Erfolgsmodell Lehre: Oft kopiert, nie erreicht

Unsere Lehre dient anderen Ländern als Vorbild. Doch für einen „Export“ des Systems müssen auch andere Voraussetzungen gegeben sein. Zum Beispiel professionelle Ausbildungsbetriebe und strenge Qualitätskriterien.

Die duale Berufsbildung rückt angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern in den Mittelpunkt des Interesses und steht weit oben auf der EU-Agenda. Die heimischen Fachkräfte bestätigen ihr hohes Niveau laufend bei internationalen Berufsmeisterschaften. Die österreichischen Teams setzen sich dort regelmäßig gegen die internationale Konkurrenz durch – wie kürzlich bei den WorldSkills in Abu Dhabi oder den europäischen Berufsmeisterschaften in Budapest. Unter anderem ging die „Best of Nation“-Auszeichnung an die heimischen Nachwuchs-Fachkräfte. Kein Wunder, dass unser Know-how zur Lehrlingsausbildung weltweit gefragt ist: „Wir hatten bereits Delegationen aus Amerika und Osteuropa in Tirol. Auch Spanien hat sich über unser Modell informiert. Das hohe Interesse und die Erfolge unserer Lehrlinge zeigen, was die duale Ausbildung leisten kann“, berichtet der Leiter der WK-Bildungsabteilung, Johannes Huber.

Strenge Qualitätskriterien für Ausbildung

„Die Wirtschaftskammer bietet anderen Ländern Einblicke und Hilfestellungen bei der Einführung der Lehre“, erklärt die für europäische und internationale Kontakte zuständige Vizepräsidentin der WK Tirol, Barbara Thaler. Wie eine Studie des Instituts der Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) zeigt, braucht es aber für die Einführung der Lehre bestimmte Voraussetzungen. Das ibw hat sieben Erfolgsfaktoren für die Lehrausbildung herausgearbeitet (siehe untenstehende Grafik). Diese Rahmenbedingungen sind für die interessierten Länder wichtig, zeigen aber umgekehrt auch, wie tief die Lehre in Österreich verankert ist. „Wir verfügen an unserem Standort über dieses solide institutionelle Fundament. Die Lehre ist ganz tief in der österreichischen Identität verankert“, erklärt Barbara Thaler. Als das Kernelement einer dualen Berufsbildung nennt die Studie die Unternehmen, welche die Bereitschaft mitbringen, als Ausbildungsbetriebe tätig zu werden. „Das ist der Wirtschaftskammer bewusst. Deswegen achten wir auf strenge Qualitätskriterien für die Lehrausbildung und unterstützen die Betriebe aktiv bei ihrer Aufgabe“, betont die Vizepräsidentin.

Besserer Stellenwert der Lehre

Ganz wichtig ist das gegenseitige Vertrauen von Schule und Wirtschaft in ihren jeweiligen Beitrag. Dieser wechselweise Respekt ist in Österreich gegeben und Grundlage für die weitere Aufwertung der Lehre. „Wir möchten die Lehre als völlig gleichwertige Alternative zum schulischen Ausbildungssystem etablieren – mit Durchgängigkeit bis zur höchsten Bildungsstufe“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser. Einen wichtigen Schritt auf diesem Weg setzt die Bundesregierung gerade, indem sie das Berufsausbildungsgesetz überarbeitet. Lehrausbildungen sollen künftig mindestens alle fünf Jahre aktualisiert werden. Zudem kommen auch die verwendeten Begriffe in der Gegenwart an: Statt einer „Lehrlingsentschädigung“ gibt es künftig ein „Lehrlingseinkommen und statt einer „Verwendung“ von Lehrlingen eine „Beschäftigung“. „Das drückt den Stellenwert einer Lehre viel besser aus als bisher“, betont Christoph Walser.

»Aktuelle Lehrlingskampagne der Tiroler Wirtschaftkammer: „Mei Madl – mei Bua“

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