Tiroler stärken dem Tourismus den Rücken

Eine Untersuchung des MCI bescheinigt den Tirolerinnen und Tirolern ein hohes Tourismusbewusstsein, beleuchtet aber auch Problemzonen. Kritische Stimmen übertreffen sich gegenseitig im Schwarzmalen. Die Branche setzt hingegen auf Sachlichkeit und Augenmaß.

Kaum ist die aktuelle Studie des MCI zum Tourismusbewusstsein veröffentlicht, wird der Tourismus zur Zielscheibe überzogener Kritik. Aber lassen wir einmal die Kirche im Dorf und sehen uns die entscheidenden Ergebnisse an: Sage und schreibe 98 Prozent schätzen die wirtschaftliche Bedeutung und den Stellenwert des Tourismus als hoch ein. 92 Prozent sehen im Tourismus einen wichtigen Arbeitgeber. Und 82 Prozent sagen, dass es ohne den Tourismus wichtige Einrichtungen und Infrastrukturmaßnahmen nicht geben würde. Damit ist der weitaus überwiegenden Mehrheit der Tirolerinnen und Tiroler bewusst, dass der Tourismus ein zentraler Motor für Wohlstand und Einkommen ist und ein Viertel aller Tiroler Arbeitsplätze schafft. „Das war vor der Studie nicht so klar – ständig wurde behauptet, große Teile der Bevölkerung seien dem Tourismus gegenüber negativ eingestellt und würden dessen Leistungen nicht erkennen“, betont Landtagsabgeordneter und Fachgruppenobmann der Hotellerie, Mario Gerber.

Mitarbeiter als größtes Kapital

Wo Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Besonders in den Bereichen Tourismus als Arbeitgeber, Quantität und Wertschöpfung ist unbestritten Verbesserungsbedarf gegeben. Für die heimischen Touristiker sind das keine überraschenden Ergebnisse – sie kennen diese Problemfelder aus der Praxis und sind längst dabei, mit zahlreichen Maßnahmen gegenzusteuern. So sehen 67 Prozent der Befragten den Tourismus als attraktiven Arbeitgeber, aber nur 35 Prozent schreiben Tourismusberufen ein positives Image zu. „Wir kämpfen hier zum Teil mit Problemen aus der Vergangenheit. Moderne Tourismusbetriebe gehen einen völlig anderen Weg und investieren massiv in ihr größtes Kapital, die Mitarbeiter“, erklärt Alois Rainer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der WK Tirol.

Ein weiterer kritischer Punkt ist das Spannungsfeld zwischen Quantität und Qualität. 74 Prozent wünschen sich, dass die Anzahl der jährlichen Gäste gleichbleiben soll, 73 Prozent orten eine Beeinflussung der Lebensqualität durch den touristisch verursachten Verkehr. „Der Fokus liegt seit einigen Jahren auf Wertschöpfung statt Masse“, erklärt Spartenobmann Josef Hackl, „die Devise ist ganz klar: Qualität statt Quantität.“ Das zeigt sich auch daran, dass seit Herbst ein Förderstopp für neue Betten besteht. „Das ist ein deutliches Signal, wohin die Richtung geht“, so Hackl. Die Studie zeigt auch, dass Nachhaltigkeit für viele Befragte eine zentrale Rolle spielt. „Die Touristiker wissen ganz genau, was sie an Tirol haben. Wir brauchen keine kalten Betten und achten darauf, dass natürliche Grenzen eingehalten werden“, erklärt Hackl. Die Touristiker drängen etwa darauf, dass Investorenmodelle keine Umgehung des Freizeitwohnsitz-Verbots darstellen dürfen.

Tourismusstrategie in Überarbeitung

Diese bekannten Problemzonen haben sowohl das Land als auch die Branche erkannt. Der Landeshauptmann hat bereits den Auftrag erteilt, die Tourismusstrategie in den bekannt kritischen Punkten zu überarbeiten – von der Steigerung der Wertschöpfung über eine Attraktivierung der Tourismusberufe bis hin zum schonungslosen Aufzeigen von Fehlentwicklungen, einem stärkeren Augenmerk auf Mobilität und leistbaren Angeboten für Tiroler. „Den Touristikern sind diese vorhandenen Probleme bewusst und sie stehen daher voll hinter der Linie des Landes“, erklärt Mario Gerber, „die hohe Wertschätzung der Bevölkerung ist der Auftrag, unsere starke Branche für Tirol weiterzuentwickeln – anstatt diese tragende wirtschaftliche Säule vor lauter Alarmismus und Schwarzmalerei zu schwächen. Der Tiroler Tourismus braucht ein Fitness-programm – aber keine Totengräber.“

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Drei Fragen an...Alois Rainer, Fachgruppenobmann Gastronomie in der WK Tirol
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