Die Mühle – Visual Studio: Wie man zeigt, was man sagt

Worte in Bilder fassen, Gedanken zeigen, Vernunft und Verstand gleichzeitig ansprechen – dafür brauchen wir die Kunst der Visualisierung und der Illustration. Die Mühle – Visual Studio mit Sitz im Tiroler Unterland stellt Ideen bildhaft für Unternehmen dar.

Gerhard Buchegger fährt mit einem Kugelschreiber über ein Blatt Papier. Er zeichnet Striche. Lange, kurze, verwischt sie wieder, bis sich eine Figur abzeichnet – und plötzlich geht ein Strich komplett daneben und ein neuer Ansatz entsteht. Besser als jedes Foto veranschaulicht eine Illustration Details und Abläufe. Dargestellt wird nur, was nötig ist. Visualisierung und Illustration ist die Möglichkeit, anderen Menschen Komplexes einfach verständlich zu machen – themen- und branchenunabhängig. Kurz gesagt: Visualisierung macht Business sichtbar. „Aus jeglichem Unternehmens-Thema kann so Bekanntes und Unbekanntes bewusst vor Augen geführt sowie detailliert betrachtet und bewertet werden und macht Prozesse, Kommunikation und Wissenstransfer erfolgreicher“, erzählt Gerhard Buchegger, Illustrator aus Erpfendorf.

Fährt man mit dem Auto einmal quer durch das Unterland, vorbei an Schwaz, Wörgl und noch weiter – fast schon bis zur Salzburger Grenze – findet sich im Ortsgebiet von Erpfendorf Gerhard Bucheggers Schaffenswerkstatt, die Mühle – Visual Studio. Er ist Illustrator und kann im Grunde arbeiten wo er will. „Erpfendorf ist für mich der Eingang zu Tirol. Der Vorteil an so einer Landidylle ist, bei Blockaden einfach vor die Tür in die Natur gehen zu können. Nachdem ich mir den Tag frei einteile, kann ich jederzeit kurz auf den Berg gehen, um meinen Kopf auszulüften. “

Die Freiheit, alleine und frei zu arbeiten

Gerhard Buchegger hat in Linz die HBLA für künstlerische Gestaltung mit Schwerpunkt Freihandzeichnen besucht und dort maturiert. Danach ging es an die FH Salzburg für Design- und Produktmanagement in Kuchl. „Die zeichnerische Komponente hat mir hier immer am besten gefallen. Da kam die Idee zur Selbstständigkeit und ich habe mich entschlossen, Illustrator zu werden – jetzt bin ich seit mittlerweile Juni 2014 selbstständig“, so der Jungunternehmer erfreut. Die eigentliche Intention hinter der Selbstständigkeit war das freie Arbeiten. „Illustration als Form von Kunst muss immer ein freies Arbeiten sein, sonst kann man sein kreatives Potenzial eigentlich niemals entfalten. Und selbstständig Arbeiten bietet eben genau diese Möglichkeit.“ Im Homeoffice zu arbeiten birgt auch Tücken. So ist es wichtig, in den eigenen vier Wänden die Grenzen abzustecken. „Zum Arbeiten muss ich mich jeden Tag ordentlich anziehen, das ist quasi meine imaginäre Grenze zwischen Job und Vergnügen. Denn die Gefahr vom Homeoffice besteht darin, dass man zu lässig wird und dann nichts weiterbringt.“
Die Illustratoren-Szene in Tirol bzw. in Österreich ist überschaubar. „Illustration ist ja im Grunde nichts anderes als eine freihandzeichnerische Visualisierung von Dingen. Das heißt, meine Kunden brauchen ihre Produkte oder Dienstleistungen dargestellt. Der große Vorteil der Illustration ist jener, dass man Dinge darstellen kann, die es noch gar nicht gibt – ich kann alles zeichnen, malen oder darstellen, was der Kunde oder ich möchten“, so Buchegger. „Letztes Jahr hatte ich ein großes Projekt mit einem großen Seilbahnhersteller, der ein Wimmelbuch für Kinder mit dem Schwerpunkt Seilbahntechnik haben wollte. Am Anfang war ich nicht sicher, wie ich die Verbindung zwischen dem technischen Seilbahnaspekt und einer kinderfreundlichen Illustration hinkriege – doch das Endergebnis war einfach super.“

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Gerhard Buchegger bringt Ideen auf Papier. Foto: Die Mühle

Von Büchern und Kinderbüchern, Modevisualisierung von Sportartikelhersteller oder Schuhproduzenten über Hersteller für Campingmöbel oder einfach Kunden, die noch keinen haptischen Gegenstand haben und eine Visualisierung für eine Präsentation brauchen, ist das Spektrum von Buchegger vielfältig. „Aktuell mache ich ein Kinderbuch über einen kleinen Yeti, der aus einer Eiswelt kommt, in der es nur Schnee und die Farben Blau und Weiß gibt. Er kommt dann in eine bunte Welt, wo alles blüht, gedeiht und farbig ist mit kleinen Dingen wie einer Blume oder Schmetterlingen. „Die Idee mit dem Yeti ist mir durch die Landschaft in Erpfendorf gekommen, wo es gefühlt bis Juni Winter war. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht man ja ständig einen Input. Und in diesem speziellen Fall war es die Farbe Weiß. Ansonsten kommen die Ideen während des Zeichnens selbst. Gerade beim Schnell-Zeichnen passieren Fehler – und dadurch kommt man wieder auf etwas Neues drauf. Und so entwickelt sich der Charakter.“

Blick in die Zukunft

„Ich mag es sehr gerne alleine und frei zu arbeiten. Vom Arbeitspensum her würde sich ein Mitarbeiter ausgehen. Aber ich möchte mir momentan noch die Freiheit der Unabhängigkeit behalten. Wer weiß, was in ein paar Jahren dann ist“, so Buchegger fröhlich. „Künftig würde ich gerne mehr großflächige Arbeiten machen, wie zum Beispiel Wandzeichnungen. Das ist ein unheimliches Potenzial, das im Ausland schon gang und gäbe ist – aber in Österreich noch nicht. Wie in Museen oder auch Restaurants. In diese Richtung würde ich gerne noch viel mehr machen.“
Das ganz analoge Arbeiten mit einem Stift und mit einem leeren Blatt Papier macht Gerhard Buchegger sehr zufrieden und füllt seinen Unternehmeralltag aus: „Am Anfang ist da ein leeres Blatt und ein Stift, am Ende ein volles Blatt und ein Stift. Da ist ein Prozess dazwischen, den ich selber nicht ganz steuern kann, geschweige denn verstehen. Aber er ist entstanden. Von 0 auf 100 und dazwischen passiert irgendwas.“

»Weitere Informationen: Die Mühle – Visual Studio

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