Ungewöhnlicher Bildungsweg: Studium und Meisterbrief

Mit „etwas Sinnvollem” wollte Mona Pfister gegen Ende ihres Wirtschaftsstudiums die Zeit zum Abschluss überbrücken. Auf ungewöhnlichem Bildungsweg absolvierte sie die Friseurlehre im stolzen Familienunternehmen, arbeitet dort als Friseurin, hat im Vorjahr ihren „Meister” gemacht und weiß: „Es ist auf jeden Fall ungewöhnlich.” Noch.

„Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom”, wusste Albert Einstein. Vor dem Hintergrund dieser genialen Weisheit schafft Mona Pfister täglich Großes und die Energie, die sie dabei freisetzt, rückt ihr Handwerk in das Licht, das ihm gebührt. „Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und die Friseurlehre absolviert. Es ist schon interessant, wie die Leute darauf reagieren, weil der Beruf der Friseurin vielfach immer noch so dargestellt wird, als wäre man nicht so klug”, sagt Mona Pfister. Täglich straft sie dieses Vorurteil Lügen. Und zertrümmert die vorgefasste Meinung mit viel Können und Charme.

„Ich habe schon immer gerne bei Freunden Haare geschnitten und im Salon meiner Eltern mitgeholfen, doch konnte ich mir früher nicht vorstellen, das jeden Tag zu tun”, blickt die 1989 Geborene zurück und hinein in das Friseurunternehmen der Familie. Der Name Pfister ist in Tirol untrennbar mit Meisterschaften in facettenreichen haarigen Angelegenheiten verbunden und Mona wuchs in dieser Welt auf. Einer Welt, in der zwischen dem Vorher und Nachher das kreative Schönheitsgefühl in handwerklicher Perfektion umgesetzt werden will. Weil Haare nicht nur die Individualität unterstreichen sondern auch den Charakter entfalten und nicht zuletzt ein Wohlgefühl beim Blick in den Spiegel auslösen – wenn sie denn meisterlich geschnitten wurden.

Das Familien-Gen

Margot und Franz Pfister hatten 1961 in Schwendau im Zillertal den Grundstein für das Unternehmen gelegt. Dafür und für ein Familien-Gen, das der Schönheit verpflichtet ist. „Mein Opa ist noch voll fit. Er betreibt das Perückenstudio in Innsbruck”, erzählt die Enkelin. Mit seinen Standorten in der Tiroler Landeshauptstadt, Salzburg und Linz ist „Perücken Pfister” nicht irgendein Studio. Seit Jahren ist das Unternehmen das einzige zertifizierte Zweithaarstudio Österreichs und unterstützt Menschen, die meist aus gesundheitlichen Gründen eine Perücke brauchen, so professionell, individuell wie schnell. Franz Pfister war Landes- und Bundesinnungsmeister, feierte vor Kurzem erst seinen 79. Geburtstag und das schon angesprochene Gen zeigt auch in der zweiten Generation seine
energiegeladenen Seiten.

Peter F. Pfister und seine Frau Margit haben im Jahr 2005 – Tochter Mona war damals 16 Jahre alt – den Firmensitz nach Ramsau im Zillertal verlegt und dort einen großzügigen, hellen Salon „erschaffen”, in dem insgesamt zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten. Zum Familienunternehmen zählt auch die „Coiffeur Pfister”-Filiale in Tux, und der kleine Salon in Gerlos, der 2016 übernommen und wieder eröffnet wurde. Die Frisiersalons im Zillertal sind wichtige Nahversorger in Sachen Schönheit in der Region, doch die familiäre Leidenschaft strahlt weit über die Grenzen des Zillertals hinaus. Weil Peter F. Pfister sein Können leidenschaftlich zu teilen versteht. Er ist Präsident der Intercoiffeure Österreichs, Mitglied des Weltpräsidiums von „Intercoiuffure Mondial” und hat im Jahr 2015 als erst fünfter Friseur weltweit den „Globe Educator Award” erhalten. „Er macht das wirklich sehr gern”, weiß Tochter Mona.

Die Entscheidung

„Ich bin auf die HAK gegangen und war mir nicht ganz sicher, was ich danach machen soll”, erzählt sie, „da habe ich mich für das Studium der Wirtschaftswissenschaften entschieden, weil das überall Sinn macht – egal in welchem Bereich.” Die Buchhaltung erledige sich ja nicht von alleine, weiß sie, „und ein Grundgespür dafür ist schon sehr hilfreich.” Während des Studiums war der Sog zurück ins Zillertal, zurück in das Familienunternehmen noch nicht allzu groß gewesen: „Dann war es so, dass ich mit dem Studium fast fertig war. Es fehlte mir aber noch etwas, weswegen ich ein halbes Jahr Stillstand hatte und da sagte ich mir, entweder mache ich mehr Stunden in meinem Nebenjob oder ich mache etwas Sinnvolles zum Studium dazu – die Friseurlehre.”

Mit Erfolg legte sie die Meisterprüfung für das Handwerk Friseur- und Perückenmacher ab und wuchs handwerklich wie unternehmerisch in den Betrieb, dessen Management sie als Assistentin der Geschäftsführung längst mitbestimmt. „Ich bin vier Tage die Woche in Ramsau und mache auch die Buchhaltung für den Betrieb meines Bruders Sebastian in Salzburg”, erzählt sie. Auch Sebastian Pfister hat neben dem Wirtschaftsstudium den Friseurberuf erlernt. Er ist zudem begnadeter Tätowierer, ein Meister für professionelle Bartpflege und männliche Atmosphären. Nicht nur im Stammsalon in der Ramsau hat Sebastian Pfister eine eigene kleine Männerwelt geschaffen. Mit „The Barber” in Salzburg ist es ihm gelungen, einen Männernerv unserer Zeit zu treffen – mit Leder, Holz und Whiskey. „Es sind zwei getrennte Betriebe, doch wir hängen schon ein bisschen zusammen”, erklärt Mona Pfister.

Die dritte Friseurmeister-Generation der Familie Pfister zeigt eindrucksvoll, dass Studium und Lehre keine Gegensätze sind, sondern sich kongenial ergänzen. Auch, um die Nachfolge anzutreten? „Das haben wir noch nicht festgelegt. Wir hoffen, dass der Papa genauso lange fit bleibt, wie der Opa”, sagt Mona Pfister mit schmunzelndem Ernst und entschuldigt sich. Kundschaft wartet: „Ich muss schneiden gehen.” Schön.

Pfister beim Frisieren, Studium und Meisterbrief

Das Frisieren in den Genen: Mona Pfister zog es nach dem Studium ins Familienunternehmen. Foto: Pfister

 

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