Immobilienpreisspiegel 2019: Steigerungsdynamik lässt nach

Der  Immobilienpreisspiegel reflektiert die im vergangenen Jahr erzielten Durchschnittspreise. Die neueste Auflage zeigt, dass die Preise für Immobilien in Tirol nach wie vor steigen. Die Dynamik hat sich jedoch zuletzt abgeschwächt.

Der so genannte Immobilienpreisspiegel ist eine wichtige Unterlage für Treuhänder, alle beratenden Berufe und Konsumenten. „Er reflektiert die im vergangenen Jahr erzielten Durchschnittspreise für verschiedene Liegenschaftsarten in allen politischen Bezirken Österreichs“, erklärt Philipp Reisinger, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Tiroler Wirtschaftskammer.

Trends und Tendenzen am Tiroler Immobilienmarkt

„Regional betrachtet waren im gesamt Bundesland Tirol und in faktisch allen Immobilienklassen Preissteigerungen zu beobachten. Allerdings hat die Steigerungsdynamik deutlich nachgelassen und ähnelt eher einer Seitwärtsbewegung“, beschreibt Tirols Fachgruppenobmann Philipp Reisinger die Situation im Bundesland. Gesamt wurden in Tirol 2018 11.391 Immobilienverkäufe verbucht, das ist ein Zuwachs von 4,8 Prozent, wobei bei den einzelnen Objektarten eine sehr unterschiedliche Entwicklung zu verzeichnen ist.

„Die Grundstückspreise für Einfamilienhäuser haben sich sehr unterschiedlich entwickelt und sind im Raum Innsbruck und Umgebung in allen Wohnlagen erheblich gestiegen, wenn gleich nicht mehr jeder Preis bezahlt wird“, erklärt Arno Wimmer, Bundesberufsgruppensprecher der Immobilienmakler Österreich. Bereinigt ergibt sich für Innsbruck Stadt eine Erhöhung der realen Grundstückswerte zwischen 6,5 – 9 Prozent, wobei die mäßig bis normalen Lagen am meisten zulegten. Im Umland von Innsbruck zeigte sich die größte Steigerung im Bereich der guten Wohnlagen, während die Prämiumlagen deutlich moderater stiegen. Kitzbühel zeigte einen dynamischen Anstieg bei guten Wohnlagen, während dort die Prämiumbereiche keinen signifikanten Anstieg verzeichneten. Ein deutlich gebremster Anstieg, wenn auch natürlich auf hohem Niveau, bei einem durchschnittlichem m²-Preis von über 1.000 Euro. „Die Nachfrage in dieser Region übertrifft das Angebot allerdings bei weitem. In einzelnen Bezirken sind andererseits auch Preisrückgänge festzustellen. Generell ist festzustellen, dass bei vielen Grundstücke die bereits gewidmet sind, die Eigentümer vielfach keine Verkaufsabsichten haben und diese somit dem Markt nicht zur Verfügung stehen“, erklärt Wimmer.

Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Tiroler Wirtschaftskammer, Philipp Reisinger (l.) und Bundesberufsgruppensprecher der Immobilienmakler Österreich, Arno Wimmer, präsentierten den Immobilienpreisspiegel 2019.

Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Tiroler Wirtschaftskammer, Philipp Reisinger (l.) und Bundesberufsgruppensprecher der Immobilienmakler Österreich, Arno Wimmer, präsentierten den Immobilienpreisspiegel 2019.

Bei Grundstücken zur Betriebsansiedelung zeigen sich bei generell hochpreisigen Gebieten, wie Kitzbühel oder Innsbruck Stadt, bereits hohe Steigerungsraten bei einfachen bis guten Nutzwerten der Grundstücke, ausgelöst durch die hohe Nachfrage für Betriebsgrundstücke in diesen Räumen. „Die Preise für Grundstücke zur Betriebsansiedlung sind in Innsbruck erheblich gestiegen. Es werden nur sehr wenige Grundstücke verkauft. Sofern Grundstücke auf den Markt gelangen werden diese vielfach nur im Baurecht vergeben. In den anderen Bezirken sind je nach Nutzungswert sowohl moderate, zum Teil aber auch erhebliche Preissteigerungen und in wenigen Bezirken auch Preisminderungen zu verzeichnen“, so Philipp Reisinger, Fachgruppenobmann der Tiroler Immobilientreuhänder.

Die Preise für Eigentumswohnungen-Erstbezug sind in der Stadt Innsbruck und im „Speckgürtel“ am stärksten gestiegen. In Kitzbühel hat sich die Steigerung abgeschwächt. Bei gebrauchten Wohnungen hielten sich die Kaufpreissteigerungen in Grenzen, so Fachgruppenobmann Reisinger. Wimmer berichtet ergänzend dazu, dass festzustellen ist, dass in der Stadt Innsbruck kaum geförderte Eigentumswohnungen angeboten werden und ein hoher Anteil der Neubauwohnungen als Anlagewohnungen gekauft werden.

Bei den gebrauchten Eigentumswohnungen waren mit wenigen Ausnahmen in fast allen Bezirken Preissteigerungen festzustellen, die in den Bezirken durchwegs höher ausgefallen sind als bei dem Eigentumswohnungen-Erstbezug. Die Preissteigerungen waren bei allen Wohnanlagen und allen Wohnwerten gegeben. „Die Anzahl der Wohnungsverkäufe gesamt in Tirol beim Erstbezug als auch den gebrauchten Eigentumswohnungen sind von 2017 auf 2018 im Schnitt um 8,3 Prozent gesunken. Auffällig sind die Rückgänge der Wohnungsverkäufe in Innsbruck-Stadt mit 26,6 Prozent und in Innsbruck-Land mit 20,7 Prozent. Im Bezirk Kitzbühel wurden hingegen um 50,1 Prozent mehr Wohnungen verkauft“, erklärt Arno Wimmer. In den anderen Bezirken waren die Schwankungen im üblichen Ausmaß.

Überall dort, wo ein größeres Angebot an Reihenhäusern besteht, liegen die Steigerungsraten zum Teil unter dem Verbraucherpreisindex in mäßigen bis normalen Lagen. Sehr gute Wohnlage legen überall etwas zu.

Einfamilienhäuser generieren die geringsten Steigerungsraten. Es ist zu beobachten, dass sich die Dynamik im Prämiumbereich durchaus abschwächt. Hier scheint bereits der Plafond erreicht. Schnäppchen sind allerdings selten. Vielfach werden Einfamilienhäuser in guten Positionen von Bauträgern erworben um dort dann verdichtet zu bauen. In den Bezirken Reutte, Landeck, Schwaz und Lienz waren die Preise sogar rückläufig.

Bei Mietwohnungen in Tirol, bis auf punktuelle Ausreißer, wie in Telfs, zeigen die Ziffern eine rückläufige Tendenz bei den zu erzielenden Mietpreisen. Sowohl in Innsbruck-Land als auch in Innsbruck-Stadt sind die Mieten, gemessen an der Inflation, rückläufig. Damit zeigt sich auch hier der Trend zu rückläufigen Mieten im urbanen Bereich, wie in Süddeutschland und anderen Städten.

Büroflächen sind in der Vermietung durchaus ambivalent. Wenn die höchsten Steigerungsraten in Kitzbühel und Innsbruck Land einhergehen, sind Büroflächen in Lienz und Reutte nur mit einem erheblichen Abschlag zu vermieten.

Geschäftslokale liegen traditionell im Durchschnitt in Innsbruck Stadt am höchsten mit 25,40 Euro. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr von über 4,5 Prozent zeigt eine prosperierende Wirtschaftsleistung im Handel der Landeshauptstadt. Gefolgt vom Bezirk Kitzbühel mit der Stadt Kitzbühel und der Marktgemeinde St. Johann/T. Hier liegen die Durchschnittsmietpreise bei 24,3 Prozent.

Kein Interesse am Interessentenmodell

Nach wie vor ist der Zuzug in Innsbruck und Umgebung ungebrochen. Die Politik ist daher mehr denn je gefordert, Maßnahmen zu treffen, die Regionen für die Menschen leistbar und lebenswert zu machen: „Die Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder wird weiterhin als Partner vor Ort und in allen Regionen fungieren“, erklärt Obmann Philipp Reisinger. So sieht er auch das sogenannte “Interessentenmodell” sehr kritisch und fordert, auf dieses zu verzichten: “Es führt zu einer Einschränkung privater Bautätigkeit und reduziert vor allem das Angebot an Mietwohnungen. Die Folge wird sein, dass insgesamt weniger Wohnbauprojekte umgesetzt und vor allem weniger Mietwohnungen zur Verfügung stehen werden. Letztlich sinkt das Angebot für jene, die auf eine Mietwohnung angewiesen sind und sich keine Wohnung im Eigentum leisten können. Diese Entwicklung wäre für die privaten Bauträger, die Tiroler Bauwirtschaft und letztlich auch für Wohnungssuchende negativ. Das Modell bewirkt auf jeden Fall, dass private Wohnbauträger in ihrer Geschäftstätigkeit massiv eingeschränkt werden und abwandern.” Die Absicht der Politik verfehle somit das Ziel, ist sich Arno Wimmer sicher: “Das Interessentenmodell führt zu einer Verknappung des Marktes und zu Verzerrung der Preise. Dadurch werden zu wenige Wohnungen zur Miete zur Verfügung stehen.”

Der Immohttp://bestellung-immo@wko.atbilienpreisspiegel ist für Mitglieder der WKO zum Preis von 29,– Euro netto (zuzügl. Versandkosten) und für Nichtmitglieder zum Preis von 39,- Euro netto (zuzügl. Versandkosten) erhältlich.
Bestellungen bitte per Mail an den Fachverband.

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