Altes Handwerk hochhalten: Handgeschöpfte Dachplatten

Ein ungewöhnliches und gleichzeitig faszinierendes Handwerk übt Peter Bucher im Tiroler Unterland aus. In seiner Dachplattenmanufaktur in Fieberbrunn produziert er handgeschöpfte Dachplatten aus Beton. Das schätzen auch namhafte Kunden.

In früheren Zeiten war das „Plattenmachen“ weit verbreitet – heute zählt die manuelle Dachplattenerzeugung zu den ganz seltenen Handwerken. Peter Bucher ist einer der letzten seiner Art in Europa – umso größer ist das Interesse an handgeschöpften Dach-, Boden-, und Wandplatten aus Portlandzement weit über die österreichischen Grenzen hinaus.

Im Fieberbrunner Weiler Walchau wurde 1946 der Grundstein für eine Dachplattenproduktion gelegt. „Mein Großvater kam als Kriegsversehrter nach Hause und da eine Arbeit am Bau schwierig war, hat er begonnen das zu tun, was viele zu dieser Zeit gemacht haben: mit einem einfachen Schlagtisch Betondachplatten zu erzeugen. In den 1960er-Jahren kam mit der Automatisation der Herstellung das Aus für viele Plattenmacher, wobei die Qualität der automatisiert hergestellten Dachplatten – durch die Verwendung anderer Zuschlagsstoffe lässt die Tragkraft nach – meinen Großvater nicht überzeugt hat. So hat er, um das Geschäft zumindest bis zu seiner Pensionierung weiterführen zu können, einen Schlagtisch mit Rüttler entworfen, mit der drei Platten gleichzeitig gemacht werden konnten. Ich selbst habe nach der HTL-Matura 1981 gemeinsam mit den Großeltern den Betrieb weitergeführt.“

Platz für Individualität

Eine schwierige Zeit: Die industriell verarbeiteten Produkte sind auf den Markt gekommen und haben wenig Platz für Individualität gelassen. „In den 1990er Jahren habe ich dann zusätzlich im Baustoffhandel und Transport gearbeitet, um mich über Wasser zu halten. Aber der Grundgedanke war immer: Ich bin Plattenmacher und das mache ich bis zum Ende. Jetzt ist die Wertschätzung wieder da, die Leute setzen wieder auf Qualität und mein Weg hat sich 100-prozentig ausgezahlt“, so Bucher erfreut.

Die Qualität ist das Entscheidende. Nicht wie billig ist das Produkt, sondern wie nachhaltig ist das Produkt. Bucher folgt bei der Produktion ganz dem alten Vorbild, sie wurde in ihrer ursprünglichen Form beibehalten, um die Qualitätsvorteile der händischen Erzeugung nicht zu verlieren. Ganz wichtig ist Bucher auch der ökologische Aspekt seiner Tätigkeit: „Wir arbeiten ausschließlich nach dem Reinheitsgebot mit Sand, Wasser und Zement. Dadurch ist es uns möglich, ein vollkommen natürliches Produkt herzustellen, das eine Lebensdauer von mehr als 140 Jahren erreicht. „Architekten kommen zu mir und sagen: ich will Platten in dieser Machart, Form und Farbe, neugestaltet, aber mit der alten Qualität – denn du bist der einzige der das noch machen kann – das ist herrlich.“ Wir haben Aufträge quer durch Europa, so ist unter anderem das Dach der Festung Franzensfeste von uns. „Solche Platten zu entwickeln, zu bauen, herzustellen und schlussendlich am fertigen Objekt zu sehen, macht einfach eine Riesenfreude und lässt die viele Mühe vergessen.“

Peter Bucher macht in seiner Dachplattenmanufaktur alles händisch.

Peter Bucher macht in seiner Dachplattenmanufaktur alles händisch. Foto: WKT

Nachhaltigkeit und Achtsamkeit

Jede Platte wird einzeln gefertigt. Beton der höchsten Güte wird nach händischem Einbringen und Vorglätten mittels speziellem Rüttelschild zweimal hoch verdichtet. Anschließend wird mit einem „Abziehmesser“ der Beton mit Walkbewegungen nochmals verdichtet und geglättet. Durch diesen Vorgang erhält die Bucher Dachplatte eine sehr gute Dichtigkeit und eine hohe Druckfestigkeit. Durch Aufbringen von Zement und Wasser entsteht die „Lasur“, die eine vorzeitige Moosbildung verhindert und die Lebensdauer der Bucher Dachplatte wesentlich erhöht. „Im Sommer sind die Arbeitstage länger, im Winter wird kaum etwas gemacht, da ist es zu kalt. Die Mitarbeiter gehen da meist auf Saison und kommen im Frühjahr gut gelaunt wieder zurück.“

Rücksichtnahme auf die Umwelt, Nachhaltigkeit und Achtsamkeit spielen in der kleinen Manufaktur generell eine große Rolle: „Durch die händische Fertigung unserer Dachplatten mit reinen Naturprodukten entstehen keine Emissionen und es wird minimalst Energie verbraucht. Vor allem die Suche nach dem besten Zement, der in seiner Produktion die Umwelt am geringsten belastet war schwierig. Aber mit dem kleinen Zementwerk in Gartenau ist uns das gelungen. Damit tragen wir aktiv zum Klimaschutz und zur Erhaltung einer gesunden Umwelt bei. Wir gehen besonders verantwortungsbewusst und schonend mit den Ressourcen unseres Lebensraumes um.“

Mitarbeiter Franz Remmelhofer arbeitet nach dem Reinheitsgebot mit Wasser, Sand und Zement.

Mitarbeiter Franz Remmelhofer arbeitet nach dem Reinheitsgebot mit Wasser, Sand und Zement.

Vivien Westwood & Co.

„Es wäre oftmals viel einfacher, das Rad nicht immer neu zu erfinden, sondern das alte richtig zu nützen. Meine Kunden haben eines gemeinsam: sie wünschen Nachhaltigkeit, ehrliche Herstellung und höchste Qualität, die noch leistbar ist. Ich habe in den letzten Jahren sehr gute Resonanz erfahren dürfen. Die Familie Kronthaler sowie Vivien Westwood, gehören zu meinen Kunden, genauso wie ein Tatort-Produzent oder der Landwirt aus Oberndorf.

Für die behutsame Sanierung des Sanatoriums Dr. Barner in Deutschland unter der Leitung des Stararchitekten David Chipperfield wurde der europäische Kulturpreis 2018 verliehen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet der Fieberbrunner Plattenmacher mit seinen handgefertigten Dach- und Fassadenplatten. Bucher schaffte es, ein aussterbendes Handwerk wieder salonfähig zu machen. Mittlerweile ist er auch zu einem gefragten Vortragenden geworden, der Mut macht, altes Handwerk weiterzuführen. „Sowohl das Bestreben Altes zu bewahren und sich ständig mit Neuen zu befassen, als auch die gute Mischung der Kunden macht diese tolle Arbeit aus und deshalb bin ich mit Leib und Seele Plattenmacher.“

» Weitere Informationen: www.bucherplatte.com

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