Inklusion: Mehrwert für das ganze Unternehmen

23 Tiroler Unternehmen wurden kürzlich mit dem Gütesiegel „Wir sind inklusiv“ wiederausgezeichnet. Was die Betriebe eint, ist nicht nur die vorbildhafte Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, sondern das Wissen um deren Strahlkraft.

Man muss sich halt seine Gedanken darüber machen, welche Arbeitsplätze Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten werden können. Dann geht das sehr leicht“, bringt Michael Arnold, Prokurist der Bellutti GmbH in Innsbruck, den vielleicht entscheidenden Schritt auf den Punkt. „Kein Ding der Unmöglichkeit“ lautet ein vielversprechendes Credo des renommierten Druck-Experten und es beschreibt nicht nur die breite Kompetenz des Unternehmens, sondern offensichtlich auch einen Kern der Unternehmenskultur, zählt die Bellutti GmbH doch zu jenen 23 Tiroler Unternehmen, die Ende Mai 2019 mit dem Gütesiegel „Wir sind inklusiv“ für ihre vorbildhafte Beschäftigung von Menschen mit Behinderung wiederausgezeichnet wurden.

„Wenn wir ein gutes Vorbild sind, freut uns das, keine Frage. Ich bin schon fast 30 Jahre in der Firma und habe das Gefühl, dass wir immer schon Menschen mit Behinderung beschäftigt haben. Eine Initialzündung dafür gab es nicht und weil es seit so vielen Jahren gelebt wird, gibt es auch für niemanden einen Aha-Effekt“, lenkt Arnold den Blick auf die Selbstverständlichkeit, mit der das Unternehmen Mitarbeitern mit Beeinträchtigungen Arbeitsplätze bietet und hält fest: „Da kommt sehr viel von Geschäftsführer Arthur Bellutti, für den diese Dinge schon immer eine hohe Priorität hatten. Ich glaube, dass das in fast jedem Unternehmen möglich ist beziehungsweise wäre.“

Inklusion als Mehrwert für den Betrieb

Diese Überzeugung ist eine starke Säule der Auszeichnung „Wir sind inklusiv“, die vor 15 Jahren vom Sozialministeriumservice als Integrationspreis gestartet und 2015 in das Gütesiegel umgewandelt wurde, für welches sich Betriebe, Gemeinden, Institutionen und soziale Einrichtungen in Tirol beim Sozialministeriumservice bewerben können. „Wenn man sich dem Thema aktiv widmet, ist es ein Mehrwert für das ganze Unternehmen. Aus den Betrieben wird beispielsweise oft berichtet, dass es die Gruppendynamik absolut aufwertet, wenn Menschen mit Beeinträchtigungen zu den Mitarbeitern beziehungsweise Kollegen zählen“, weiß Bernhard Achatz, Mitglied der „Wir sind inklusiv“ -Jury und Abteilungsleiter Arbeits- und Sozialrecht der Wirtschaftskammer Tirol, in deren Festsaal die „Wir sind inklusiv“-Wiederauszeichnung 2019 – 2021 stattfand.

In Zusammenarbeit mit der arge SODIT (Arbeitsgemeinschaft der sozialen Dienstleistungsanbieter für Menschen mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten und psychischen Beeinträchtigungen in Tirol) und dem Sozialministeriumservice wurde zu diesem Anlass kein klassischer Festakt veranstaltet, sondern die Ausgezeichneten zu einem gemeinsamen Nachmittag geladen, um sich über die Wirksamkeit und die wichtigen Fragen im Zusammenhang mit Inklusion auszutauschen. „Es gibt unterschiedlichste Zugänge beziehungsweise Beweggründe der Unternehmen“, berichtet Bernhard Achatz. Für Betriebe mit über 25 Mitarbeitern ist verpflichtend vorgeschrieben, Menschen mit Beeinträchtigungen einen Arbeitsplatz zu bieten. Der Obulus für die Nichterfüllung dieser Pflicht beträgt je nach Mitarbeiterzahl zwischen 262 und 391 Euro pro Monat, doch ist es weder Geld noch Pflicht noch Mitleid, was die jüngst wiederausgezeichneten Tiroler Unternehmen dazu motiviert, vorbildhaft zu wirken.

Egal ob groß oder klein

„Die fröhliche Stimmung mancher Kolleginnen und Kollegen ist geradezu ansteckend. Kurz gesagt: Menschen mit Behinderung sind für alle im Unternehmen ein Gewinn“, hält etwa Christian Dag, Pressesprecher von STIHL Tirol zur positiven Strahlkraft fest. STIHL Tirol (ehem. VIKING GmbH) hat bereits vor vielen Jahren damit begonnen, Menschen mit Behinderung nach Möglichkeit zu integrieren. „Einen besonderen, initiativen Anlass gab es nicht. Mitunter treten Anlässe auch plötzlich ein, einiges davon direkt in unserer Region bzw. vor Ort. Wenn hier auf uns zugegangen wurde, haben wir stets nach Möglichkeiten im Unternehmen gesucht und diese auch gefunden“, sagt Christian Dag und hält fest: „Als Unternehmen mit einer beachtlichen Anzahl an Mitarbeitern mit Behinderung haben wir auch eine gewisse soziale Verantwortung. Dort wo es möglich ist, Personen mit Behinderung in die Arbeitswelt bei STIHL Tirol einzubinden, versuchen wir dies. Nicht in jedem Bereich sind die Voraussetzungen gegeben. Unser Anliegen und unsere Anstrengungen sind diesbezüglich jedoch sehr groß.“

Für den Garten-, Mäh- und Forstgerätespezialisten aus Langkampfen, der nach dem letzten großen Ausbau im Jahr 2019 über 600 Mitarbeiter beschäftigt, hat die Gestaltung bestmöglicher Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter einen hohen Stellenwert. Christian Dag: „Damit jede und jeder die Chance hat, sich gemäß ihres/seines Potenzials zu entwickeln. Lehrlinge ebenso wie Arbeiter, Angestellte oder Führungskräfte… Menschen mit Behinderung machen hier keine Ausnahme. Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung im Sinne der Inklusion definiert unser Unternehmen mit Wahrung von Chancen, Eröffnen von Perspektiven und Führen eines eigenständigen Lebens für möglichst alle.“

Tüpfelchen auf dem i

Die Selbstverständlichkeit, mit welcher diese ganzheitliche Verantwortung gelebt wird, eint die „Wir sind inklusiv“ – Unternehmen des Landes, wobei die Größe keine entscheidende Rolle spielt. „Wir zeigen, dass es auch für kleine Betriebe sehr wohl möglich ist, mit besonderen Menschen erfolgreich zu arbeiten“, sagt etwa Stefan Ortner, Gründer und Geschäftsführer von GreenPrint Osttirol. Die Loyalität allen Menschen gegenüber gehört, so Ortner, zur Firmenphilosophie der 2000 gegründeten Druckerei, in der aktuell fünf Mitarbeiter beschäftigt sind. Seit 2008 zählt eine Mitarbeiterin mit Behinderung zum Team. „Wir kennen uns schon seit Kindheitstagen, sind zusammen aufgewachsen, hatten keine Berührungsängste und es war eigentlich kein großes Thema für uns“, erzählt Ortner und hält weiter fest: „Ich bin dann darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sehr wohl ein Thema ist, wenn Menschen mit Behinderung in der Wirtschaft beschäftigt werden.“ Das Gütesiegel „Wir sind inklusiv“ ist für GreenPrint Osttirol wie das Tüpfelchen auf dem i, rundet die Auszeichnung doch den unternehmerischen Zugang Ortners ab, der als diesbezüglicher Pionier-Betrieb in Osttirol nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie bilanziert. „Das alles passt für uns super zusammen“, sagt er. Vorbildhaft eben.

Bild oben: Vertreterinnen und Vertreter der ausgezeichneten Betriebe nahmen in der Tiroler Wirtschaftskammer die „Wir sind inklusiv“-Urkunden entgegen.

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