„KI ist der nächste logische Schritt!“

Im Interview erklärt Clemens Plank, warum das Bild des Terminators ausgelöscht werden muss, um sich realistisch dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu nähern.

Der JW-Vorsitzende ist überzeugt, dass KI-Anwendungen viel kleiner und praktischer gedacht werden müssen: „KI ist der logische nächste Schritt. KI ist für alle da.“

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Eine Botschaft der Roadshow der Jungen Wirtschaft zum Thema Künstliche Intelligenz war, dass sich Unternehmer nicht mit dem Gedanken an den Terminator der KI annähern, sondern dabei viel kleiner, praktischer und anwendungsorientierter denken sollen. Warum?

Clemens Plank: Sie haben recht, das Thema KI wird sehr oft mit dem Terminator oder dem Minority Report verbunden. Da hat Hollywood ganze Arbeit geleistet und das Denken in eine falsche Richtung gelenkt. Das Thema Künstliche Intelligenz baut auf sehr altem Wissen, auf mathematischen Formeln, die es schon lange gibt. Erst jetzt, wo wir die Daten haben, kann dieses Wissen, diese Technologie umgesetzt werden. KI ist nichts, das sich junge Superschlaumeier ausgedacht haben und das nur Start-ups vorbehalten ist. Im Gegenteil. KI ist für jeden da.

Viele Menschen und auch Unternehmer haben in dem Zusammenhang eine innere Mauer aufgebaut, die KI von ihrem Leben oder Wirtschaften fern hält. Anhand welcher Beispiele sprengen Sie diese Mauer?

Man kann die Unternehmen in zwei Gruppen unterteilen. Die einen wollen mit KI ein individuelles Problem lösen. Zur anderen Gruppe zählen jene Unternehmen, die KI mit fertigen Anwendungen für sich nutzen wollen, um ihr Business besser zu betreiben. Klassische Beispiele hierfür sind Friseurbetriebe oder Arztpraxen, die Termine vereinbaren müssen. Sie könnten sich dabei multipel verfügbarer Produkte bedienen, die für sie die Terminkoordinierung erledigen. Die Terminvereinbarung ist oft etwas Zeitraubendes und sie kann relativ einfach an einen Assistenten ausgelagert werden, wo im Hintergrund ein Algorithmus arbeitet, der nach den Vorgaben der Friseurin oder des Arztes den Terminkalender plant. Das funktioniert wirklich schon sehr gut.

Wissen das die Unternehmen oder Betriebe, deren Alltag dadurch erleichtert werden könnte?

Ich glaube nicht. Ich glaube wir haben da generell noch ein Henne-Ei-Problem. Manche sind mit ihrem Kerngeschäft so eingedeckt, dass sie gar nicht den Kopf dafür haben, sich damit zu beschäftigen. Auf der anderen Seite haben wir sehr kreative, junge Unternehmen, die Lösungen entwickeln aber teilweise das Problem haben, sie an die Frau oder den Mann zu bringen. Ich glaube, dass wir da in Form von Beratung, Information und Service noch sehr viel zu tun haben.

Damit breit bekannt wird, dass es da einfache Möglichkeiten gibt, KI-Anwendungen zu nutzen?

Genau. Erst muss der Mythos des Terminators Arnie weggewischt werden. Dann kann der Frage nachgegangen werden, welche Problemstellungen ich in meiner Firma habe, wo es eventuell mittels KI beziehungsweise mittels Algorithmen oder Maschinenlernen eine Erleichterung gibt. Das kann bei der Terminplanung sein, bei der Kundenkommunikation, aber auch im Hotellerie-Bereich bei der Preisfindung. Um mich nicht selber – manuell – hinsetzen und täglich den Preis ändern zu müssen, kann im Hintergrund ein Algorithmus durch Marktbeobachtung automatisiert eine Preisoptimierung für mich durchführen. Damit spare ich mir sehr viel Zeit. Diese Arbeit ist ja sehr monoton, oft basiert die Preisfindung auf persönlicher Einschätzung und selektiver Wahrnehmung. Wenn mir das ein Algorithmus abnimmt und optimiert, habe ich mehr Zeit für mein eigentliches Geschäft und ich kann meinen Durchschnittspreis anheben. Eine Win-win-Situation. Dafür gibt es längst fix und fertige Lösungen.

Wie kann die Brücke zwischen den Menschen, die in der analogen Welt groß geworden sind, zur KI-Welt geschlagen werden. Sind da Experten nötig?

Das ist eine Variante, doch sehe ich im Moment das Problem, dass wir diese Experten nicht einmal im Ansatz in einer Breite zur Verfügung haben, um eine Flächendeckung zu erreichen. Um schneller in die Breite zu kommen ist meiner Meinung nach eine Roadshow, wie wir es gemacht haben, zielführender. Da kann ein Experte sehr schnell 100 bis 200 Menschen informieren. Die KI-Roadshow war die erste Veranstaltungsreihe, die es in der Form in Österreich gegeben hat – in dieser Breite und mit dieser Niederschwelligkeit. Im Wirtschaftsministerium tagt im Moment eine Expertengruppe und sie redet darüber, wie man das in die Breite bringen kann. Wir wollten nicht mehr reden, sondern es einfach machen.

Bei der Roadshow KI wurde genau in der von Ihnen angesprochenen Breite und praktischen Niederschwelligkeit informiert. Wie ist Ihr Resumee?

Wir hatten 170 Anmeldungen und waren sehr zufrieden. Jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir ein Grundwissen schaffen, das ganze entmystifizieren und dann in die praktische Anwendung bringen. Ich glaube, dafür braucht es eine Art Messe – wo wir erst eine Grundinformation geben, um die Leute abzuholen, und danach Unternehmer ihre verschiedenen KI-Lösungen wie an Messeständen vorstellen. Ich kann mir da ein buntes Potpourri vorstellen – für Preisfindungslösungen, Chatbot-Lösungen oder Terminfindungslösungen, wo die Unternehmen direkt Kontakt aufnehmen und ganz direkt und praktisch darüber aufgeklärt werden.

Sie begeben sich also auf eine Entmystifizierungs-Misson?

Ja genau. Wenn das Thema entmystifiziert ist, dann versteht jeder, dass es für jeden geeignet ist und dann wagt man sich auch an das Thema ran. So lange die Medien zu KI reißerische Headlines, wie „KI wird die Menschheit abschaffen“ bringen, so lange wird sich der durchschnittliche Tiroler Handwerksbetrieb nicht mit dem Thema befassen.

Im Zusammenhang mit KI bestehen große Ängste davor, dass Maschinen besser sein könnten, als Menschen. Muss auch dieses Bild entmystifiziert werden, weil das seit der Erfindung des Webstuhls zur industriellen Revolution zählt?

Ich glaube, dass wir – wie in der Vergangenheit – unseren Stolz in einzelnen Bereichen überwinden müssen. Wenn ein Algorithmus eine neutralere juristische Bewertung vornehmen kann, als tausend Juristen oder wenn ein Algorithmus einfach im Vorbeigehen meine Terminkoordination übernehmen kann, dann soll das so sein. Ich glaube, wir kämpfen in gewissen Bereichen immer noch mit der Automatisierung. Dieses Phänomen ist schon sehr alt. In den 1960-er-Jahren war auf einem Spiegel-Cover ein Roboter abgebildet und die Ausgabe wurde sinngemäß betitelt mit: „Die Maschinen übernehmen jetzt die Weltherrschaft“. Wir haben 2019 und es ist noch nicht passiert. Ich glaube, KI ist einfach der nächste, logische Schritt.

Im Fertigungsbereich wird KI schon breit angewandt. Können Sie ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel in der Mustererkennung. Wenn ein Algorithmus viele Daten hat, ist er dabei viel besser als der Mensch. Das kann bei der Qualitätskontrolle sein, etwa bei Schrauben oder anderen Werkstücken. Da sind uns mit unseren Augen oder unserer Konzentrationsfähigkeit Grenzen gesetzt. Eine KI-Lösung kann das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche machen und wird nicht müde, sondern mit der Zeit sogar noch besser.

Sind es diese KI-Lösungen, die Sie populärer machen wollen?

Allerdings. Ein Algorithmus kann uns jetzt schon viel Arbeit abnehmen. KI ist in erster Linie auch kein Thema von Start-ups sondern viel mehr von bestehenden, etablierten Unternehmen. Die haben nicht nur bewiesen, dass das Geschäftsmodell funktioniert, sondern vermutlich auch ausreichend Daten zur Verfügung. Es ist viel gescheiter, in einem allerersten Schritt unsere Bestandsindustrie und unsere bestehenden Prozesse zu optimieren, als alles Geld in Hochrisiko-Geschäfte zu investieren, wo noch niemand weiß, ob das Geschäftsmodell überhaupt funktioniert.

Muss KI schlicht viel praktischer gedacht werden, als dies bisher der Fall war?

Man sollte kleine Schritte setzen und sich nicht die wunderwuzziallumfassende KI wünschen. Es geht vielmehr darum, sich ganz gezielt Prozesse zu überlegen, die viel Zeit kosten – wo ein Algorithmus vielleicht besser sein könnte. Wichtig ist auch, es jetzt anzugehen, sich jetzt damit zu beschäftigen, sonst werden wir in fünf oder zehn Jahren ein großes Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit haben, weil die anderen mit KI entweder mehr, günstiger oder schneller produzieren. Aus Technologie-Sicht ist es für unseren Standort auch wichtig, dass wir Know-how in diesem Bereich aufbauen. Wenn Tiroler Unternehmen sich damit beschäftigen und Erfolg damit haben, können sie von ihrem Erfolg erzählen. Es geht nicht nur um Experten, denn Unternehmer wissen selbst am besten, was in ihrem Unternehmen besser laufen könnte. Wenn sie eine Lösung finden, werden sie auch anderen davon erzählen und sie inspirieren.

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