Über den Heimmarkt hinausschauen: Exporttag Tirol

Tirols Unternehmer werden immer exportfreudiger. Das zeigte sich beim jüngsten „Exporttag Tirol 2019“ in der Wirtschaftskammer in Innsbruck. Der Andrang der Tiroler Wirtschaft war enorm.

29 Wirtschaftsdelegierte aus allen Kontinenten waren zur größten Export-Informationsveranstaltung des Landes erschienen, um exportwilligen Unternehmen mit Rat, Rechercheservice und Kontakthilfe zur Verfügung zu stehen. Dazu gab es Workshops zu aktuellen Außenwirtschaftsthemen, und elf Exportdienstleister präsentierten ihr Angebot.

„Derzeit gibt es sonnige Aussichten für Exporteure“, sagt Unternehmensberater Christian Putzer. Heuer werden die Tiroler Unternehmen voraussichtlich rund 13,5 Milliarden Euro auf ausländischen Märkten erwirtschaften. Putzer selbst knüpft Wirtschaftsbeziehungen zwischen Tiroler Unternehmen und dem Kaukasus, Armenien, Aserbeidschan oder Weißrussland. Dazu gibt es auch ein unterstützendes EU-Programm. Der Sinn dahinter: Unternehmen aus diesen Regionen und Ländern sollen nicht automatisch nur in Moskau anrufen, sondern auch über Kontakte in Österreich, bzw. Tirol verfügen. „Der Exporttag hilft den Firmen, die ein Interesse für diese Regionen haben, in ausgezeichneter Weise“, sagt Putzer.

Auffallend: Gleich 15 Wirtschaftsdelegierte kamen aus asiatischen Ländern. Die hohen Wirtschaftswachstumsraten, die junge Bevölkerungsstruktur und hoher Aufholbedarf beim Aufbau der Infrastruktur machen diese Länder auch für Tiroler Exporteure zu Hoffnungsmärkten.

Breit aufgestellt

Das bestätigt auch Michael Pfeifer, Geschäftsführer der internationalen Holzgruppe mit Zentrale in Imst und Werken in Imst und Kundl: „Wir liefern in 90 Länder der Welt.“ Man mache zwar 80 Prozent des Umsatzes in Europa, aber derzeit seien außereuropäische Märkte zum Teil hochinteressant, etwa Nordafrika, Saudi Arabien, die Emirate. Dazu kommen Märkte wie Indonesien, Malaysia, Philippinen und Thailand. Das Wachstum in diesen Ländern sei rasant, es gebe am Bau Nachholbedarf – gute Bedingungen für Pfeifer.

Natürlich gebe es auch Märkte, die derzeit etwas schwierig seien, aber auch dort will Pfeifer für bessere Zeiten zumindest einen Fuß in der Tür haben. Ein breit aufgestelltes Portfolio an Exportmärkten sei für ein Industrieunternehmen wichtig, sagt Pfeifer. Den Exporttag schätzt Pfeifer sehr: „Die Veranstaltung ist sehr interessant, auch weil man von den Wirtschaftdelegierten Informationen bekommt, wie die einzelnen Exportmärkte in den nächsten Wochen und Monaten laufen dürften.“

Hohe Wachstumsraten

Auch Guntram Geppert vom Haller Turbinenund Wasserkraftwerksbauer Geppert sieht in Asien besonders gute Chancen. Großes Potenzial für Geppert haben vor allem Malaysia, Indonesien und die Philippinen. Geppert hat ein eigenes Produkt für entlegene Gebiete entwickelt: Ein kompaktes Kraftwerk passt dabei in einen üblichen Container und kann daher auch über schwierige Transportwege befördert und installiert werden.

„Die Bevölkerung in Südostasien wächst, das wird auch die Nachfrage nach elektrischem Strom wachsen lassen. Und der Trend geht auch in diesen Ländern zu erneuerbaren Energiequellen“, sagt Geppert und unterstreicht, dass sich sich Wasserkraft als Energieträger mit der nachhaltigsten Energiebilanz dafür ideal anbietet.

Auch Martin Klammer vom Südtiroler Waffelproduzenten Loacker (Produktionswerk in Heinfels/Osttirol), zuständig für Südostasien und China, waren die Angebote der Wirtschaftsdelegierten aus Asien hochinteressant: Er konnte gleich mehrere Ansprechpartner vor Ort kontaktieren – „sehr wertvoll“, wie er sagt. Klammer informierte sich bei den Außenwirtschaftsvertretern aus Indonesien, Thailand, Laos und China.

Auch Luis Schwarzenberger, ehemals Gründer von Physiotherm in Thaur, nützte den Exporttag. Derzeit startet er mit einem neuen Unternehmen durch: mit der Cell Genius GmbH, Innsbruck. Gemeinsam mit Sohn Leon bringt er eine Eigenentwicklung im Gesundheitsbereich auf den Markt, die laut Schwarzenberger revolutionäres Potenzial haben könnte. Es handelt sich um Geräte zur Körperzellerneuerung.

Unterstützende Strukturen

Den Exporttag Tirol 2019 ließen sich auch Igor Mlinar und Carsten Sommer von der Nox Cycles Austria in Zell im Zillertal nicht entgehen: Das seit 2017 existierende Unternehmen mit Konstruktionsbüro in Berlin und Assembling in Zell liefert hochwertige E-Bikes vor allem nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Künftig sollen aber weitere Exportmärkte den Unternehmenserfolg weitertragen. Da gelte es etwa, Vertriebsstrukturen in Italien aufzubauen. Beim Exporttag sondierten sie sinnvolle Markterschließungsmaßnahmen, aber auch Zuliefermöglichkeiten für die eigene Produktion.

Besonders begeistert von den Möglichkeiten des Tiroler Exporttages zeigte sich auch Hermann Weiskopf. Mit seiner AVG Filmproduktion in Innsbruck schwebt er derzeit ohnehin auf einer Erfolgswelle: Sein Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ über den im KZ Buchenwald ermordeten, 1996 seliggesprochenen Tiroler Priester (u. a. mit Ottfried Fischer), kommt international hervorragend an. Sogar im Vatikan konnte der Film Papst Franziskus vorgeführt werden. Den größten Erfolg landete Weiskopf aber beim Florida Filmfestival, wo er den Hauptpreis der Jury gewann. Damit nicht genug: Der NeururerFilm errang anschließend auch noch den Preis des Publikums für den besten Spielflm. „Das war ein außergewöhnlicher Start“, ist Weiskopf begeistert.

Der Exporttag war für ihn eine „Mega-Plattform“, um weitere Märkte für seinen Film zu sondieren: Weiskopf will seinen Film nicht nur in Deutschland und in den USA zur Vorführung bringen, sondern etwa auch in Brasilien, Frankreich, der Schweiz, China und Russland. Das Ziel ist die weltweite Distribution, erklärt Weiskopf: Der Exporttag war für ihn dabei sehr hilfreich: „Das ist das wichtigste für Independent-Produktionen: Wenn du so viel selbst machen musst, dann helfen Strukturen, wie sie hier am Exporttag anzutreffen sind, sehr. Das ist ein Segen für mich.“

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