Sozialsystem: Steigende Kosten sorgen für Kopfweh

Das Sozialsystem in Tirol wird überwiegend aus Arbeitgeberbeiträgen finanziert. Die Kosten für die Betriebe steigen seit Jahren überproportional. Es gilt, diese Entwicklung einzubremsen und die Finanzierbarkeit zu sichern.

Österreich hat eines der dichtesten Sozialnetze der Welt. Oft geht in der öffentlichen Diskussion unter, wie dieses überhaupt finanziert wird: Die Arbeitgeber zahlen 56 Prozent der Beiträge ein, die Arbeitnehmer 44 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das: Die Tiroler Betriebe steuerten letztes Jahr 2,1 Milliarden Euro für das Sozialsystem bei, die Mitarbeiter 1,6 Milliarden Euro. Die Unfallversicherung, die Entgeltversicherung für Insolvenzen und die Mitarbeitervorsorge werden sogar ausschließlich aus Unternehmer-beiträgen gespeist. „Pensionen, Arbeitslosengeld, Umschulungen, Arztbesuche und vieles mehr: Ohne die hohen Beiträge der Wirtschaft könnte unser soziales Netz nicht aufrechterhalten werden“, erklärt WK-Präsident Chris­toph Walser. Die Tiroler Betriebe stabilisieren mit ihrem Beitrag das soziale Gefüge im Land. „Das gehört zum Selbstverständnis unserer Unternehmer, wie auch das freiwillige Sponsoring für Vereine, Sportveranstaltungen oder kulturelle Events durch viele Betriebe zeigt“, so Walser.

Sozialsystem setzt Betriebe unter Druck

Es setzt sich allerdings ein Trend der vergangenen Jahre ungebremst fort, der die dauerhafte Finanzierbarkeit gefährdet: Im Vergleich zum Vorjahr zahlten die Tiroler Betriebe 4,5 Prozent oder rund 90 Millionen Euro mehr ins Sozialsystem ein. Seit dem noch von den Folgen der Wirtschaftskrise gekennzeichneten Jahr 2010 waren es in Summe 600 Millionen Euro mehr, die von den Arbeitgebern jährlich aufgebracht wurden. Das entspricht einer Erhöhung um 40 Prozent von 2010 auf 2018. In diesem Zeitraum nahm die Anzahl der Beschäftigten in Tirol gerade einmal um 16 Prozent zu. Damit legten die Sozialausgaben zweieinhalb Mal stärker zu, als es der Steigerung bei den Beschäftigten entspricht. Diese Entwicklung setzt die heimischen Betriebe unter Druck und gefährdet ihre Wettbewerbsfähigkeit.

„Um dieses Auseinanderdriften einzubremsen und eine Trendumkehr einzuleiten, gilt es, an mehreren Stellschrauben zu drehen“, fordert Walser. Die Wirtschaftskammer zeigt klar auf, wo es hier Spielräume gibt. Größter Handlungsbedarf besteht bei den Lohnnebenkos­ten. Für jedes Bruttoeinkommen eines Mitarbeiters müssen Tiroler Arbeitgeber zusätzlich Lohnnebenkosten in Höhe von fast 50 Prozent finanzieren. „Die Senkung des Unfallversicherungsbeitrages um 0,1 Prozent kann nur der Anfang gewesen sein. Es braucht sowohl bei der Unfallversicherung als auch bei den Beiträgen zum Familienlastenausgleichsfonds und zur Arbeitslosenversicherung spürbare Reduktionen, damit unsere Firmen wettbewerbsfähig bleiben“, so Walser. Natürlich ist auch die Steuerlast insgesamt ein Problem – und es ist der Job der nächsten Regierung, die bereits ausgearbeitete Steuerreform zügig umzusetzen. Auch die einseitige Belastung bei Freizeitunfällen sowie überzogene Verwaltungsstrafen erzeugen hohen Kostendruck in den Firmen. „Die zukünftige Regierung wird dafür sorgen müssen, dass die Kosten für das Sozialsystem nicht weiter explodieren und sich die Betriebe ihren Beitrag auch leisten können“, fordert Christoph Walser.

Sozialsystem in Tirol

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