des Kreativlandes ist relativ breit aufgestellt – klar, galt es doch, die Möglichkeiten auszuloten und gewissermaßen durchzuspinnen. In einem kreativen Prozess versteht sich. Nun wird an den strategischen Themen gearbeitet, um mit drei oder vier Projekten rasch konkret zu werden und den theoretischen Papierstatus schnellstmöglich zu verlassen.

So zum Beispiel an einem Service- und Impulsprogramm für die Kreativwirtschaft, an einem Veranstaltungsformat, sowie am Aufbau des Netzwerkes, um die Kreativen des Landes zu verbinden und Nutzen zu stiften. „Viel Potenzial wird in den einzelnen Tiroler Bezirken geortet, denn es heißt ja ganz bewusst ’Kreativland Tirol’. Es entsteht eine zentrale Kraft“, weiß Tom Jank. Das „dicke Ding“ startet durch.

Standortagentur_Tirol_kreativ.land.tirol

Freude über den Cluster „Kreativland Tirol“, der zahlreiche Serviceangebote bündelt (v.l.): Marcus Hofer (GF Standortagentur Tirol), Thomas Jank (Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der WK Tirol), Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf und Kurt Höretzeder (Wei sraum). Fotonachweis: Standortagentur Tirol

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