„Wohnen für junge Menschen ermöglichen”

In Tirol ist es besonders schwer neue und leistbare Wohnflächen zu schaffen. Christoph Walser, Bürgermeister von Thaur und Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer hat gemeinsam mit seinem Team die Lösung des Problems gefunden: Ein Musterbeispiel für ganz Tirol.

Wie kann man jungen Menschen auch in Zukunft leistbares Wohnen ermöglichen? Wie kann man Grundbesitzern die Umwidmung schmackhaft machen – ohne die Drohkeule „Enteignung“ schwingen zu müssen? Das Thaur’sche Konzept der gelebten Vertragsraumordnung sieht vor, nicht gewidmete Grundstücke zur Widmung zu bringen. Das funktioniert so: Michael Mustermann besitzt 1000 Quadratmeter Freiland. Die Gemeinde macht ihm nun ein Angebot – wenn er die Hälfte seines Grundstückes an die Gemeinde verkauft – erhält er für die andere Hälfte eine Widmung als Bauland. Über eine ausreichende Entschädigung müssen sich die Grundbesitzer keine Sorgen machen. Walser versichert: „Wir kaufen den Grund für einen Preis, der weit über dem normalen Grundpreis liegt.” So schafft die Gemeinde Wohnraum für ihre Bürger und gibt Grundbesitzern die Möglichkeit ihre Bauflächen aktiv zu nutzen. Die ersten Grundbesitzer in der Innsbrucker Umlandgemeinde haben von diesem Modell mit Begeisterung Gebrauch gemacht.

Voller Erfolg in Thaur

Mit dieser Methode hat die Gemeinde erst kürzlich gut 4.000 Quadratmeter Grund erstanden. Auf diesen Flächen sollen nun wohnbaugeförderte Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. „Das deckt unseren Bedarf für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre”, erklärt WK-Präsident Walser.

Fragen nach der Finanzierung nimmt er gelassen: „Erstens, so billig kommt man eigentlich nie an einen Grund. Zweitens, ob das Geld am Konto oder in Grundstücken liegt ist im Endeffekt egal. Uns geht es darum langfristig für die Bedürfnisse unserer Bürger zu sorgen.”

Entscheidend für den Erfolg des Projekts war und ist für Romed Giner, Obmann des Raumordnungsausschusses in Thaur, der Umgang mit den Grundbesitzern: „Wir haben sie eingeladen und einfach mit ihnen geredet. Alle fanden das Angebot toll und sagten sofort zu.” Rückwidmungen waren für Walser und Giner nie ein Thema: „Über Generationen erarbeitetes Eigentum soll bei den Besitzern bleiben. Ein solch massiver Eingriff ins Eigentum kommt für uns nicht in Frage.”

Tradition beibehalten

Für Walser ist es besonders wichtig die bäuerlichen Strukturen im Dorf zu erhalten. Um festzulegen welche Gebäude von der Gemeinde eine Bauerlaubnis erhalten und welche nicht, wurde das Siedlungsleitbild ausgearbeitet. Potentiellen Bauträgern wird dieses Leitbild vorgelegt sobald sie mit einem möglichen Projekt an die Gemeinde herantreten, damit sie sofort sehen, ob ihr Projekt genehmigt wird oder nicht. Walser betont: „Hier geht es uns vor allem darum dem Bauträger gegenüber offen und transparent zu sein.” Mit dem Konzept der gelebten Vertragsraumordnung hat Walser einen Weg gefunden, der auch im Rest Tirols Anwendung finden könnte: „So muss man in Zukunft Raumordnungspolitik betreiben, mit den Leuten reden, anstatt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden.”

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