Innovationspreis für Liebherr

Beim Tiroler Innovationspreis belegte Liebherr in der Kategorie “Konzepte mit Innovationspotential” den ersten Platz. Mit ihrem System der Multipath Power Transmission führt Liebherr zwei Prinzipien der Kraftübertragung zusammen. Hydraulik und Elektrizität, die sich bislang physisch eher im Weg gestanden sind, werden auf ein System reduziert.

Hydraulische Kraftübertragung ist nicht nur ein altbekanntes Prinzip, sondern auch hocheffizient. Sie kommt in Maschinen bereits seit Jahrhunderten zum Einsatz und ist auch heute noch unersetzbar. Allerdings steht sie schon lange nicht mehr alleine da: Auch Elektrizität ist nicht mehr wegzudenken, und mit der zunehmenden Digitalisierung der Industrie gewinnt sie immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile müssen nicht nur Elektromotoren angetrieben werden, auch Sensoren aller Art benötigen Strom und geben Daten über elektrische Signale weiter.

Platzprobleme

So ist es kein Entweder-oder-Szenario. „Hydraulik erlaubt uns die Übertragung großer Kräfte“, erklärt Ulrich Hammerle, Geschäftsführer des Liebherr Werks Telfs. „Und Elektronik brauchen wir zur präzisen Steuerung und Signalübertragung.“ Was eigentlich eine perfekte Kombination sein sollte, ist in der Umsetzung schwierig. Sowohl Elektronik als auch Hydraulik benötigen Platz, der gerade in beweglichen Elementen in vielen Fällen knapp ist. Für die flexiblen Schlauchverbindungen der Hydraulik bedeutet das mehr Stellen, an denen Reibung entsteht, die auf Dauer zu Abnutzung und Schäden führt. Und während hydraulische Elemente sich viel bewegen und Vibrationen erzeugen, sind das genau die Faktoren, die elektrotechnischen Bauteilen alles andere als guttun: Von Steckern, die sich im Dauereinsatz lockern, Lötstellen, die brechen, bis hin zu Mikrocontrollern, die unter den widrigen Bedingungen auf kurz oder lang den Dienst quittieren, entsteht so eine Vielzahl von Problemen.

Logische Lösung

Auseinandergesetzt mit diesem Problem haben sich schon viele – „bislang aber primär in der Theorie“, sagt Hammerle. Deswegen nahm sich Liebherr des Themas an und kam zu einem einfachen Schluss: „Wir haben es mit zwei Arten von Leitung zu tun, die sich gegenseitig im Weg sind“, erklärt er. „Die Lösung lag eigentlich auf der Hand. Wir suchten eine Leitung, die beides übertragen kann.“ Als Leiter dienen dem mittlerweile „Multipath Power Transmission“ getauften System herkömmliche Hydraulikschläuche, die zu Leitern gemacht werden – und zwar für Stromstärken, die sowohl Signale weiterleiten als auch Leistung für Elektromotoren übertragen können.

Entkoppelt

Die große Herausforderung war die elektrische Entkoppelung. Bisher konnten Hydraulikschläuche ohne Rücksicht darauf verlegt werden, ob sie mit Metallteilen in Kontakt kommen. Deswegen mussten die Entwickler hier neue Wege gehen. „Die Hauptinnovation liegt in den Verbindungselementen zwischen den Schläuchen“, erklärt Hammerle. Hier kommen spezielle Kunststoffe und Verarbeitungsschritte zum Einsatz. Bei Liebherr entwickelt und zusammen mit dem Innsbrucker MCI erprobt, machen sie die Elemente gegen Metallkontakte unempfindlich. Die restlichen Bauteile sind allesamt „von der Stange“ und damit jahrelang erprobt. „Wir benötigen weder brandneu entwickelte, teure Schläuche noch exotische Materialien“, bestätigt der Geschäftsführer.

Einsparungspotenzial

Maschinen mit Multipath auszustatten kostet dementsprechend nicht mehr, sondern ist sogar günstiger. Denn anstatt Kabel und Hydraulikschläuche zu montieren, kann das Leitungssystem in einem Arbeitsschritt eingebaut werden. So spart Liebherr bei der Fertigung rund 200 Euro pro Maschine. Was auf den ersten Blick nicht viel ist, entspricht über das Jahr gerechnet einer Kostenreduktion von ungefähr 40.000 Euro. Aber nicht nur die Hersteller profitieren von der Innovation. Im Einsatz fallen gleich mehrere Fehlerquellen weg, die die Wartungsintensität bei regulär konstruierten Systemen erhöhen. So können nicht nur Kosten, sondern auch Ausfallzeiten reduziert werden. „Einen ultimativen Marktvorteil stellt Multipath Power zwar nicht dar“, ist Hammerle überzeugt. „Aber mit der Technik ausgestattet, tragen wir noch einmal zur Qualität und Langlebigkeit unserer Produk»te bei.“

» Weitere Informationen: Liebherr-Werk Telfs GmbH

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