Auftakt in Lienz beim feierlichen Neujahrsempfang

Die Übergangsregierung hat brav verwaltet. Nun ist es für WK-Präsident Christoph Walser an der Zeit, mutig Reformen anzupacken und unseren Standort für das neue Jahrzehnt zukunftsfit zu machen. Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger spricht beim Neujahrsempfang über die aktuelle Tourismussituation sowie das regionale Bildungsangebot.

Die Wirtschaft ist ständig in Bewegung: Neue Technologien, neue Kundenwünsche, neue Konkurrenz – unsere heimischen Betriebe sind laufend gefordert, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Dass sie das in der Vergangenheit ausgezeichnet bewältigt haben, zeigt sich daran, dass Tirol innerhalb der 30 stärksten von 281 EU-Regionen liegt. „Dieser Spitzenplatz ist keine Erbpacht und muss alljährlich neu verdient werden“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser.

Dafür benötigt es einerseits agile Betriebe und Mitarbeiter, andererseits ist auch von der Politik Bewegung gefragt. „Die politischen Rahmenbedingungen bilden die Leitplanken für die zukünftige Entwicklung“, so Walser, „sie müssen ebenfalls mit der Zeit gehen.“ Der WK-Präsident fordert weniger Problem- und mehr Lösungsdenken: In vielen Bereichen wird derzeit versucht, mit einzelnen Ge- und Verboten lenkend einzugreifen. „Doch das bremst eher als es lenkt – wir brauchen mutige Reformen, welche die Steuerlast senken, die Bürokratie schlanker machen und Anreize für Investitionen setzen“, betont Walser. Auch die heißen Themen wie Wohnen und Verkehr verlangen nach innovativen Ansätzen, damit Tirol für die Herausforderungen des neuen Jahrzehnts gerüstet ist.

Wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk

Das vergangene Jahr war für die Osttiroler Wirtschaft und damit für die gesamte Bevölkerung im Bezirk erfolgreich. 2019 waren im Jahresdurchschnitt ca. 19.800 Personen unselbstständig beschäftigt – das sind um ca. 200 Beschäftigte mehr als im Vorjahr. Dieser Zuwachs schlägt sich ebenso in der weiterhin gesunkenen Arbeitslosenquote nieder.

„Wir gehen derzeit von einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent im Jahresschnitt 2019 aus. Die Arbeitslosenquote konnte somit in den vergangenen zehn Jahren um 3,3 Prozent – das sind 553 Personen – gesenkt werden“, erläutert Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger. Darüber hinaus konnte seit 2009 das Bruttoregionalprodukt in Osttirol um beachtliche 37,8 Prozent gesteigert werden. Zum Vergleich in Tirol war der Zuwachs mit 24,4 Prozent um ein Drittel deutlich geringer.

„Allerdings dürfen wir die absoluten Zahlen nicht außer Acht lassen, die zeigen, dass immer noch ein Abstand von einem Viertel – und zwar 24,5 Prozent – zum Landesdurchschnitt besteht. Um an den Durchschnitt von Tirol anzuschließen, braucht es, bei einer gleichbleibenden Entwicklung, noch ca. 20 Jahre“, macht Hysek-Unterweger deutlich.

Mehr Betten für Osttirol

Auch im Tourismus konnten die Osttiroler Beherbergungsbetriebe mit 2.109.633 Nächtigungen den Vorjahreswert geringfügig steigern. Der Aufwärtstrend, der nun schon seit einigen Jahren belegbar ist, ist auf Investitionen von Unternehmern in die Qualitätsverbesserung und in Qualitätsbetten zurückzuführen. „Sorgen bereitet uns aber die Richtlinienänderung bei Förderungen im Tourismus, wonach Ausweitungen der Bettenkapazität nicht mehr unterstützt werden. Hier ist die Situation in Osttirol, aber auch in manchen Seitentälern in Nordtirol, eine gänzlich andere als jene der hochentwickelten Tourismusregionen im restlichen Tirol, weshalb wir die von der WK-Bezirksstelle Lienz schon mehrfach gewünschte Rücknahme vom Förderstopp bei der Neuerrichtung von Betten für Osttirol fordern“, so Bezirksobfrau Hysek-Unterweger.

Aufgrund der Topographie Osttirols ist nicht in allen Seitentälern eine gewerblich-industrielle Entwicklung möglich. Einkommens- und Beschäftigungsperspektiven, die vor allem für die wirtschaftliche Absicherung der Bevölkerung unumgänglich sind, kann daher vielerorts nur der Tourismus gewährleisten. „Die Schönheit unserer Natur- und Kulturlandschaft macht die Region zu einem attraktiven Urlaubsland. Osttirol konnte aber bisher sein großes touristisches Potenzial noch nicht in dem Maße nutzen, welches notwendig ist“, erklärt die Bezirksobfrau und führt weiter aus: „Um die Auslastung der Tourismusbetriebe zu verbessern und sie wetterunabhängiger zu machen, müssen innovative, differenzierte und möglichst ganzjährige Angebote entwickelt werden.“

Bildungsraum Land

Moderne und vielfältige Bildungsangebote im ländlichen Raum sind unverzichtbar für mehr Chancengleichheit zwischen Stadt und Land. Sie eröffnen Menschen in der Region neue Perspektiven und sorgen dafür, dass Betriebe im ländlichen Raum jene Qualifikationen zur Verfügung haben, die sie brauchen. Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region hängt im hohen Maße von Leistungen in den Bereich Bildung, Forschung & Entwicklung und Innovation ab.

„Auf einige Bereiche legen wir im kommenden Jahr ein besonderes Augenmerk, konkrete Umsetzungsschritte sind bereits geplant. Das Studium Mechatronik in Lienz müssen wir beispielsweise künftig aktiv bewerben. Damit Osttirol als kleiner, aber dynamischer Universitätsstandort auch überregional wahrgenommen wird“, appelliert Hysek-Unterweger. Außerdem werden in Kooperation mit der Uni Innsbruck (Institut für Informatik) anwendungsorientierte Ausbildungen geplant und umgesetzt. Auch die Organisation von Workshops zu den Themen Innovation, Kreativität und Design stehen am Programm.

Zukunftsraum Osttirol

Zukunft braucht Strategie – das gilt auch für Osttirol. Für starke und erfolgreiche Regionen ist eine gezielte strategische Weiterentwicklung notwendig. Die Zukunftsfähigkeit der Region muss speziell für junge Menschen noch sichtbarer gemacht werden. Die als möglicherweise verkrustet empfundenen Strukturen in den Bereichen Kultur, Gesellschaft sowie Politik sind zu hinterfragen und zeitgemäße Beteiligungsmodelle zu erdenken. „Wenn Jugendliche den Bezirk zu Ausbildungszwecken verlassen, müssen attraktive Rückkehroptionen angeboten werden. Im Rahmen des Vordenken-Leader-Projektes ,Kommen und bleiben‘ wird eine Internet-Service-Plattform zum Thema ,Osttirol als Lebens- und Wirtschaftsraum‘ aufgebaut und ein Maßnahmenpaket zur Vernetzung und Bindung von auswärtigen Osttirolern ausgearbeitet“, erklärt Hysek-Unterweger.

In einem weiteren Vordenken-Projekt wird mit jüngeren Menschen zum Thema Weltoffenheit gearbeitet. „Sind wir eine abgehängte Bergregion oder ein Zukunftsraum der für den ländlichen Raum in Europa einen Beitrag leistet? Diese und andere Fragen werden im Team diskutiert. Außerdem sind Vernetzungstreffen und Veranstaltungen geplant“, blickt die Obfrau motiviert in die Zukunft.

Bild oben: Hermann Kuenz, WK-Präsident Christoph Walser, WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker, Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein, Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger, Landeshauptmann Günther Platter (v.l.).

Impressionen des Neujahrsempfangs Lienz

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!