Was hohe Qualität mit Klimaschutz zu tun hat

Der Spartenobmann für Gewerbe und Handwerk, Franz Jirka, ist überzeugt, dass in der Qualität die Zukunft unseres Standortes liegt. Und damit nebenbei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Tirol Q, Tiroler Qualitätshandwerk – ist es Zufall, dass sich gerade im Gewerbe und Handwerk Betriebe selbst Qualitätsstandards auferlegen?

Franz Jirka: Zertifizierungen wie Tirol Q, das Qualitätszeichen für Tiroler Gesundheitsbetriebe, oder das Tiroler Qualitätshandwerk, die Qualitäts-Marke für geprüfte und ausgezeichnete Handwerker, senden ein doppeltes Signal. Zum einen nach außen, in Richtung Kunden. Mit diesen freiwilligen Zertifikaten lässt sich klar kommunizieren, dass sich der Konsument für sein Geld die bestmögliche Qualität erwarten kann. Zum anderen senden diese Qualitätsinitiativen aber auch Signale nach innen, in Richtung Betriebe selbst. In der Praxis herrscht gerade derzeit ausgesprochen hoher Termindruck. Die Auftragsbücher sind voll, und Fachkräfte sind am Arbeitsmarkt praktisch nicht zu finden. Die ganzen Regelwerke, Standards und ISO-Zertifizierungen sind ein wirksamer Mechanismus, um auch in turbulenten Zeiten die selbst auferlegten Qualitätsstandards einzuhalten.

Qualität und Ausbildung – wie hängt das zusammen?

Top Qualität lässt sich nur mit top ausgebildeten Fachkräften erzielen. Die Lehrlingsausbildung ist nach wie vor die ideale Grundlage, um hochwertige Leistungen zu erbringen. Neben dem fachlichen Know-how vermitteln wir in der Lehrausbildung auch, dass Qualität einen hohen Wert darstellt. Die heimischen Betriebe haben nur mit Spitzenprodukten und professionellen Dienstleistungen dauerhaft eine Chance. Wir können und wollen uns im Hochlohnland Österreich nicht mit Billigproduzenten messen. Unsere Facharbeiter sind viel mehr als bloße Monteure, sie verfügen über einmaliges Know-how und müssen dieses Potenzial ausspielen und sich damit ein Alleinstellungsmerkmal im internationalen Wettbewerb sichern.

Qualität und Nachhaltigkeit – gibt es hier Parallelen?

Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, der in Zeiten der Klimadebatte zusehends wieder an Stellenwert gewinnt. Es ist definitiv nachhaltiger, ein qualitativ hochwertiges Produkt über viele Jahre zu nutzen, als Billigware nach wenigen Anwendungen wegwerfen zu müssen. Dazu kommt, dass billig gekauft sich in vielen Fällen doch als teuer gekauft erweist, weil das Produkt nicht hält, was es versprochen hat. Das führt zu einer Renaissance der Qualität – was unserer heimischen Wirtschaft Rückenwind verschafft.

Qualität und Investitionen – wie müssen die Betriebe hier agieren? Und welche Rahmenbedingungen soll die Politik setzen?

Qualitätsleistungen erfordern von den Betrieben ständige Investitionen – in die Ausbildung der Mitarbeiter, in die Anschaffung modernster Maschinen, in den Ankauf von hochwertigen Rohstoffen. Wer mit minderwertigen Werkzeugen arbeitet, braucht die doppelte Zeit und erzielt auch noch ein schlechtes Ergebnis. Es braucht dringend eine weitere Anhebung der Freigrenzen für Abschreibungen und Abschreibungszeiträume, die der tatsächlichen Nutzung in der Praxis entsprechen.

Qualität und Regionalität – wie hängen diese beiden Begriffe zusammen?

Wer auf Qualität setzt, verwendet so weit wie möglich heimische Rohstoffe. Das betrifft zum Beispiel im Bereich Bau Holzprodukte und im Lebensmittelsektor hochwertige Ware heimischer Zulieferer. Diese überall sicht- und spürbare Qualität macht einen Teil der Tiroler Identität aus, den Einheimische und Gäste schätzen. Auch die öffentliche Hand sollte bei ihren Beschaffungen in Zukunft mehr darauf schauen, auf heimische Produkte und Dienstleistungen zurückzugreifen. Das stärkt die regionalen Wirtschaftskreisläufe im Land und löst im Hinblick auf Beschäftigung und Steuerleistung positive Effekte aus.

Was unternimmt die Kammer, um die Betriebe beim Thema Qualität zu unterstützen?

Zum einen sind das die angesprochenen Initiativen wie Qualitätshandwerk Tirol oder Tirol Q. Zum anderen gibt es laufende Veranstaltungen und Fortbildungen, sowohl seitens der Innungen und Sparten als auch seitens unseres WIFI. Ein Großteil der im WIFI-Kursbuch angebotenen Schulungen und Lehrgänge dient direkt oder indirekt der Qualitätssicherung. Es ist wichtig, dass speziell kleine und mittlere Betriebe im stressigen Alltag immer wieder daran denken, auf diese Angebote zurückzugreifen und sich in puncto Qualität ständig weiterentwickeln. Ich bin überzeugt, dass in der Qualität jetzt und in Zukunft die größten Chancen für unseren Standort und unsere Mitarbeiter liegen.

Bild oben: Spartenobmann Franz Jirka weiß, wie wichtig es ist, hohe Qualitätsstandards zu setzen und diese auch konsequent einzuhalten.

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