Konjunkturbarometer 2020: Wachstum geht deutlich zurück!

Die Ergebnisse des aktuellen TOP Tirol Konjunkturbarometer zeigen: Die schwache internationale Konjunktur belastet den Produktionssektor und bremst das Wachstum deutlich auf 1 bis 1,5 Prozent ein. Besser läuft es in den Sektoren Bau, Handel und Tourismus.

“2018 und 2019 waren sehr gute Jahre für die Tiroler Wirtschaft. Anfang 2020 geht das TOP Tirol Konjunkturbarometer aber deutlich nach unten”, hält WK-Präsident Christoph Walser fest. In Zahlen ausgedrückt: Der aktuelle Geschäftsklimawert erreicht mit 37-Prozentpunkten den tiefsten Wert seit Dezember 2015. Im Juni 2018 wurde mit 68 Prozentpunkten der höchste jemals gemessene Wert notiert. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum wird heuer mit 1 bis 1,5 Prozent dementsprechend “mager” ausfallen.

Die Ursache liegt vor allem in der schwächelnden Nachfrage in den Nachbarländern, insbesondere in der deutschen Automobilindustrie und dem Handelsstreit zwischen den USA, der EU und China. “Davon betroffen sind vor allem die exportorientierten Produktionsbetriebe, vor allem in der Industrie”, erklärt Walser weiter.

Diskussion in Tirol kontraproduktiv

In Zeiten abflauender Konjunktur muss für Walser ganz genau hingeschaut werden, an welchen “Stellschrauben” man dreht. “Handel, Tourismus und Bau haben auch in der Vergangenheit immer die Konjunktur am Laufen gehalten. Deshalb sehe ich die aktuelle Diskussion nicht ganz unkritisch. Wenn jedes Projekt, welches man für die Weiterentwicklung unseres Landes anstoßen will, als ‘negativ’ bewertet wird und damit von vornherein schon zum Scheitern verurteilt ist, dann sehe ich das als negative Entwicklung für unser Land”, hält der WK-Präsident fest und fordert gleichzeitig die Landespolitik auf, besonderes Augenmerk walten zu lassen “damit Projekte, die gut für die Weiterentwicklung von Tirol sind, nicht von vorneherein verurteilt werden”.

Generell warnt Walser angesichts abflauender Konjunktur und wieder (leicht) steigender Arbeitslosigkeit davor, alles schlecht zu reden, was den im Grunde erfolgreichen Standort Tirol ausmacht. “Es ist für mich als Präsident der Wirtschaftskammer immer wieder erstaunlich, wenn man sich am Montag hinstellt und Pressekonferenzen gibt, von der niedrigen Arbeitslosigkeit oder von Export- oder Nächtigungsrekorden spricht und am nächsten Tag der Wirtschaft die Schuld für den Verkehr im Land gibt. Das passt nicht zusammen.” Vielmehr braucht die Wirtschaft Rückenwind und ein klares Bekenntnis zum Tourismus, zum Gewerbe, zum Handel und all unseren Branchen.

Optimismus flaut ab

Generell sind derzeit nur 30 Prozent der Tiroler Leitbetriebe für die wirtschaftliche Entwicklung Tirols im Jahr 2020 optimistisch, 64 Prozent neutral und 6 Prozent sind pessimistisch. Am meisten Optimisten gibt es im Tiroler Gewerbe (44 Prozent) gefolgt von der Bauwirtschaft (41 Prozent). “Insgesamt”, so Garbislander mit Blick auf das Ergebnis der Befragung von Tiroler Leitbetrieben, “hat sich damit in den vergangenen beiden Jahren der Optimismus in der Tiroler Wirtschaft deutlich reduziert: von 47 Prozent zum Jahreswechsel 2017/18 auf aktuell nur mehr 30 Prozent.”

Ein wichtiger Konjunkturindikator ist die Auftragslage/Buchungslage. Hier zeigt sich besonders deutlich die wirtschaftliche Abkühlung seit dem Konjunkturhöhepunkt 2017/2018. Im Dezember 2017 meldeten 59 Prozent der Tiroler Leitbetriebe eine gute Auftragslage, im Dezember 2018 waren es 50 Prozent und nun sind es nur mehr 34 Prozent. “Besonders deutlich ist der Rückgang in der Industrie: von 64 Prozent im Dezember 2017 auf aktuell 26 Prozent”, weiß der Autor des TOP Tirol Konjunkturbarometers, Stefan Garbislander. “Hier kann man das deutliche Nachlassen der Dynamik in der Industrie sehr gut ablesen.”

Investitionen laut Konjunkturbarometer rückläufig

Während der Hochkonjunkturphase im Jahr 2018 erreichte die Investitionsneigung der Tiroler Wirtschaft noch einen neuen Höhepunkt: 43 Prozent der Top-Unternehmen planten damals ihr Investitionsvolumen im kommenden Halbjahr auszuweiten. “Jetzt sind es nur mehr 22 Prozent. Man sieht daran deutlich: die Betriebe werden vorsichtiger in ihrer Kalkulation und Disposition”, hält Garbislander fest.

“Die Tirolerinnen und Tiroler sind nach wie vor konsumfreudig und stützen damit ganz wesentlich die Situation im Handel und im Tourismus”, sagt Garbislander. Der Volkswirt sieht den Reallohnzuwachs des letzten Jahres, die geringe Arbeitslosigkeit und die positiven Auswirkungen durch den Familienbonus der letzten Bundesregierung als Impulsgeber.

Für den Experten stellt sich aber die Frage, wie lange der Konsum die Konjunktur noch befeuern wird. “Wir hatten jetzt vier Jahre mit sinkender Arbeitslosigkeit, von 7 auf 4,5 Prozent. 2020 muss aber mit einer leicht steigenden Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Ich rechne mit 4,6 Prozent oder 16.700 Arbeitslosen.”

Fachkräftemangel bleibt beherrschendes Thema

Trotz Schwäche der Konjunktur und steigenden Arbeitslosenzahlen (insbesondere bei schlecht Qualifizierten) bleibt der Fachkräftemangel das beherrschende Thema bei den Unternehmen: 59 Prozent der befragten Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ihre größte aktuelle betriebliche Herausforderung.

Aus heutiger Sicht sind die Warenexporte im Jahr 2019 nominell um 3 Prozent, von rund 12,65 Euro Milliarden auf ca. 13 Milliarden Euro, gestiegen. Zumindest in der ersten Hälfte des Jahres 2020 wird die internationale Wachstumsdynamik noch sehr bescheiden sein.

Volkswirt Garbislander dazu: “Wenn es gelingt, die Handelsstreitigkeiten nicht eskalieren zu lassen, dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine Belebung des internationalen Handels einsetzen, wovon auch die heimische Exportwirtschaft profitieren wird. Insgesamt rechnen wir für das Jahr 2020 mit einem moderaten Anstieg der Warenexporte um nominell 3 Prozent auf rund 13,4 Milliarden Euro.

Bild oben: WK-Präsident Christoph Walser (l.) und Stefan Garbislander, Leiter Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie in der WK Tirol.

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