Standort Tirol: Spannende Branchen, spannende Zukunft

Allein durch Gründung, Erweiterung und Ansiedelung von Unternehmen wurde im Jahr 2018 die Tür für 240 neue, hochwertige Arbeitsplätze in Tirol geöffnet. Die Unternehmen Qwstion und BHS Technologies sind nur zwei Beispiele.

Der Kubus ist ein echter Blickfang. Und er weckt Neugier. „Für uns hatte es Priorität, ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, schöne Arbeitsplätze, wo man gerne seine Zeit verbringt“,  stellt Hannes Schönegger fest – und ergänzt: „Wir verbringen viel Zeit dort.“ Schönegger ist CEO und Co-Founder der „Qwstion International GmbH“ und wenn er von „dort“ spricht, meint er die 2018 bezogene neue Firmenzentrale des Unternehmens im Gewerbegebiet der Gemeinde Reith bei Seefeld.

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Die Qwstion International GmbH hat in Seefeld ein neues “Zuhause” gefunden. Foto: Qwstion

Taschen und Rucksäcke, die sich sowohl für den Arbeitsalltag als auch fürs Ausgehen eignen und aufgrund des beide Welten verbindenden Designs den „Taschenberg“ reduzieren, sind der pulsierende Kern, um den sich das Unternehmen dreht – wobei der Radius sukzessive erweitert wird. Es sind ganz und gar nicht „irgendwelche“ Taschen oder Rucksäcke, die das fünfköpfige, sich aus drei Schweizern, einem Holländer und einem Österreicher zusammensetzende und damit durchaus als international zu bezeichnende Team vor knapp zehn Jahren vor Augen hatte, als das Unternehmen gegründet wurde. Die Multitasking-Eigenschaft ist die eine Besonderheit der  Produkte und die andere schlägt eine schöne Brücke zum Holz-Kubus, der das Headquarter der Firma beherbergt.

Die vom Designbüro in der Schweiz gestalteten Taschen wie Rucksäcke werden zu 100 Prozent aus nachhaltigen Materialien hergestellt und diese Philosophie ist es, die auch den smarten Holzwürfel auszeichnet. Der Kubus ist mit einer 100 Quadratmeter großen, in die Südfassade integrierten Photovoltaikanlage sowie Geothermie-Wandheizkörpern im Inneren ausgestattet, womit das Gebäude energieautark ist.

“Wir mussten uns entscheiden – entweder woanders hingehen oder selbst bauen.”
Hannes Schönegger

Eben weil sie so beeindruckend ist, wurde die Firmenzentrale, die alle logistischen Finessen für den Versand der Produkte in 45 Länder erfüllt, mit dem Tiroler Holzbaupreis 2019 ausgezeichnet. Zahlreiche Auszeichnungen sind es auch, welche Qwstion für seine Taschen und Rucksäcke bereits bekam und weil das Unternehmen auf einem derart erfolgreichen Kurs ist, war es auch notwendig geworden, in Quadratmetern zu wachsen.

„Früher waren wir immer zur Miete, bis wir aus den Objekten herausgewachsen sind. Das war auch an unserem früheren Standort in Seefeld so und wir mussten uns entscheiden – entweder woanders hingehen oder selbst bauen“, so Schönegger. Die Entscheidung fiel auf letzteres – und: „Die Standortagentur hat uns dabei unterstützt, einen geeigneten Standort beziehungsweise ein geeignetes Grundstück zu finden und auch in anderen Fragen wertvolles Feedback gegeben.“

Prickelnde Vielfalt

Die Qwstion GmbH ist eines von 38 Unternehmen, welche die Standortagentur Tirol im vergangenen Jahr dabei unterstützt hat, ihren Tiroler Betrieb zu erweitern oder sich in Tirol anzusiedeln, wobei sich die Erstinvestitionen der Projektbetreiber auf insgesamt 20 Millionen Euro belaufen. Mitte Mai 2019 präsentierte die Standortagentur den Tätigkeitsbericht für das Jahr 2018 und die Zusammenfassung offenbarte eine breite Vielfalt an unternehmerischen Highlights und unterstützenden Aktivitäten.

„Kernzielgruppe der Standort-agentur Tirol sind die Tiroler Betriebe, für diese erbringt die Standortagentur Tirol 80 Prozent ihrer Leistungen“, hält die Tiroler Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf fest und führt weiter aus: „Eine ihrer Aufgaben ist es, Forschung, Innovation und Digitalisierung in den Unternehmen zu begleiten und über Fördermöglichkeiten zu beraten.

Damit werden Standort und Unternehmen wettbewerbsfähiger und die hochwertigen Arbeitsplätze im Land laufend auf- und ausgebaut.“ Forschung ist ein Schlüsselwort, wenn es darum geht, die Zahl ebendieser Arbeitsplätze im Land zu erhöhen, der Anteil der forschenden Unternehmen bei insgesamt 45 unterstützten Erweiterungen, Ansiedlungen und realisierten Technologieausgründungen liegt im Jahr 2018 bereits bei 50 Prozent und in den ersten drei Planungsjahren rechnen die betreffenden Unternehmen mit 240 hochwertigen, neuen Arbeitsplätzen.

Startup-Rakete

Mit ihren maßgeschneiderten Services für Start-ups und innovative Betriebe arbeiten die Mitarbeiter der Standortagentur wie der WK Tirol in diese Richtung und ebnen dafür entscheidende Wege. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie geniale Ideen durch passende Antworten der Experten zu wahren Raketen werden können, ist das Innsbrucker Start-up BHS Technologies, das gerade dabei ist, die Arbeit der Chirurgen im OP zu revolutionieren. AMP heißt das clevere Instrument – das erste RoboticScope der Welt – mit dem die Mikrochirurgie zu einem entscheidenden Sprung ansetzen kann.

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Das AMP RoboticScope hebt das Konzept des Operationsmikroskops in der Mikrochirurgie auf eine neue Ebene. In Tirol hat das Team von BHS Technologies optimale Rahmenbedingungen für die Entwicklung vorgefunden. Foto: Die Fotografen

„Der Operateur trägt eine Brille und mit diesem Display am Kopf kann er das Operationsmikroskop intuitiv steuern. Er hat beide Hände frei und kann sie immer im Operationsfeld lassen“, erklärt Markus Hütter, Geschäftsführer von BHS-Technologies, den Clou.

Bislang müssen sich die Meister der Mikrochirurgie teils in unmöglichen und ergonomisch üblen Haltungen dem OP-Mikroskop anpassen und zumindest eine Hand anlegen, um das Operationsfeld in der gewünschten Perspektive betrachten zu können. Die Lücke, die mit dem RoboticScope geschlossen werden kann, ist erstaunlich groß und erstaunlich alt. Ende der 1950er-Jahre wurde das Konzept des Operationsmikroskops entwickelt, das in der Mikrochirurgie zum wichtigsten Werkzeug wurde.

“Time to market ist wichtig. Wenn man zu spät ist, ist man zu spät.”
Markus Hütter

Während der technologische Fortschritt auf allen erdenklichen Ebenen die Welten umkrempelte, wurde dieses Konzept nie grundlegend weiterentwickelt. Bis BHS Technologies mit genau diesem Ziel gegründet wurde.

2016 kam sie, die zündende Idee. „Ich habe meinen Buddy Michael Santek gefragt, ob er sich vorstellen könnte, ein digitales Operationsmikroskop zu bauen. Er hat seinen Freund Gregor Burger gefragt und als auch der meinte, dass so etwas schon möglich wäre, war der Startschuss gegeben“, erzählt Hütter. Die Firma wurde gegründet – und schon legten sie los. „Ich habe einen Businessplan geschrieben und mich um Mittel für die Entwicklung und Einführung eines solchen Produktes bemüht. Dann sind wir durch die Förderlandschaft gewandert, haben Gelder bekommen und jetzt sind wir bald fertig“, so Hütter.

Knackiger Takt

Beim Deutschen HNO Kongress, der kürzlich in Berlin stattgefunden hat, wurde AMP erstmals einer so breiten wie fachkundigen Öffentlichkeit vorgestellt. Der Kongress stand unter dem Thema „Digitalisierung in der HNO-Heilkunde“ und das RobotocScope passte zum Thema wie das berühmte Tüpfelchen auf das i. HNO-Chirurgen aus der ganzen Welt konnten das RoboticScope dort erstmals erleben, selbst ausprobieren, sehen, wie das digitale System funktioniert und die Reize des intuitiven Perspektivenwechsels kennenlernen. Noch wird daran gefeilt, das Robotersystem leicht in Serie produzierbar zu machen, 2020 wird mit der CE-Kennzeichnung gerechnet und dann kann das RoboticScope verwendet werden.

Der Takt war knackig. „Time to market ist halt wichtig. Wenn man zu spät ist, ist man zu spät“, sagt Hütter, der Rahmen und Regeln der medizintechnischen Markt-Arena bei der Med-El GmbH kennengelernt hatte. Dort hatte auch Michael Santek gearbeitet, in der Entwicklung, und Hütter stellt fest: „Entwicklung trifft Markt. Diese Kombination war ausschlaggebend. Wir wollten etwas auf den Markt bringen, was Sinn macht und wir wollten Technologien verwenden, die einfach geil sind.“

Idee und Ansatz überzeugten in Windeseile. „Sie haben sofort Förderungen vom Land Tirol, der FFG und des Austria Wirtschaftsservice bekommen. In der Höhe schaffen das nur wirklich innovative Firmen“, sagt Anja Niedworok, Innovations- und Markenexpertin der WK Tirol, die das Start-up von Anfang an begleitete und wichtige Türen öffnete. „Von ihr haben wir immer super Tipps bekommen, sie ist eine tolle Hilfe“, weiß Markus Hütter die Unterstützung zu schätzen. Das Team von BHS Technologies wird sie wohl weiter in Anspruch nehmen, sind doch zahlreiche Weiterentwicklungen geplant, die stellvertretend sind für die spannenden Branchen und die spannende Zukunft des Standortes.

» Weitere Infos: Qwstion, BHS Technologies

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