Buchbinderei Sanders: „Langeweile hat bei uns Seltenheitswert“

Bernhard Sanders betreibt in Innsbruck die Buchbinderei Sanders und somit ein altes Handwerk, das so gar nicht altmodisch wirkt. Vor Kurzem ist noch eine Gürtelwerkstatt dazu gekommen und wertet das Gewerbe zusätzlich auf.

Im Innsbrucker Stadtteil Wilten, hinter der alten Glockengießerei befindet sich die Buchbinderei von Bernhard Sanders. Ein offener Raum wird von großen Fenstern mit Sonne durchflutet. Braune Dachbalken sorgen für ein wohliges Flair. Man bekommt alte Maschinen zu Gesicht, für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Der Geruch von Papier und Leim liegt in der Luft. Stanzen, drucken, kleben wird hier von Hand gemacht. Fadenheftung und Klebebindung stehen bei Sanders an der Tagesordnung. Messer, Schere und Nadel sind stets am Anschlag. Hier ist spürbar, dass mit viel Liebe zur Sache gearbeitet wird.

Die Eltern Heinz und Luise haben die Buchbinderei 1974 gegründet und eine Werkstätte für Sonderarbeiten errichtet. Die klassische Buchbinderei war schon von anderen gutgehenden Unternehmen belegt und so musste man sich eine Nische suchen, um zu überleben. „Ich habe damals eine Buchbinderlehre bei der Firma August Kahrer gemacht, eine tolle Werkstätte mit einem breiten Portfolio. Danach bin ich als Geselle bei meinem Vater in den Betrieb gekommen und hatte die Chance, meine eigenen Ideen und kreativen Ansätze einwirken zu lassen. 1995 habe ich übernommen, 2003 haben wir schließlich die aktuelle Werkstätte in der Neurauthgasse gefunden und das ist seither unser künstlerisches Zuhause“, erzählt Sanders.

Vielseitig bleiben

Die Buchbinderei ist ein vielseitiges Genre, indem Langeweile einen Seltenheitswert hat. Das Grundmaterial ist Pappe oder Papier, das mit verschiedenen Überzugsmaterialien bearbeitet wird. Ein Schwerpunkt liegt hier in der Lederverarbeitung. Kassetten, Buchschachteln, Etuis, Kartonagen, Speisekarten, Urkunden werden geprägt – es gibt alle Arten und Techniken der Buchgeschichte.

Neben dem Trend zu maßgeschneiderten Buch- oder Papiererzeugnissen ist es auch die gegenwärtige Sehnsucht nach Haptik, die den Handbuchbindern entgegenkommt. Das sieht auch Bernhard Sanders so. Deshalb bietet er auch Buchbinde-Seminare an, die gut besucht sind. „Ich möchte ein Bewusstsein für dieses schöne Handwerk schaffen“, erklärt Sanders. „Leute, die sehr schöne und auch geistreiche Berufe haben, jedoch zunehmend am Computer arbeiten, finden mehr und mehr den Weg in die Buchbinderei Sanders – und machen dort einen Workshop, bei dem schlussendlich eine schöne Mappe oder ein Heft entsteht. Die Wahrnehmung und die Wertschätzung des Handwerks sind in letzter Zeit wieder gestiegen. Wir wollen kein Museum sein, sondern aktiv eine lebende Werkstätte bleiben, vielleicht auch für digital Erkrankte“, so der 47-jährige Buchbindermeister schmunzelnd.

Einzigartig

Mit seinen vier Mitarbeiterinnen bietet Sanders das komplette Angebot klassischer buchbinderischer Arbeiten an. Der Schwerpunkt liegt in der Lederverarbeitung, der Präsentationstechnik, den Sonderarbeiten sowie der Konzeption, Gestaltung und Ausführung kreativer Bindetechniken. „Einzigartig ist, dass wir mit Freude arbeiten und nicht alle gleich geschalten sind. Wir sind aus unterschiedlichen Berufen, wie z. B. der Grafik und der Kalligraphie, hier in der Buchbinderei gelandet. Nur mit Fleiß und Schnelligkeit kann man überleben. Das ist uns bisher gelungen und wir setzen es so fort. “

2016 hat Sanders zusätzlich eine eigene Gürtelwerkstatt eröffnet. Die daraus gewonnenen Kenntnisse im Umgang mit Leder bringt er in seiner kreativen Arbeit ein. So entstanden neue Ganzledertechniken. Kreativ und wach zu bleiben, ist hier das Stichwort. „Wir bleiben innovativ, indem wir über die Landesgrenzen schauen, dass wir international vernetzt bleiben und uns auch aus anderen Berufen Inputs holen. Das Tolle ist die Abwechslung und auf diese Art bleiben wir interessant“, so Sanders. Welche Eigenschaften Sanders bisher so erfolgreich gemacht haben? „Neugierde, Ausdauer und die Sehnsucht nach Freiheit und die Fähigkeit, sich immer wieder neu entdecken zu können“, so der Meister motivierend. „Diese Mischung aus Kultur- und Konsumgut ist sehr spannend. Wir machen etwas Schönes fürs Auge und gleichzeitig entstehen Wertgegenstände. Man sieht am Ende des Tages, was wir geleistet haben und das macht zufrieden.“

Bernhard Sanders unterstützt regelmäßig Buchgestalter mit fachkundigem Rat. Er ist aktives Mitglied im Weissraum, im Designforum Tirol und unterrichtet an der GBS Schule für Gestaltung in St. Gallen, der FH Dornbirn und am Centro del bel libro in Ascona (Schweiz) und agiert als Juror für internationale Bewerbe.

» Mehr über das Unternehmern: Buchbinderei Sanders

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