Verunsicherung ist Gift für die Wirtschaft

Politische Irritationen lassen das unternehmerische Risiko nach oben schnellen, wie Umfrageergebnisse zeigen. Das bremst Investitionen, die jedoch für die Arbeitsplätze von morgen wichtig sind.

Im Zuge des aktuellen Konjunkturbarometers der WK Tirol wurde die Einschätzung des unternehmerischen Risikos abgefragt. 81 Prozent der heimischen Betriebe sehen in den nächsten sechs Monaten keine Zunahme der geschäftlichen Risiken, blicken also gelassen in die Zukunft. Das ist an sich überraschend, denn die  Turbulenzen auf Bundesebene und die Einsetzung der Übergangsregierung scheinen keine große Unsicherheit aufzulösen. Der Übergang wurde offenbar gut mithilfe der für derartige Situationen gewappneten Verfassung bewerkstelligt.

Also alles in Ordnung? Nicht ganz – denn ein genauer Blick auf die Auswertung zeigt, dass dieser Befund nicht für alle Bereiche der Wirtschaft gilt. Besonders zwei Tiroler Branchen schätzen das unternehmerische Risiko überproportional hoch ein (siehe Grafik unten). Zum einen betrifft das die Sparte Information und Consulting, in der die Immobilienwirtschaft angesiedelt ist. Zum anderen die Verkehrswirtschaft. Diese Ausreißer sind nicht zufällig, sondern ein direktes Ergebnis von Ursache und Wirkung. Die Ursache liegt in beiden Bereichen in der intensiven Diskussion im Land, einerseits über die Einführung des so genannten Interessentenmodells im Grundverkehr, andererseits über die Verschärfung von Fahrverboten im Zuge der Transit­debatte. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass heimische Firmen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Verlässlichkeit statt Risiko

In beiden Bereichen dauert die öffentliche Debatte seit Monaten an und die Politik hat den einen oder anderen Testballon steigen lassen, um dessen öffentliche Wirkung auszuloten. „Diese Situation führt jedoch zu handfesten wirtschaftlichen Problemen. Durch die Verunsicherung geht die Investitionsbereitschaft zurück, die bereits generell rückläufig ist“, warnt WK-Präsident Christoph Walser. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Investitionsklima quer über alle Sparten stark abgekühlt und auf weniger als die Hälfte reduziert – aktuell wollen nur 19 Prozent der Betriebe ihre Investitionen steigern. „In Branchen mit Verunsicherung ist die Bereitschaft für Investitionen noch geringer. Ein Zickzackkurs der Politik wirkt sich immer negativ aus“, so Walser. Das ewige Hin und Her beim Rauchverbot ist ein Beispiel dafür, wie es die Politik nicht machen soll. Betriebe können mit einem Ja oder einem Nein leben. Nicht leben können sie damit, dass sie wie in diesem Fall hohe Investitionen für die Abtrennung von Raucherbereichen vorgenommen haben und jetzt auf diesen Kosten sitzen bleiben.

Die Politik muss ihre öffentlichen Äußerungen sorgfältig abwägen und darf sich nicht durch Schnellschüsse als Investitionsbremse erweisen. Im Gegenteil: Die Investitionsbereitschaft muss einerseits durch Verlässlichkeit gestützt werden, andererseits durch steuerlichen Anreize. „Investitionen von heut­e sind die Arbeitsplätze von morgen. Die Politik muss vor allem Stabilität und Planbarkeit gewährleisten. Wirtschaft ist in hohem Maße Psychologie. Deswegen müssen die politischen Rahmenbedingungen so gestalten sein, dass der Blick nach vorn Anlass zu Optimismus gibt“, fordert WK-Präsident Christoph Walser.

unternehmerisches Risiko minimieren - Arbeitsplätze sichern

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