Gameware trotzt den Internetgiganten

Vor über zwanzig Jahren trafen sich Mark Rehm und Christian Veber beim Spielen am Automaten. Um neben dem Studium ein bisschen Geld dazuzuverdienen, gründeten sie gemeinsam die Firma Gameware. Seit 1998 vertreibt das Unternehmen seine Spiele vor allem über das Internet.

Reine Spielegeschäfte sind wie Plattenläden auf den Vertrieb physischer Datenträger angewiesen. Die Konkurrenz ist groß. Elektronikriesen und Internetgiganten stellen eine große Bedrohung für kleinere Unternehmen dar. Um im Kräftespiel des Markts nicht unterzugehen, müssen Firmen wie Gameware ihre Nische finden.

Geschäftsführer Mark Rehm erklärt: “Wenn die Konkurrenz auf der einen Seite das Internet mit Amazon ist und auf der anderen Seite Media Markt und Saturn stehen, dann musst du gut sein und etwas zu bieten haben, sonst hast du keine Chance. Wir bieten unseren Kunden kostenlosen Expressversand, individuelle Beratung, umfassenden Service und niedrige Preise. Die meisten Käufer sind Stammkunden. Die Leute kommen immer wieder gerne in unser Geschäft.”

Die Hauptzentrale der Firma befindet sich heute im Innsbrucker Greif Center. Als Gameware noch in den Kinderschuhen steckte, erhielt das Unternehmen starken Rückenwind durch die einst strengen Jugendschutzverordnungen der damaligen deutschen Familienministerin Ursula von der Leyen.

Rehm erinnert sich: “Uns ist damals zu Hilfe gekommen, dass der deutsche Jugendschutz unter “Zensursula” sehr streng war. In Österreich darf jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, Spiele in der Originalversion erwerben und spielen. Deutschland hat das anders gemacht. Dort durfte man zwar ab 16 spielen, aber das Game wurde davor modifiziert, also an die Landessitten angepasst. Wir haben immer versucht, die unzensierte Version anzubieten, was den Kunden natürlich sehr wichtig ist. Wenn ich ein Spiel kaufe, will ich es so spielen, wie es der Hersteller ursprünglich konzipiert hat. Durch das Uncut-Flair konnten wir bei den Kunden punkten.”

Grenzenloser Verkauf

Spiele nur regional an Kunden im Umland zu verkaufen, reicht nicht aus, weiß Firmengründer Christian Veber. Für ihn war der Weg in den Online-Handel von Anfang an klar: “Sobald das Internet öffentlich zugänglich wurde, haben wir unsere Homepage online gestellt. Wir sind sehr stark im Online-Handel, haben die Webseite 1998 aufgemacht und sind recht gut gewachsen. In Hochzeiten hatten wir bis zu 15 Mitarbeiter. 95 Prozent unserer Verkäufe laufen über den Online-Versand und von diesen 95 Prozent sind 80 Prozent der Kunden Deutsche”, so Veber.

Der Verkauf digitaler Kopien boomt. Spiele können heutzutage mit nur einem Klick erworben werden. Für Veber ist der Besitz eines physischen Datenträgers unersetzlich: “Ein Freund von mir hat mich einmal gefragt, welches Spiel er seiner Tochter kaufen soll. Ein Gameboy-Spiel oder lieber eines fürs Handy? Dann habe ich zu ihm gesagt: Handyspiele sind schön und gut, aber eben digital. Wenn du etwas Gutes essen willst, gehst du ins Fast-Food Restaurant oder ins Gourmet-Restaurant? Die Handyspiele sind wie Fast-Food und Spiele auf physischen Datenträgern sind ein richtiges Essen.”

Rehm pflichtet seinem Kollegen bei und ergänzt: “Ein Vollpreisspiel willst du einfach kaufen und besitzen, mit der Möglichkeit, es wieder tauschen oder verkaufen zu können. 70 Euro mit einem Klick zu bezahlen und dann nichts in der Hand zu haben, ist nicht sonderlich attraktiv. Und wenn der Server spinnt, hast du erst recht nichts in der Hand. Auch das Herunterladen kann sehr mühselig sein, wenn du nicht gerade in einer Glasfaser-Testgemeinde wohnst.”

Comeback der Brettspiele

Auch Gesellschaftsspiele erfreuen sich wieder größerer Beliebtheit. Rehm und Veber haben diesen Trend erkannt und ihr Geschäftsmodell darauf abgestimmt: “Vor fünf Jahren haben wir mit dem Vertrieb von Brettspielen angefangen. Das Geschäft läuft wirklich sehr gut, in unserem breiten Angebot findet jeder ein Spiel, das zu ihm passt. Wir sind außerdem Flagshipstore von zwei großen deutschen Spieleverlagen. In unserem Sortiment führen wir die hochwertigsten Brettspiele, die es überhaupt gibt”, erläutert Veber.

Für Rehm lässt sich das Revival der Brettspiele durch die gestiegenen Anforderungen der Kunden erklären: “Meine Theorie ist, dass die Leute Komplexität in Spielen vermehrt zu schätzen wissen. So toll Halma oder Mühle früher waren, die Menschen wollen etwas Anspruchsvolleres spielen. Damit meine ich Spiele mit interessanten und fordernden Konzepten, die wir in Hülle und Fülle anbieten.”

Gameware trotz den Internetgiganten

» Weitere Infos: Gameware

Bild oben: Die E-Commerce-Pioniere Christian Veber (l.) und Mark Rehm (r.): “Sobald das Internet öffentlich zugänglich wurde, haben wir unsere Homepage online gestellt.” Foto: Gameware.at

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