Walser: „Gehe auf Menschen zu und löse Probleme im Dialog“

Planbarkeit, verlässliche Bedingungen und mutige Reformen sind die Zutaten für einen stabilen Standort und sichere Arbeitsplätze.

Für WK-Präsident Christoph Walser ist diese Stabilität aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse in Gefahr. In seiner Arbeit setzt er auf direkte Kontakte und klare Worte.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Sie waren im ersten halben Jahr Ihrer Amtszeit bereits in allen WK-Bezirksstellen und haben in vier Bezirken Betriebsbesuche absolviert. Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt zu den Unternehmern?

Christoph Walser: Der persönliche Kontakt zu den Unternehmerinnen und Unternehmern ist mir sehr wichtig. Nur so erfährt die Kammer, wo in der Praxis der Schuh drückt, und kann bei negativen Entwicklungen rechtzeitig gegensteuern. Ich bin es als Bürgermeister gewohnt, auf die Menschen zuzugehen und Probleme im Dialog zu lösen.

Die Ereignisse der letzten Tage waren mehr als turbulent. Was ist aus Ihrer Sicht derzeit das Wichtigste?

Die Ibiza-Affäre hat hohe Wellen geschlagen. Jetzt kommt es darauf an, das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen. Der Misstrauensantrag gegen die Regierung ist aus meiner Sicht verantwortungslos. Es hätte in dieser heiklen Situation alles andere als parteipolitische Spielchen gebraucht, welche die Eskalationsspirale weiter anheizen. Wer den Wählerwillen ständig ignoriert und aus reinem Parteiinteresse die Republik nachhaltig schädigt, der wird vom Volk im September die Antwort darauf bekommen.

In den Medien taucht immer wieder das Schlagwort eines drohenden „Reformstaus“ auf. Welche Gefahr geht davon aus?

Durch die aktuelle Entwicklung auf Bundesebene ist Stillstand für das nächste halbe Jahr vorprogrammiert. Eine Experten-Regierung verwaltet, sie gestaltet nicht. Ein Reformstau wirkt sich auf den Standort und damit verbunden natürlich auch auf die Sicherheit der Arbeitsplätze negativ aus. Die ersten Ratingagenturen haben bereits angekündigt, sich die Entwicklung in den nächsten Wochen genau anzusehen und gegebenenfalls die Kreditwürdigkeit Österreichs herabzustufen.

Welche Rolle spielen die Sozialpartner in der momentanen Situation?

Die Sozialpartner haben in der Vergangenheit schon oft unter Beweis gestellt, dass sie eine funktionierende und stabilisierende Säule der Demokratie in Österreich darstellen. Wenn es wie derzeit politisch instabil ist, zählen Kontinuität und Sachkompetenz seitens der Sozialpartner umso mehr. Sie sind die langfristige Konstante in unserer Republik und stehen gerade auch in schwierigen Zeiten für das Gemeinsame.

Stichwort „gemeinsam“ – ist es nicht gerade in der Wirtschaft schwer, so viele Einzelinteressen unter einen Hut zu bringen?

Natürlich sind Unternehmer in vielen Fällen Konkurrenten. Aber sie sind speziell bei größeren Projekten auch gewohnt, zu kooperieren. Es braucht auch in der Außenvertretung eine starke, gemeinsame Stimme, um unternehmerische Interessen vertreten zu können. Ich sehe es als meine Aufgabe, Einzelinteressen auszugleichen und gegenüber der Politik für Rahmenbedingungen zu kämpfen, die Lust auf Leistung machen.

Wie interpretieren Sie die Ergebnisse der EU-Wahl?

Die hohe Wahlbeteiligung ist erfreulich. Der Wähler hat auch ein gutes Auge dafür, wer im Land für Stabilität steht. Und es ist für Tirol ein großer Erfolg, dass wir mit Barbara Thaler wieder eine direkte Vertreterin in Brüssel haben. Es gibt eine ganze Reihe von Fragen – etwa den Transit – bei denen es jetzt eine intensive Abstimmung mit der EU braucht.

Der letzte Forschungsbericht zeigt, dass es bei der Umsetzung von Innovationen in die Praxis noch hakt. Was kann hier die WK tun?

Wir bieten den heimischen Betrieben ein umfangreiches Beratungspaket, gerade auch im Bereich Digitalisierung. Und wir holen mit Veranstaltungen wie dem Innovationspreis pfiffige Firmen vor den Vorhang. Damit trägt die Wirtschaftskammer dazu bei, genau jene Lücke zu schließen, wo Österreich noch Aufholbedarf hat: bei der direkten praktischen Umsetzung von Erkenntnissen in neue Produkte und Dienstleistungen.

Die großen Tiroler Themen sind aufgrund der Entwicklungen auf Bundesebene in den Hintergrund geraten. Was steht bei uns vordringlich an?

Leistbares Wohnen ist und bleibt eine große Herausforderung in Tirol. Die Wirtschaftskammer hat viele Vorschläge vorgelegt, wie sich Wohnen ohne Einbußen in der Qualität günstiger gestalten lässt. Wir haben auch ausführlich erläutert, warum das Interessentenmodell mehr Problem als Lösung ist, weil es letzten Endes auf Planwirtschaft hinausläuft. Auch beim Dauerthema Transit bringen wir uns laufend ein und achten darauf, dass die heimischen Betriebe nicht die Leidtragenden sind. Über diese beiden Themen hinaus ist mir Aus- und Weiterbildung ein großes Anliegen. Unsere aktuelle Lehrlingskampagne „Mein Madl, mei Bua“ ist ein Beispiel dafür.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!