Weisshaus Shop: Mit Mut Grenzen sprengen

Edle Tropfen, viel Know-how und wagemutige Schritte: Innerhalb kürzester Zeit wurde der Weisshaus Shop an der Grenze zwischen Pinswang und Füssen zu Österreichs größtem Premium-Spirituosen-Fachhändler.

Alkohol ist keine Lösung – sagt man. Tja, selbst wenn diese Weisheit für akute Problemstellungen individueller Natur wohl unbestritten ihre Berechtigung hat, muss sie für Herausforderungen anderer Art nicht nur überdacht, sondern regelrecht über den Haufen geworfen werden. „Viele haben prophezeit, dass der EU-Beitritt, die Einführung des Euros und dann noch die Umleitung des Verkehrs durch den Grenztunnel Füssen den Todesstoß für das Wirtschaften in der Grenzregion bedeuten. Es hat auch einige getroffen, doch die Familie Osler machte aus der Not eine Tugend“, weiß Wolfgang Winkler. Neben der Vilser Privatbrauerei zählt der Weisshaus Shop der Familie Osler für den Leiter der WK-Bezirksstelle Reutte zu den großen Erfolgsgeschichten in der Grenzregion und er stellt freudig fest: „Das floriert.“

Die beiden Grenzorte liegen nur rund fünf Kilometer voneinander entfernt und während das Vilser Bergbräu mit vergleichsweise geringem Alkoholgehalt seine geschmackvolle Wirkung entfaltet, konzentriert sich die Familie Osler mit enorm viel Geschick und nicht minder viel Geschmack auf Hochprozentiges. „Mittlerweile sind wir der größte Premium-Spirituosen-Fachhändler Österreichs“, sagt Andreas Osler und ergänzt: „Auch in Deutschland sind wir mit unserem Online-Vertrieb ganz gut dabei. Dort gibt es schon noch ein paar größere, aber wir können uns ganz gut behaupten.“ Zurzeit beliefert Weisshaus rund 200.000 Privatkunden, Händler und Gastronomen in Österreich und Deutschland. Mit einem über 4.000 Spirituosen umfassenden Sortiment, einem längst ausgezeichneten Kundenservice, einem hochmodernen Logistikzentrum und einem international aufgestellten Team werden von Pinswang aus in atemberaubender Regelmäßigkeit Grenzen gesprengt. Wo auch sonst, wenn nicht hier.

Haben die einen Vogel?

Andreas Osler ist Geschäftsführer des Weisshaus Shops, dessen Geschichte knapp 38 Jahre zurückreicht – zurück in eine echt andere Zeit. 1981 haben seine Eltern Josef und Annemarie Osler beim Grenzübergang Weisshaus, einem vom Ortszentrum recht weit entfernten Teil der Gemeinde Pinswang, einen Kiosk eröffnet. Den Grenzkiosk. Dass der US-amerikanische Techkonzern IBM in ebendiesem Jahr den ersten Personal Computer (PC) auf den Markt brachte, kann mit ein wenig Phantasie auch als Mosaikstein des aktuellen Erfolges angesehen werden. Doch – der Reihe nach.

Auf der Tiroler Seite dieser Grenze zwischen Pinswang und Füssen bzw. Tirol und Bayern gelang es dem Ehepaar Osler rasch, eine erfolgreiche Rast-, Verpflegungs- und Geldwechselstation für die Durchreisenden zu etablieren. Schon damals war beispielsweise der 80-prozentige Inländer-Rum vor allem für deutsche Ausländer sehr verlockend, mussten sie sich zuhause doch mit weniger Prozent begnügen. Nach der Volksabstimmung zum EU-Beitritt Österreichs 1994 begann im Weisshaus allerdings eine Uhr zu ticken – laut und grell. Das Geschäft mit den Ausfuhrbescheinigungen war nach dem EU-Beitritt genauso perdue, wie das Geschäft mit der Wechselstube, nachdem der Euro eingeführt worden war.

Der vielbeschworene, vermeintliche Todesstoß für das stark von der grenzüberschreitenden Kundenfrequenz lebende Unternehmen war aber die Eröffnung des Grenztunnels Füssen im Jahr 1999. Der infrastrukturelle Flaschenhals, der das letzte Teilstück der deutschen A7 mit Tirol verbindet, schluckt seither rund 90 Prozent des Grenzverkehrs und mit ihm auch den Großteil der potenziell hungrigen, durstigen oder Souvenir-bedürftigen Kunden. Der Standort wurde zu einer Art Niemandsland, ihn aufzugeben kam trotzdem niemals in Frage. „Die Leut‘ haben uns einen Vogel gedeutet, was wir da an der Grenze überhaupt noch machen“, wurde Josef Osler im März 2018 in der Tiroler Tageszeitung zitiert. Einen Vogel hatten sie echt nicht und jene, die das Geschäft an der Grenze dem Tode geweiht sahen, wurden eines Besseren belehrt.

Manchmal ist Alkohol doch eine Lösung - Annemarie und Josef sowie Andreas und Carla Osler (v.l.) freuen sich über den immensen Erfolg ihres Unternehmens.

Manchmal ist Alkohol doch eine Lösung – Annemarie und Josef sowie Andreas und Carla Osler (v.l.) freuen sich über den immensen Erfolg ihres Unternehmens.

Immer unter Feuer

Josef und Annemarie Osler war es gelungen, den standortschwächenden Widrigkeiten zum Trotz mit ihrem immer umfangreicher werdenden Sortiment an leckerem Hochgeistigen einen treuen Stammkundenstock aufzubauen. 2011 stiegen dann Sohn Andreas und seine Frau Carla Osler in das Geschäft ein. Und auch sie waren wachen und klaren Verstandes, als sie sich zu diesem Schritt entschlossen. „Ich war zehn Jahre lang in der Bank – der Sparkasse Allgäu – tätig, habe berufsbegleitend am MCI studiert und einige Zusatzausbildungen gemacht“, erzählt Andreas Osler und hält zudem fest: „Ich war in meinem Leben eigentlich immer unter Feuer und gut unter Druck. Das habe ich dann im unternehmerischen Dasein weiter gelebt.“  Den Weisshaus Shop aus- und den Online-Vertrieb professionell aufzubauen war das Ziel. Sein dafür geschärftes Wissen und das innere Feuer waren die Katalysatoren für die Umsetzung. „Natürlich hatten wir ambitionierte Expansionspläne. Aber es ist schon eine Nummer größer geworden, als wir erwartet haben“, sagt er.

In diese Richtung sind unternehmerische Überraschungen stets erfreulich, doch auch die Oslers haben klein angefangen. „2011 waren wir relativ spät dran, um das Thema online in die Hand zu nehmen, aber immer noch früh genug, damit es sehr gut reifen konnte“, weiß der Geschäftsführer. 2011 waren sie zu viert und Osler gesteht, dass die Überforderung schon eintrat, als zehn Pakete pro Tag versendet werden mussten. „Heute verarbeiten wir mit unseren 32 Mitarbeitern bis zu 2.500 Pakete am Tag“, sagt er. Weil das Wachstum durchweg organisch verlief, konnte es ohne Probleme in die Höhe gehen. Auch der Hangrutsch, der den Bau des Logistikzentrums verzögerte und deutlich verteuerte, ist zumindest schon fast verdaut. In dieser – mit modernsten High-Tech-Anlagen, wie etwa dem System „Pick to light“ ausgestatteten Halle werden die Bestellungen in Windeseile bearbeitet. „Wenn wir mit diesen Wachstumsraten weiter machen, werden wir auch dort in absehbarer Zukunft mit unseren Kapazitäten an unsere Grenzen stoßen“, stellt Andreas Osler fest, der den Erfolg auch darauf zurückführt, dass das Weisshaus Shop-Team bereit ist, für die Kunden „den Extrakilometer“ zu gehen. Auch der transparenzfördernde Umstand, dass im analogen Geschäft vor Ort der gleiche Preis verlangt wird, wie im „digitalen Laden“, ist nicht zu unterschätzen.

Weisshaus Shop bietet reizvolle Auswahl

„Der Weisshaus Shop bietet an Spirituosen alles was das Herz begehrt. Auch sehr seltene Spirituosen sind erhältlich. Über Newsletter erhält man auch immer Angebote mit besonderen Aktionen, pfiffigen Schnäppchen oder spannenden Neuheiten. „Die Ware der Bestellung ist sehr gut verpackt. Der Kundenservice ist hilfsbereit und freundlich. Bestelle immer wieder gerne im Weisshaus Shop. 5 Sterne +++. MFG :)“, lautet eine Google-Rezension, die den Grundtenor der Kundenreaktionen recht gut widerspiegelt.

Hinter reibungslosen Abläufen und Qualitätsgarantien steckt enorm viel professionalisierte Aufmerksamkeit und Arbeit. Zu den über 4.000 im Weiss-
haus Shop angebotenen Spirituosen-Sorten zählen beispielsweise mehr als 400 Rum- und über 1.000 Whisky-Sorten. Ende April 2019 erst war Andreas Osler in Kentucky, um „fassweise Whisky zu kaufen, den wir dann als Weisshaus-Edition herausbringen“. Diese „Bourbon-Reise“ dauerte nur drei Tage und Osler sagt: „Das ist schon knackig, doch ich versuche, die Reisen kurz zu halten, um so viel Zeit wie möglich operativ im Geschäft tätig zu sein.“

Seltenste Tropfen

Der direkte Kontakt zu den Produzenten „vor Ort“ wird beispielsweise bei Grappa oder Cognac gepflegt, weil die Welt der Spirituosen aber von Konzernen dominiert wird, arbeiten die Tiroler Grenzgänger viel mit deren Niederlassungen zusammen. „Wir bekommen jede Woche eine Riesenmenge an Mustersendungen von potenziellen Lieferanten oder Herstellern. Da machen wir auch blind tastings mit den Mitarbeitern, um intern zu bewerten, ob der Artikel Potenzial hat“, erzählt der Geschäftsführer, dem es immer wieder gelingt, auch seltenste Tropfen aufzuspüren. Die teuerste Flasche, die bis dato vom Weisshaus Shop verkauft wurde, war ein Whisky von Bowmore aus dem Jahr 1957. Sie kostete 149.000 Euro. Pro Schluck genießt man damit umgerechnet einen netten, einkarätigen Brillanten.

Seit 2017 ist der Weisshaus Shop auch offizielle „Ardberg Embassy“ und damit wichtiger Partner der berühmten Single Malt Destillerie. Die nächsten Botschaften der exklusiven schottischen Whisky-Könner befinden sich in München, Frankfurt am Main, Bonn, Berlin und Hamburg. Mit  Pinswang-Weisshaus findet die honorige Liste deutscher Metropolen eine prächtige Ergänzung. Ja, für Standorte im Niemandsland kann Alkohol durchaus eine Lösung sein.

Das Weisshaus Shop-Team sorgt dafür, dass die mehr als 4.000 angebotenen Spirituosen-Sorten zu den Kunden kommen - bis zu 2.500 Pakete werden täglich bearbeitet.

Das Weisshaus Shop-Team sorgt dafür, dass die mehr als 4.000 angebotenen Spirituosen-Sorten zu den Kunden kommen – bis zu 2.500 Pakete werden täglich bearbeitet.

»Weitere Informationen: Weisshaus Shop

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