Brandschutz: Dialog sichert gute Lösungen

Vor allem bei Bestandsbauten waren Investitionen in Brandschutzmaßnahmen lange Jahre so etwas wie ein ungeliebtes Stiefkind. In der Zwischenzeit prägt  ein konstruktives Miteinander das Verhältnis zwischen Behörde und Unternehmern.

„Im Dialog werden oft Alternativmaßnahmen gefunden, die finanzierbar sind“, weiß Ingo Knapp, Betriebsanlagenexperte der WK Tirol. Feuer und Wasser sind zwei gute Diener, aber schlimme Herren. Das deutsche Sprichwort trifft punktgenau ins Schwarze. Übernehmen Wasser oder Feuer die Herrschaft, bleibt den Menschen nur der Kampf um Schadensbegrenzung.

Für beide Elemente gibt es dafür auch in Tirol genügend Beispiele und selbst wenn sich keiner den Ernstfall vorstellen will, zählt genau diese Vorstellung respektive der angemessene Umgang mit den Risiken zum A & O des wirtschaftlichen Alltages. Überall und vor allem dort, wo sich viele Menschen tummeln. „Sachschutz ist das eine, aber er ist für mich zweitrangig. Primär und vorrangig ist der Personenschutz“, lenkt etwa Walter Schieferer, CEO der Tiroler Versicherung und Sprecher der Tiroler Versicherungsbranche, den Blick auf die Tiroler Beherbergungsunternehmen, die gegenüber ihren Gästen besondere Verantwortung tragen. Nicht nur dafür, dass sie sich wohl fühlen, gerne bleiben und ebenso gerne wiederkommen, sondern auch für ihre Sicherheit.

„Wenn behördliche Vorgaben oder Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten wurden und es bei einem Brand zu Personenschäden oder gar Todesfällen kommt, muss sich der Hotelier strafrechtlich verantworten“, skizziert Schieferer die schlimmsten persönlichen Folgen, die im Zusammenspiel mit den wirtschaftlichen Konsequenzen eines Brandes als umfassend existenziell für den betroffenen Unternehmer bezeichnet werden dürfen.

„Neben den unmittelbaren Brandschäden treten gerade bei Wirtschaftsunternehmen Folgeschäden ein, die oft unterschätzt werden, wie zum Beispiel finanzielle Verluste durch erlittene Marktverdrängung, Verlust von qualifizierten Mitarbeitern, eingebüßtes Vertrauen bei Kunden, Prestigeverlust in der Öffentlichkeit, zivil- und strafrechtliche Prozesse, bis hin zum wirtschaftlichen Ruin“, weiß auch Rene Staudacher, stellvertretender Leiter der Tiroler Landesstelle für Brandverhütung, wie wichtig der schadensfreie und reibungslose Ablauf für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist.

Positive Schutzmaßnahmen

Auch wenn keine Personenschäden zu beklagen sind, kann ein Brand dem Unternehmen den Boden gleich mehrfach unter den Füßen wegziehen. Dann etwa, wenn die Versicherung leistungsfrei ist, weil die Nichteinhaltung einer behördlichen Auflage ursächlich für die Entstehung eines Brandes verantwortlich war. Bekommt der Hotelier zum Beispiel die Vorschrift, dass die Holzbalken beim gemütlichen Kamin erst ab einem bestimmten Abstand zu ebendiesem Kamin angebracht sein dürfen und es kommt zum Brand, weil diese Vorschrift nicht eingehalten wurde und der Holzbalken Feuer fing, muss die Versicherung nicht zahlen. „Es ist maßgeblich, ob die Nichteinhaltung der Auflagen schadenskausal war“, erklärt Schieferer weiter.

Die Folgen von Bränden können abseits des tristen Aschehaufens komplex sein. Brandverhütung ist es nicht minder. Brandschutzauflagen waren über viele Jahre so etwas wie ein ungeliebtes Stiefkind der Unternehmer. Vor allem für Gastgeber beziehungsweise Hoteliers, die in regelmäßigen Abständen renovieren und investieren müssen, um ihr wirtschaftliches Rad erfolgreich am Laufen zu halten, waren Investitionen in den Brandschutz oft ein Dorn im Auge.

„Wenn ich mich so 15 Jahre zurückerinnere, da hat noch jeder Unternehmer Unverständnis gezeigt“, weiß Schieferer von mürrischer Ablehnung zu berichten. In der Zwischenzeit hat der „Tiroler Versicherer“ das Gefühl, dass die Schutzmaßnahmen als positiv erkannt werden und er hält fest: „Das Bewusstsein hat sich verbessert und man zeigt mehr Verständnis für behördliche Vorgaben. Da hat sich viel getan. Sowohl von Seiten der Wirtschaftskammer, wie auch bei der Brandverhütungsstelle des Landes oder den Bezirkshauptmannschaften. Da gibt es in der Zwischenzeit ein friedliches Miteinander mit wechselseitiger Wertschätzung.“

Wechselseitig

Den positiven Wandel, den Schieferer festgestellt hat, konnten Praktiker und Interessierte beispielsweise im Rahmen der jüngsten Fachveranstaltung der WK Tirol „Brandschutz im Dialog“ feststellen. „Die Quintessenz der Veranstaltung war, dass sich die Behörde gewandelt hat“, sagt Ingo Knapp, Betriebsanlagenexperte im Technologieservice der WK Tirol. Knapp ist im Auftrag der Wirtschaftskammer auch im Zusammenhang mit den Brandschutzauflagen viel in Tirol unterwegs, um die Unternehmen vor Ort zu unterstützen.

Während die baulichen und technischen Schutzmaßnahmen bei Neubauten bereits in der Planung mitgedacht werden, um eventuelle Mehrkosten zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend klug zu vermeiden, ist seine Hilfe oft im Zuge von Umbauten oder Betriebsübergaben gefragt. „Eine Übergabe zieht in der Regel keine Neugenehmigung nach sich“, erklärt Knapp, „eine Betriebsanlagengenehmigung ist ein dingliches Recht, das heißt, es geht ohne einen Rechtsakt mit dem neuen Betreiber weiter. Trotzdem hat die Bezirkshauptmannschaft das Recht, eine Eigenüberprüfung anzufordern.“

Die Eigenüberprüfung, die Knapp anspricht, ist im § 82b der Gewerbeordnung (GewO) 1994 vorgesehen – verpflichtend für jeden Inhaber einer genehmigungspflichtigen gewerblichen Betriebsanlage. Alle sechs Jahre müssen die Inhaber demnach diese Prüfung veranlassen. Wer an seinem Auto bastelt und beispielsweise breitere Reifen oder Spoiler montiert, muss dies per „Pickerl“ absegnen und in den Typenschein eintragen lassen.

Ähnlich ist es, wenn Um- oder Zubauten an der Betriebsanlage vorgenommen werden. Diese Veränderungen müssen durch die Brandverhütungsbrille betrachtet und brandschutztechnisch beurteilt werden. „Wenn man an diese Sache proaktiv herangeht, also von sich aus die Eigenüberprüfung in die Wege leitet, hat man erstens Straffreiheit und zweitens gibt es die Möglichkeit, Übergangsfristen zu nützen“, erklärt Knapp.

Beratungsfunktion

Setzt die Behörde den ersten Schritt und kontrolliert die Anlage auf Einhaltung der Brandschutzbestimmungen, darf der Unternehmer mit wenig Rücksicht rechnen. „Deswegen forcieren wir die Eigenüberprüfung und unterstützen die Unternehmer dabei“, sagt Knapp und verweist auf den Bezirk Schwaz, wo die Bezirkshauptmannschaft bei Betriebsübergaben bzw. -nahmen seit rund sechs Jahren diese Eigenüberprüfung anfordert: „Diese Vorgangsweise wird vom Bezirksstellenleiter der WK Schwaz begrüßt, weil man die Übergaben vor dem Hintergrund gut vorbereiten kann und die Behörde nicht plötzlich mit schwerem Geschütz anrückt.“

Um sich nicht einmal theoretisch mit dem schweren Geschütz auseinandersetzen zu müssen, arbeitet Knapp schon im ersten Schritt eng mit dem Unternehmer zusammen. Im Zuge eines Lokalaugenscheins erfasst sein Expertenauge den Bestand, schaut, wo der Hund begraben liegt und wie das Problem gelöst werden kann.

Im zweiten Schritt nimmt Knapp Kontakt zu den Mitarbeitern der Landesstelle für Brandverhütung auf. „Früher hat die Behörde als beurteilende Stelle agiert, jetzt steht die Beratungsfunktion im Mittelpunkt der Sachverständigen“, erklärt Knapp, der sich zusammen mit den Beamten auf die Suche nach tragbaren Lösungen macht, die auch finanzierbar sind: „Im dritten Schritt kann mitunter über die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes eine Einzelfalllösung gefunden werden.“

Hilfe von Sachverständigen

Der dritte Schritt wird mit Hilfe von Sachverständigen gesetzt. Deren Wissen muss so umfangreich sein wie ihre Flexibilität groß. Die aktuell gültigen Richtlinien bei Bestandsobjekten umzusetzen, ist nur schwer möglich. Die Sachverständigen werden in diesen Fällen regelmäßig mit Bauweisen, Bauteilen oder Baustoffen konfrontiert, die nicht dem Stand der Technik entsprechen.

„Bei Bestandsobjekten sind die Schutzziele anders zu definieren. Die Personensicherheit muss gewährleistet sein. Das ist bei der Ausarbeitung des Konzeptes der wesentliche Faktor“, sagt Werner Köhldorfer. Köhldorfer ist allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachenermittlung, Brandschutz- & Feuerpolizeiwesen und die Länge der Berufsbezeichnung entspricht wohl ganz gut dem Umfang seines Betätigungsfeldes, das auf der Homepage der K&M Brandschutztechnik GmbH treffsicher zusammengefasst wird: „Effiziente Brandschutzplanung bedeutet keine Maximierung von Brandschutzmaßnahmen, sondern ein sicherheitstechnisch und wirtschaftlich „gesundes Verhältnis“. Um dies umsetzen zu können ist auch ein entsprechendes Know-how erforderlich.“

Das „gesunde Verhältnis“ ist es, woran den Unternehmern sehr gelegen ist. Um eine vertretbare und wirtschaftlich umsetzbare Lösung auszuarbeiten, müsse das Zusammenspiel zwischen Unternehmer, Sachverständigen und Behörde gut funktionieren, weiß Köhldorfer und erzählt: „Ich habe gerade ein paar Projekte, wo ich gemeinsam mit Ingo Knapp Rücksprache mit den Sachverständigen der Landesstelle für Brandverhütung in Innsbruck gehalten habe. Es ist ganz wichtig, dass dieser Kontakt funktioniert.“

Denn dieser Dialog stellt sicher, dass es am Ende für den Unternehmer rund läuft und es keine Überraschungen gibt. „Wichtig ist es, die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen für den Unternehmer nachvollziehbar zu machen“, weiß der Sachverständige. Das, die Zusammenarbeit und die gelebte Beratungsfunktion der Behörde erleichtern jedenfalls die Brandschutzagenden in Tirol, in denen die WK-Mitarbeiter die wichtige Vermittlerrolle einnehmen und Ingo Knapp stellt fest: „Die Kultur hat sich geändert.“

 

„Kombination aus Gänsehaut und Dankbarkeit“
Betriebsanlagenberatung
Das Betriebsanlagenservice der Tiroler Wirtschaftskammer gibt Abtworten auf technische und juristische Fragen rund um das Thema Betriebsanlage, bei dem auch der Brandschutz eine wichtige Rolle spielt.

T 0590905-1373
E betriebsanlagen@wktirol.at

Dieses und 159 weitere praktische Services der WK Tirol finden Sie unter www.servicepaket.at

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