Unternehmens-Vorsorge: Gut gerüstet für den Fall der Fälle

Ein Unfall oder eine Krankheit des Unternehmers kann bedrohliche Folgen haben – für das Unternehmen selbst, die Familie und die Mitarbeiter. Mit entsprechender Vorsorge gerüstet zu sein, ist das Gebot dieser Stunde. Die Experten der WK Tirol stehen in jeder Situation zur Seite.

Es gibt ein paar absolute Gewissheiten im Leben. Dass die Zeit verrinnt, ist eine davon. Alle Menschen werden älter. Dagegen ist kein Kraut gewachsen und doch ist es irgendwie überraschend, dass auch junge Menschen sich dessen auf glasklare Weise bewusst sind. Einer aktuellen, Ende Oktober 2019 veröffentlichten Studie von Michael Page International Austria zufolge, ist jungen, unter 35 Jahre alten Bewerbern bei einem Jobwechsel besonders wichtig, dass der neue Arbeitgeber eine Firmenpension bietet.

Dieses Angebot einer Altersvorsorge ist für 64 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer der wichtigste „Benefit“ eines Arbeitgebers, gefolgt von der Nutzung von Mobile Devices (56 Prozent) und einer privaten Krankenversicherung (47 Prozent). Letzteres deutet darauf hin, dass Sicherheit ein wichtiges Gut junger Arbeitnehmer ist, die damit jedenfalls das Vorurteil der jugendlichen Unbekümmertheit ohne Weitblick Lügen strafen.

Unbekümmert und ohne Weitblick zu leben, klingt besser als es in Wirklichkeit ist. Vielleicht, weil echte Unbekümmertheit nur einzelnen Momenten vorbehalten ist und Weitblick die Zahl und Dauer dieser Momente oftmals erst möglich macht. Das steckt gewissermaßen in dem Sicherheitsanspruch, den Michael Page ausgelotet hat. Was unter 35-jährige Arbeitnehmer des Landes als wichtig erachten, regt aber auch Arbeitgeber dazu an, vorzusorgen. Für sich und die Familie. Der Unterschied ist eben, dass Selbstständige sich – nomen est omen – in weiteren Teilen selbst darum kümmern müssen, finanziell abgesichert zu sein.

Betriebsausfallsversicherungen abschließen

Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung sind für unselbstständig Beschäftigte wie Selbstständige gesetzlich geregelt. Seit 2013 haben Selbstständige, sofern sie weniger als 25 Mitarbeiter beschäftigen, bei länger andauernder Krankheit zudem ein Anrecht auf Krankengeld. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, beläuft sich das Krankengeld derzeit auf 30,53 Euro täglich. Wird bei der SVA eine Zusatzversicherung abgeschlossen, kann diese Summe erhöht und damit gegebenenfalls weitere Lücken eines Ausfalles geschlossen werden. Ebenso steht es Selbstständigen frei, mit einer Höherversicherung in der Unfallversicherung derart bedingten widrigen Folgen zu begegnen und für das Alter lässt sich durch eine SVA-Zusatzpension mit steuerlichen Begünstigungen vorsorgen, wobei die Höhe der Einzahlungen bis zur Höchstgrenze von 10.440 Euro jährlich frei gewählt werden kann.

Eine wichtige Möglichkeit für Unternehmer, sich vor finanziellen Schäden bei einer Betriebsunterbrechung zu schützen, stellen etwa die privat abgeschlossenen Betriebsausfallsversicherungen dar, die je nach Vereinbarung für fortlaufende Kosten oder Ertragsausfälle aufkommen. „Auch wenn Selbstständige bereits gesetzlich in der Kranken-, Unfall und Pensionsversicherung abgesichert sind, gibt es zusätzliche Möglichkeiten der Verbesserung des Versicherungsschutzes. Informieren Sie sich rechtzeitig betreffend freiwilliger Höher- und Zusatzversicherungen in der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht der Wirtschaftskammer Tirol“, lautet der Tipp aus ebendieser Abteilung, wo die Experten auch habt-acht-stehen, wenn in versicherungstechnischen Belangen der WK-Mitgliedsunternehmer der Hut brennt.

„Wir beraten und vertreten wenn es Probleme gibt – durch Interventionen bei den Behörden und auch vor Gericht“, sagt Bernhard Achatz, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht der WK Tirol, und sein Stellvertreter Karl Antoniazzi erklärt zur Bandbreite der „Einsätze“: „Wir unterstützen beispielsweise Unternehmer, die länger krank sind, beim Antrag auf Unterstützungsleistung. Das Krankengeld der SVA ist ein ganz wichtiges Thema. Oft werden wir mit der Frage nach dem Zuverdienst zur Pension konfrontiert und wir helfen, wenn es Probleme mit der SVA gibt.“ Weigert die sich beispielsweise, einem Antrag auf Frühpension Folge zu leisten, reichen die WK-Juristen kostenlos Klage gegen die SVA ein und stärken den Unternehmern in all diesen komplexen und existenziellen Fragen nicht nur den Rücken, sondern helfen dabei, Lösungen zu finden. Und brennende Hüte zu löschen.

Wir beraten und vertreten, wenn es Probleme gibt – durch Interventionen bei den Behörden und auch vor Gericht.
Bernhard Achatz, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in der WK Tirol

Vermeidbarer Spießrutenlauf

Weil sich die absoluten Gewissheiten auch im unternehmerischen Leben auf das Verrinnen der Zeit beschränken und nicht berechenbare Entwicklungen oder besondere Ereignisse jederzeit dazu führen können, dass ein Unternehmen aus dem standardmäßigen Fahrwasser direttissima in eine Schräglage schlittert, muss das Thema Vorsorge viel größer, breiter und durch zahlreiche Brillen nachhaltiger gedacht werden. „Von einem auf den anderen Tag kann ein Unternehmen, beispielsweise durch den Ausfall des Unternehmers wegen eines Unfalls, einer Krankheit oder schlimmstenfalls den Tod, unter starken Druck geraten. Wenn ich für den Fall der Fälle nicht vorgesorgt habe, kann das zu massiven Problemen führen“, weiß Wolfgang Teuchner.

Als Teamleiter des WK Tirol Unternehmer-service ist Teuchner so etwas wie ein „Mann fürs Grobe“, wobei es die juristischen und unternehmerischen Feinheiten sind, mit denen er im Sinne der Unternehmer zu jonglieren versteht. In höchst emotionalen Situationen, in denen die Nerven in den Tiroler Kleinst- und Kleinbetrieben verständlicherweise blank liegen, begleitet er die Betroffenen mit Ruhe, Rat und Tat. „Schräglagen können aus unterschiedlichsten Gründen entstehen. Hier kommen wir ins Spiel, um Lösungen zu finden und Perspektiven aufzubauen. Wenn du dich vorbereitet hast, die Möglichkeiten durchdacht und Vorsorge getroffen hast, ist der Umgang damit einfacher. Es kommt eh meistens ein bisschen anders, aber was ich vorbereiten könnte, sollte ich vorbereiten“, stellt Teuchner klar. Das Ausrufezeichen hinter dieser Feststellung könnte kaum größer sein, müssen die Experten der Abteilung doch zu oft Feuerwehr spielen, ohne in den ersten Momenten auf  entsprechend vorbereitete Orientierungshilfen zurückgreifen zu können.

Checklisten und Notfallpläne helfen

Was, wenn die Chefin oder der Chef einen Unfall hat und im Koma liegt? Wer hat Vollmachten, um Geschäfte abzuschließen? Gibt es eine so genannte faktische Vertretung, die an Stelle des Unternehmers Warenlieferungen, (Dienst-)Leistungen und Zahlungen erbringen kann? Wie ist die Existenz der Familie gesichert? Wo liegen die für die reibungslosen Abläufe des Unternehmens relevanten Verträge, wo die Versicherungspolizzen, Grundbuch-, Firmenbuchauszüge oder die Betriebsanlagengenehmigung? Gibt es jemanden, der in den verschiedenen Bankbelangen verfügungsberechtigt ist? Wo liegen die Schlüssel? Wie lauten die Codes? Wer könnte einspringen, um Aufträge zu erledigen?

Whow, allein die Fragen, die beim flotten Nachdenken über den Fall der Fälle aufpoppen, machen deutlich, welcher Wettlauf losgeht, wenn etwas schiefgeht. Die Fragen in einer Stresssituation zu beantworten, machen den Wettlauf zum Spießrutenlauf. „Es gibt dafür keinen allgemeingültigen Fahrplan, aber es gibt Szenarien, Checklisten oder Notfallpläne. Das sind keine Allheilmittel, doch geben sie eine Denkrichtung vor“, sagt Teuchner.

Passiert im Betrieb beispielsweise ein Arbeitsunfall, hat die WK Tirol eine Notfallkarte ausgearbeitet, die knapp, klar und strukturiert Handlungsanleitungen für Situationen bietet, die rundum Stress verursachen und auch sonst klarste Köpfe durcheinanderwirbeln (siehe Infokasten „Die WK Tirol Notfallkarte“).

Krisenkommunikation spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es gilt, das Stressniveau zu senken und das Gefühl der Stabilität zu schaffen. „Man ist immer überrascht, aber man tut sich leichter, wenn man einen Anker hat, an dem man sich beim  Umgang mit Sondersituationen festhalten kann“, weiß Wofgang Teuchner. Die Notfallkarte begleitet durch die Krise, ist den Situationen entsprechend knapp konzipiert und wie eine Checkliste zu behandeln. Sie griffbereit zu haben, ist im ersten Moment genauso wichtig, wie im nächsten Moment die persönliche Unterstützung der WK-Experten.

Notfallkarte der WK Tirol

Die Notfallkarte zählt genauso zur Vorsorge, wie die Regelung der Nachfolge oder eben die Regelungen für den Fall, dass der Unternehmer ausfällt“, macht Teuchner deutlich, dass die Vorsorge Kern einer nachhaltigen Unternehmensführung ist und lenkt den Blick zurück zum Fall der Fälle, in dem die Mitarbeiter der WK Tirol nicht nur theoretische Ratschläge erteilen und beim vorsorglichen Abarbeiten der unternehmens-individuellen Checkliste behilflich sind. „Der Kunde wird in einer Sondersituation von uns direkt beraten. Er bekommt keine Broschüre in die Hand gedrückt, sondern wird intensiv begleitet. Wir haben dabei einen systemischen Zugang, versuchen, ihn gesamtheitlich wahrzunehmen und ein Gesamtpaket zu schnüren, das ihn in einer Sondersituation weiterbringt“, erklärt der Teamleiter und erzählt von einem Kleinunternehmer, der sich nach einem Motorradunfall mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an die WK Tirol gewandt hatte. Monatlich finden dort Sitzungen statt, wo Vertreter aller Sparten in der gebotenen Schnelle über finanzielle Zuwendungen für Unternehmer „in Not“ entscheiden. Auch dem erwähnten Kleinunternehmer wurde diese finanzielle Spritze gewährt, doch darüber hinaus haben die WK-Mitarbeiter die für den Unternehmer wichtigen Fragen mit der Sozialversicherung geklärt, einen Businessplan als Grundlage für das Gespräch mit der Bank ausgearbeitet und Ratenzahlungen mit dem Finanzamt vereinbart, bei dem der Verunfallte bereits im Rückstand gewesen war. Wenn Teuchner davon spricht, „ganz nah dran“ zu sein, zeigt das Beispiel deutlich, was er damit meint.

Herausforderung gemeinsam meistern

Auch in dem Zusammenhang darf von einem Alleinstellungsmerkmal der WK Tirol gesprochen werden, wo das Motto „wer schnell hilft, hilft doppelt“ gelebt wird. Bei Elementarschäden laufen die Rädchen in der Abteilung ohne Verzögerung auf Hochtouren. Mit der bereits erwähnten Zuwendung aus dem Hilfs- und Unterstützungsfonds der WK können Klein- und Kleinstunternehmen, welche die entsprechenden Kriterien erfüllen, die ersten finanziellen Herausforderungen bewältigen. Und fällt ein Unternehmer unfall- oder krankheitsbedingt aus, wartet auch schon die nächste Herausforderung. „Seine Arbeitskraft geht verloren. Da bieten wir in Zusammenarbeit mit der SVA die Möglichkeit, dass über den Verein Betriebshilfe kostenfrei ein Betriebshelfer zur Verfügung gestellt wird“, weist der WK-Experte auf die Möglichkeit hin, in Kleinstunternehmen den Arbeitskraft-Ausfall des Unternehmers bestmöglich zu kompensieren.

Was ist die Betriebshilfe?

Der Betriebshelfer muss nicht irgendjemand, sondern kann eine Vertrauensperson oder ein Mitglied der Familie sein, das dann beim Verein Betriebshilfe für maximal 50 Tage angestellt und zum Kollektivvertrag entlohnt wird. „Das ist ein Service, der gerne angenommen wird“, sagt Teuchner, der in dem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der SVA unterstreicht und darauf aufmerksam macht, wie wichtig es ist, zu kommunizieren, proaktiv mit den Mitarbeitern der Sozialversicherung Kontakt aufzunehmen und gemeinsam eine Lösung zu finden: „Man muss miteinander kommunizieren. Die Vogel-Strauss-Taktik funktioniert nicht.“ Es ist ein großes, engmaschiges Netz, mit dem die WK Tirol für Unternehmer „in Not“ einen doppelten Boden bereit hält. Je mehr vorbereitet ist, umso leichter wird auch der Einsatz der Experten. Mit einem Plan B für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, ist das Gebot dieser Stunde, mit der niemand rechnen will.

Checkliste für den Fall der Fälle

» Weitere Informationen: www.WKO.at/tirol/arbeitsrecht bzw. www.WKO.at/tirol/unternehmerservice

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